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Rückblick auf die Antragswerkstatt Regionalbudget

Wirtschaftsförderung Wetterau stellt Förderhilfen für den ländlichen Raum vor

Bürgermeister Bertin Bischoffsberger eröffnet die Veranstaltung im vollbesetzten Heuchelheimer Dorfgemeinschaftshaus. | Bild: wfg

Auf große Resonanz ist die erste „Antragswerkstatt Regionalbudget der LEADER-Region Wetterau/Oberhessen“ der Wirtschaftsförderung Wetterau (wfg) in Kooperation mit der Fachstelle Strukturförderung des Wetteraukreises gestoßen. Vor rund 100 Interessierten erläuterten die Geschäftsführer der wfg, Bernd-Uwe Domes und Klaus Karger, sowie wfg-Mitarbeiterin Angelina Fernando im Dorfgemeinschaftshaus Heuchelheim im Detail Fördermöglichkeiten für Vorhaben im ländlichen Raum. Im Mittelpunkt stand das im August von der Hessischen Landesregierung neu aufgelegte und erweiterte Regionalbudget für Kleinprojekte. Ergänzend machte Christina Braum von der Fachstelle Strukturförderung des Wetteraukreises auf Zuschüsse aufmerksam, die zur Dorfentwicklung und Dorferneuerung gewährt werden können. Das speziell zur Unterstützung der Arbeit von Ehrenamtlichen aufgelegte Landesprogram „Starkes Dorf“ stellte Thomas Zebunke, Regionalbeauftragter der Landesregierung für den ländlichen Raum, abschließend kurz vor.

Der Obst- und Gartenbauverein in Ober-Seemen möchte einen kinderfreundlichen „Ertastungsgarten“ realisieren, um junge Familien für sein Anliegen zu gewinnen. Der Eltern-Kind-Verein aus Wölfersheim hätte gerne einen Bauwagen, in dem am Wölfersheimer See Präventions- und Entspannungskurse in naturnaher Umgebung für Kinder angeboten werden könnten. Der NABU in Ortenberg wünscht sich, sein neues Umwelt-Mitmach-Zentrum in Selters durch eine Dauerausstellung über die Geschichte des Salzes und der dortigen Salzwiesen weiter beleben zu können.

Drei Projektideen, die Vertreter der Vereine in der „Antragswerkstatt Regionalbudget“ spontan dem Publikum skizzierten. Aus eigenen Mitteln können die Vereine diese schwer umsetzen. Doch sie können sich Hoffnung auf finanzielle Unterstützung machen. Für die LEADER-Region Wetterau/Oberhessen stehen im Regionalbudget für 2020 insgesamt 200.000 Euro zur Verfügung, mit denen Projekte gefördert werden, deren Kosten sich zwischen 1000 Euro Minimum und 20.000 Euro Maximum, jeweils brutto, bewegen. Die Förderquote beträgt 80 Prozent. Die Antragsunterlagen sind bis spätestens 1. März 2020 einzureichen. Im April wird über deren Bewilligung entschieden. Ist ein Vertrag zwischen der wfg und dem Antragsteller geschlossen, kann die Maßnahme, die bis 15. Oktober realisiert sein muss, in Angriff genommen werden. 80 Prozent der vorfinanzierten Summe werden dann spätestens am 15. November ausgezahlt. Übersteigen die eingereichten Förderanträge die Regionalbudget-Summe von 200.000 Euro, erstellt der LEADER-Beirat ein Ranking. Für alle Anträge gilt: Sie müssen einen Bezug zum Regionalen Entwicklungskonzept Wetterau/Oberhessen (REK) sowie der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) erfüllen. „Je größer der Bezug“, so Angelina Fernando, „umso höher die Chancen auf Förderung“. Ein Anspruch auf Förderung besteht nicht.

