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Rückblick auf das Wirtschaftsforum Wetterau 2020

Digitalisierung und Fachkräfte - Chancen und Herausforderungen für kleine und große Unternehmen

Ein Umbruch, der alle Betriebe angeht

Forum der Wirtschaftsförderung stellt innovative Konzepte gegen den Fachkräftemangel und Beratungsangebote zur Digitalisierung vor

Die Chancen und Herausforderungen, die mit den Themen Fachkräfte und  Digitalisierung für kleine und mittlere Betriebe in der Region verbunden sind,  hat die Wirtschaftsförderung Wetterau (wfg) in ihrem ersten Wirtschaftsforum 2020 im Februar in Butzbach ausgelotet. Als Best-Practice-Beispiele stellten Julian Lauth, Schreinermeister und Inhaber der Holzfreude-GmbH aus Butzbach sowie Andreas Schmitt und Claudia Moser, Geschäftsführer von blfp Architekten in Friedberg vor, mit welchen innovativen Ideen und familienfreundlichen Konzepten es ihnen gelingt, Fachkräfte zu gewinnen und zu binden. Beide Unternehmen wurden in 2019 vom Wetteraukreis als familienfreundliches Unternehmen ausgezeichnet, wie Kornelia Schäfer vom Fachbereich Frauen und Chancengleichheit erläuterte.

Angesichts der Ergebnisse der „regio pro“-Studie des Instituts für Wirtschaft, Arbeit, Kultur an der Frankfurter Goethe-Universität für den Wetteraukreis, müssen sich „alle Betriebe neue Strategien überlegen“, so wfg-Geschäftsführer Klaus Karger. Von 2010 bis 2019 eine Wachstumsregion, sowohl bei den Einwohner- wie bei den Beschäftigungszahlen - stünden dem Kreis „in den nächsten Jahren spürbare Umbrüche bevor“, wie sein Kollege in der wfg-Geschäftsführung, Bernd-Uwe Domes, sagte. Der entscheidende Umbruch: „Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand.“ Davon ist nicht selten gerade im Handwerk ein Familienbetrieb betroffen, in dem der Sohn nicht mehr in die Fußstapfen des Vaters treten möchte. Wie aber kann ein kleines, ein mittelständisches Unternehmen dennoch seine Zukunft sichern? Nicht  allein. Es braucht oft Hilfe mit Rat und Tat.

„Mit dem Forum und unseren Aktivitäten möchten wir auf die  Unterstützungsangebote, die wir als Wirtschaftsförderung und unsere Partner machen, hinweisen“, so Bernd-Uwe Domes eingangs. Denn der drohende Fachkräftemangel „hemmt die wirtschaftliche Entwicklung der Region.“ Einer von vielen Partnern der wfg ist dabei das Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0 in Darmstadt, mit dem die wfg in 2019 eine Kooperationsvereinbarung geschlossen hat. Wie Diplom-Ingenieur Tobias Meudt referierte, hält das Kompetenzzentrum der TU zahlreiche „Unterstützungsleistungen für Unternehmen bei Digitalisierungsprozessen“ bereit. Von Workshops über Seminare bis zur konkreten Beratung vor Ort. Besonders nachgefragt neben rund hundert Veranstaltungen: eine Stoffstromanalyse 4.0. Mit ihr können die Schwachpunkte in einer Firma ermittelt werden, die sich etwa bei einem Herstellungsprozess zwischen dem ersten Kontakt bis zum fertigen Produkt ergeben.

Etwa unnötig lange Wege, ungenutzte Kapazitäten, mangelnde Kommunikationsstruktur. „Unsere beiden Lernfabriken sind der Nukleus des Kompetenzzentrums.“. Und, so seine Einladung: „Nutzen Sie die Möglichkeit, diese bei einer Führung kennenzulernen.“ Etwa die ETA, das Energieeffizienz-, Technologie- und Anwendungszentrum der TU Darmstadt. Durch die Finanzierung des Bundesministeriums sind viele der Angebote kostenlos. Zumindest bis die Förderung des Kompetenzzentrums im März 2021 ausläuft.

Eine Einladung sprach auch Professor Dr. Fabian Tjon von der THM Mittelhessen an Unternehmen aus: Ihr Interesse an Absolventen des dualen Studiengangs zu bekunden. Zum Beispiel auf der Homepage der Uni. Denn das Studium Plus (seit 2010) ist eine Win-Win-Situation für die Studierenden wie für Unternehmen. Mittlerweile hat die THM 950 Kooperationspartner in der Wirtschaft. Zwar zahlten diese für ihre Nachwuchsmitarbeiter, während diese noch theoretisch in der Hochschule unterrichtet werden. Doch dafür hätten die Betriebe  Nachwuchskräfte, die schnell einsetzbar sind, eine Verbindung zur Region haben und zudem kompetente Begleitung durch Professoren in den insgesamt sieben Fachbereichen. „Das ist ein Transfer von Knowhow nach zwei Seiten.“ Ein sehr erfolgreicher. Das „Duale Studium“ an der  THM haben bereits 3700 Studierende abgeschlossen. 

„Für alles, was Bits und Bytes betrifft“, so Kay Uwe Bolduan vom RKW, bietet das Rationalisierungs- und Innovationszentrum Unternehmen Unterstützung an. Ob es um die Umstellung auf eine digitale Buchhaltung geht, die Präsenz in sozialen Medien oder den Datenschutz. Die Zahl von 800 Beratungen pro Jahr zeige, wie groß der Bedarf ist, so der Referent beim ersten wfg-Wirtschaftsforum in 2020. Der Beratungsbedarf wie die Klage über den Fachkräftemangel könnten obsolet werden, wenn man Rinku Sharma folgt. Der Jung-Unternehmer hat in Bad Vilbel mit „techeroes“ eine Wissens- und Technologietransfereinrichtung gegründet. In der Technik-Akademie lernen Kinder und Jugendliche bereits das professionelle Programmieren.  Im sogenannten Disruptive Learning, das schon in Kindergärten und Schulen vermittelt werden soll, liegt die Zukunft. „Dann gibt es keinen Fachkräftemangel.“

Mehr als 80 Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft vermittelte das von wfg-Projektleiter Oliver Schmidt moderierte Forum der Wirtschaftsförderung die Facetten, die beide Themen beinhalten. Mit der Unterstützung der wfg bei der Bewältigung der Herausforderungen von Digitalisierung und Fachkräftemangel können kleine und mittlere Unternehmen in der Region rechnen. Für die Unterstützung, die die Wirtschaftsförderung von ihren Gesellschaftern erhält, dankte diesen Geschäftsführer Bernd-Uwe Domes ebenso wie Butzbachs Bürgermeister Michael Merle  als Gastgeber in der „gut Stubb“, der alten Turnhalle der Schrenzerstadt. Unter diesen insbesondere dem Wetteraukreis, an dem Abend vertreten durch den Kreisbeigeordneten Matthias Walther, für die „deutlich erhöhte Zuwendung“ zur Arbeit der Wirtschaftsförderung.

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Die Vorträge des Wirtschaftsforums Wetterau 2020 können Sie hier abrufen: