
Limes in Altenstadt und Limeshain
Ein Wachtturm ziert heute das Limeshainer Wappen
Der Limes wurde in die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO aufgenommen. Kreis-Archäologe Dr. Jörg Lindenthal stellt in einer kleinen Serie die Wetterauer Kostbarkeiten am Rande des Weltkulturerbes vor. Beginnend auf der Westseite am Taunusrand, folgen wir dem Limesverlauf durch unser Kreisgebiet bis nach Limeshain auf der Ostseite.
Auf dem letzten Abschnitt unserer Reise am Limes innerhalb unseres Kreisgebietes passieren wir heute das Gebiet von Altenstadt und, nomen est omen, Limeshain. Bereits im Stammheimer Wald findet sich am Winterberg mit Wp 4/96 ein Wachtposten mit älterem Holzturm und jüngerem Steinturm. Befindet sich der Hügel der Holzturmstelle noch am östlichen Rande eines Steinbruches, so wurde der etwas weiter nördlich anzutreffende Steinturm weitgehend vom Steinbruchbetrieb zerstört.
Hinunter nach Altenstadt ist außerhalb des Waldes der Grenzverlauf nicht mehr sichtbar. Der Limes verläuft weiter mitten durch Altenstadt, streift dann den östlichen Rand von Oberau und ist nach dem Eintritt in den zu Höchst gehörenden Wald wiederum als hoher Wall sehr gut sichtbar. Hier liegt auch das Kleinkastell "Auf dem Buchkopf", das auf halber Strecke zwischen den Kastellen Altenstadt und Marköbel errichtet wurde. Die Reste des Bauwerkes werden heute von einem flachen Schutthügel bedeckt.
Am westlichen Rand des alten Ortskerns von Altenstadt lag das heute vollkommen überbaute Kastell. Während der langen Forschungsgeschichte - zuletzt fanden umfangreiche Grabungen in den 1950er Jahren statt - konnten mehrere Ausbauphasen der Anlage teilweise dokumentiert werden. Aus einem Kleinkastell am Ende des ersten Jahrhunderts n. Chr. entwickelte es sich über mehrere Ausbauphasen zu einem Numeruskastell. Mit Numerus werden Hilfstruppeneinheiten bezeichnet, die eine Stärke von etwa 100 Mann hatten. Über das angrenzende Lagerdorf, ebenfalls im Ortsbereich von Altenstadt, wissen wir wenig. Aufgabe des Kastells war, das Niddertal zu sichern.
Südlich der Landesstraße L 3347 beginnt der durchgängig sehr gut erhaltene Limeswall im Bereich der Kommune Limeshain. Diese entstand 1971 bei der Gebietsreform, als sich die Gemeinden Hainchen, Himbach und Rommelhausen unter dem Namen Limeshain zusammenschlossen. Im Ortswappen findet sich seitdem ein Limeswachtturm. An dieser Limesstrecke liegen die zwei gut zu erkennenden Turmstellen Wp 4/103 und Wp 4/105, letzterer aber bereits außerhalb des Wetteraukreises. Hier befindet sich unmittelbar an der Grenze zum Main-Kinzig-Kreis die so genannte Drususeiche - ein imposantes Naturdenkmal. Besonders lohnenswert macht der 1996 eingerichtete archäologisch-naturkundliche Rundwanderweg einen Besuch dieses Limesteils. Neben den rekonstruierten Limesanlagen (Palisade, Wall und Graben) und den Wachtturmstellen gibt es im Himbacher Wald mehrere große vorgeschichtliche Grabhügelfelder zu sehen. Der drei Kilometer lange Rundwanderweg beginnt am Rommelhausener Sportplatz am westlichen Ortsausgang Richtung Ostheim. Neben den archäologischen Informationen ist auch viel Wissenswertes über den heimischen Wald zu erfahren.
Damit ist das Ende der Limes-Wanderstrecke erreicht. Es bleibt zu hoffen, dass sich recht viele Leser Anregungen holen konnten, diese nun auch als Teil des Weltkulturerbes ausgezeichnete römische Hinterlassenschaft selbst zu erkunden. Gleichzeitig liegen rechts und links der Teilstrecken etliche Museen, die in ihren Ausstellungen viel Informatives über das zuvor Gesehene bieten und so den Besuch dieses größten archäologischen Bauwerkes in Europa und damit in Deutschland abrunden.
Aus dem Kreisanzeigr vom 29.08.2005


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