„Wir hoffen, dass wir möglichst viele Ideen als Projektanträge eingereicht bekommen, die zur Zukunftsfähigkeit der Region beitragen“, so wfg-Geschäftsführer Klaus Karger. Nicht nur für Mittel aus dem Regionalbudget, sondern weiterhin für das von der Wirtschaftsförderung geleitete LEADER-Programm Wetterau/Oberhessen, für das Gelder aus der EU, dem Bund und dem Land fließen. Besonders für Kleinstunternehmen mit einer Mitarbeiterzahl unter zehn Personen interessant sind die neuen, sogenannten Mainstream-Förderbausteine, für die Bund und Land Gelder zur Verfügung stellen. „Sie können Meilensteine für unsere Region sein“, so Klaus Karger. Denn Betriebe aus Handwerk, Gastronomie oder Gewerbe, die mit einer Maßnahme einen Arbeits- und Ausbildungsplatz schaffen, können mit bis zu 200.000 Euro Unterstützung rechnen. Der Kreis der Kommunen, aus denen Anträge gestellt werden können, umfasst den gesamten Wetteraukreis mit Ausnahme von Rosbach, Bad Vilbel, Karben und Wöllstadt.

Auch wenn das Antragsverfahren für das Regionalbudget gegenüber einer Antragstellung für ein LEADER-Projekt deutlich einfacher ist, das Team der Wirtschaftsförderung ist sich bewusst, dass ein jeglicher bürokratischer Aufwand - gerade für Vereine und Initiativen mit zusätzlicher, zumeist ehrenamtlicher Arbeit verbunden ist. Für die ersten sieben Projekte, die über das Regionalbudget in 2019 mit insgesamt mehr als 47.000 Euro gefördert wurden, hat er sich gelohnt. 

 „Wir verstehen uns als Lotsen, um für Ihr Projekt aus den vielen Fördermöglichkeiten die individuell Beste herauszufinden“, so Bernd-Uwe Domes. Der Bauwagen bei Wölfersheim, die Dauerausstellung in den Salzwiesen in Ortenberg, der Fühlgarten in Ober-Seemen: Nach der ersten, nur kurzen mündlichen Skizzierung sieht das wfg-Team gute Chancen für die Drei. Eine Ermunterung für die Vereinsvertreter. „Wir bieten Ihnen den Dialog und Unterstützung an“, so Domes. „Wir brauchen aber auch ihre aktive Mitarbeit.“ Noch ein Appell von Christina Braum: „Wenn Sie ein Projekt realisieren wollen, nehmen Sie frühzeitig Kontakt mit uns auf.“

Reichelheims Bürgermeister Bertin Bischofsberger hat dies bereits getan. Zwischen Weckesheim und Dorn-Assenheim liegt der letzte, 40 Hektar große Bergwerksee aus der Zeit des Kohleaubbaus. „Wir möchten dort Stelen und Informationstafeln zur Geschichte des Sees aufstellen“, sagt der Rathauschef. Klaus Englert, Ortsvorsteher im Bad Nauheimer Stadtteil Schwalheim, setzt sich dafür ein, dass das mineralhaltige Wasser am Sauerbrunnen für ein einzigartiges Kneipp-Tretbecken genutzt werden könnte, anstatt ungenutzt in die Wetter zu fließen. Auch diese Idee wird die wfg prüfen. Eines konnte Bernd Domes dem Schwalheimer Ortsvorsteher bereits in Heuchelheim sagen: „Da ein solches Kneipp-Tretbad kein Kleinvorhaben ist, kommt das Regionalbudget nicht in Frage. Wohl aber vielleicht das Mainstream-Programm des Landes Hessen zur Entwicklung von Basisinfrastruktur, denn dieses gilt für die vergrößerte GAK-Gebietskulisse.“

Näheres zu LEADER und dem Regionalbudget finden Sie unter www.wfg-wetterau.de, zur Dorfentwicklung und Dorfmoderation unter www.wetteraukreis.deund zum Landesprogramm „Starkes Dorf“ unter www.landhatzukunft.hessen.de.