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Pressebericht: Regionalforum der LEADER-Region Wetterau/Oberhessen

Region im Aufbruch: Chancen und Herausforderungen für Stadt- und Regionalentwicklung

Ortenbergs Bürgerhaus beim LEADER-Regionalforum voll besetzt | Bild: wfg

Der Antrag ist eingereicht. Um die Lebens-, Wohn- und Arbeitsbedingungen im Oberen Niddertal zukunftsfähig weiterzuentwickeln, haben Gedern, Hirzenhain und Ortenberg gemeinsam ihre Bewerbung für das Städtebauförderprogramm „Aktive Kernbereiche“ aktuell abgegeben. Ein Beispiel, dass die „Region im Aufbruch“ ist. Weitere Projekte  aus den 17 Kommunen der LEADER-Region Wetterau/Oberhessen stellten jetzt Referenten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Handwerk und Politik auf dem jüngsten Regionalforum der Wirtschaftsförderung Wetterau (wfg) im bis auf den letzten Platz besetzten Bürgerhaus Ortenberg vor. Ziel der Veranstaltung in Kooperation mit dem Verein Oberhessen und dem Verein Wirtschaft.Regionalentwicklung.Wetterau: die Chancen und Herausforderungen für die Stadt- und Regionalentwicklung aufzuzeigen.

Die Herausforderungen benannte wfg-Geschäftsführer Bernd-Uwe Domes: Digitalisierung, Mobilität, Energiewende, Arbeitsplatzsicherung und Infrastruktur. Die sich „immer schneller ändernden Technologien“ wie die sich „deutlich verändernden Ansprüche an Bauen und Wohnen“ erfordern von Kommunen „Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung“, um als „Lebensort für Jung und Alt, ebenso wie für Betriebe und Investoren attraktiv zu bleiben“. Die Chancen für die Region stehen dafür gut. Denn wie wfg-Mitarbeiter Oliver Schmidt aufzeigte: Der Wetteraukreis liegt beim Wachstum der Einwohnerzahl in Hessen an erster Stelle, mit 22 Prozent Zuwachs (1987 bis 2018). Jedoch ist die positive Entwicklung nicht gleichmäßig verteilt. Bislang profitieren von dem sich ausbreitenden Druck aus der Metropole Frankfurt insbesondere die Kommunen im Süden sowie entlang der Autobahnen A 5 und A 45. Aber auch im östlichen Teil des Wetteraukreises lassen sich insgesamt zunehmende Überschwapp-Effekte erkennen. Die Zukunft für den ländlichen Raum sah Schmidt daher positiv, allerdings: „Nur wo Entwicklung stattfindet, können Potenziale genutzt werden“.

Welche Bedeutung dabei der Stadtinnenentwicklung zukommt, verdeutlichte Dr. Björn Hekmati von der TU Darmstadt in seinem Hauptvortrag. Eine Außenentwicklung, etwa durch die Ausweisung von neuen Gewerbegebieten, sei „auf kurze Sicht zwar profitabel“, wirke aber der „Vitalität“ von Kommunen entgegen. Doch was braucht es für Vitalität? Neben „Substanz“, wie attraktiven Gebäuden und/oder einer schönen Landschaft:  gute Umweltbedingungen. Denn neben der Substanz eines Ortes bestimmt die „Situation“ dessen Wahrnehmung. Dazu gehöre, sich wohlzufühlen und Gemeinschaft zu erleben. Erst die gelungene Kombination von Substanz und Situation ermögliche „Atmosphäre“. Um diese zu erreichen, müssten Kommunen ein individuelles Leitbild erstellen. „Dabei muss der Zeitaspekt, also über Legislaturperioden hinweg, berücksichtigt werden. Außerdem gilt es ein akteurs-, raum-, ressort- und maßnahmenübergreifendes Konzept zu entwickeln als Voraussetzung für jedwede spätere Städtebauförderung. Für die Konzepterstellung braucht es in der Regel externe Unterstützung, die sich Kommunen fördern lassen können.“ Denn, so wfg-Geschäftsführer Klaus Karger ergänzend: „Stadtentwicklung ist ein zentrales und anspruchsvolles Dauerthema in jeder Kommune.“

Bei dem jeder Schritt zählt. Wie etwa in Nidda, wo das stadtbildprägende „Alte Gymnasium“, das über zwei Jahrzehnte leer stand, nach seinem Umbau 23 Wohnungen beherbergen wird. Ein Projekt, das durch die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Investor, Stadt, Denkmalschutz und örtlichen Unternehmen verwirklicht werden kann, wie die Architekten Johanna Sophie Zimmer und Leon Gierhardt betonten. Gute Aussichten für ein gelungenes Beispiel der Innenentwicklung hat auch die Dorf-Akademie, die Florian Herrmann vom Verein Oberhessen vorstellte. In der Federführung der wfg soll der Förderantrag für die sowohl virtuelle wie nicht-virtuelle Weiterbildung von Ehrenamtlichen noch im September dieses Jahres im Rahmen der LEADER-Förderung gestellt werden. Dass auch Kleinstunternehmer mit weniger als 10 Mitarbeiter von dem EU-Programm profitieren können, zeigt das Beispiel von Martin Röhling, Steinmetzmeister aus Nidda. Er bekam für seinen Ausbildungsbetrieb finanzielle Unterstützung für die Anschaffung einer CNC-gestützten Brückensäge. Was Timo Georg Knaupp, Dachdecker- und Zimmermeister aus Wölfersheim Mut machte, sich ebenfalls um LEADER-Mittel zu bewerben, um seinen Betrieb für die Zukunft zu rüsten.

Wfg-Mitarbeiterin Angelina Fernando war es vorbehalten, die neuesten Förderangebote für ländliche Räume in Hessen vorzustellen. Demnach können Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeiter mit 35%, max. bis zu 200.000 € gefördert werden. Projekte zur Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse können mit 65% und max. 500.000 € gefördert werden. Auch Kleinprojekte mit Gesamtkosten bis zu 20.000 € können über das sogenannte „Regionalbudget“ sogar in einem vereinfachten Antragsverfahren mit 80% gefördert werden. Alle Projektvorhaben müssen jedoch einen Bezug zum Regionalen Entwicklungskonzept der LEADER-Region Wetterau/Oberhessen erkennen lassen.

Gute Nachrichten also wenn es um die „Region im Aufbruch“ geht. „Dazu müssen alle Akteure weiterhin unermüdlich arbeiten“, wie Ortenbergs Bürgermeistern Ulrike Pfeiffer-Pantring sagte. „Und ohne Bürgerbeteiligung und Interdisziplinarität geht gar nichts“.  Bernd-Uwe Domes ist optimistisch, dass dies gelingt. „Denn die Menschen sind das Kapital der Region. Ihre Verbundenheit zu ihren Heimatorten zu erkennen und zu unterstützen, ist der wichtigste Wert für die Bewältigung unserer Zukunftsaufgaben“.