Apfelwein- und Obstwiesenroute

Neue Erlebniskarte mit acht Rundkursen. Verein Apfelwein- und Obstwiesenroute stellt Werk der Öffentlichkeit vor - Nächstes Projekt: Neuer Internetauftritt.

Aus dem Ovag-Magazin 03/06

Eine fruchtige Idee, die keimt und gedeiht
10 Jahre Apfelwein- und Obstwiesenroute in der Wetterau

„Du spinnst. Du hast ja einen Apfel im Kopf“, zogen seine Freunde und Bekannte Uli Schwabe immer wieder auf. Doch irgendwie hatte es Schwabe mit der paradiesischen Frucht, diese Freude und Lust ist ihm auch nicht durch derartige Frotzeleien auszutreiben. Heute kann man ohne Übertreibung sagen: Schwabe lebt für und einigermaßen von dieser fruchtigen Passion, betreibt in Ober-Mörlen eine Straußwirtschaft, zieht Menschen aus nah und fern mit nicht alltäglichen Veranstaltungen an. Um nur ein simples Beispiel seiner Begeisterungsfähigkeit zu benennen: „Das macht doch einen ungeheuren Spaß, wenn man den Menschen zeigen kann, dieser Boskop etwa stammt genau von dem Baum dort hinten.“ Allerdings: „Trotz eines spürbaren Aufschwungs seit Vereinsgründung müssten wir eigentlich noch viel mehr Werbung für unser Anliegen machen.“ Wir – das ist in diesem Fall der Verein Hessischer Apfelwein- und Obstwiesenroute im Wetteraukreis, in dem Uli Schwabe als 2. Vorsitzender fungiert. Vor zehn Jahren hoben 19 Mitglieder den Verein aus der Taufe. „Die Idee stammt eigentlich aus der Verwaltung des Wetteraukrei­ses“, erinnert sich Dr. Johannes Fertig, welcher seit Beginn das Amt des 1. Vorsitzenden innehat. Konkret: „Der Kreis hat seit geraumer Zeit das Prinzip der Direktvermarktung unterstützt. Man kam auf die Idee: Warum dieses nicht mit dem Apfel ausweiten. Zumal es im Main-Taunus-Kreis bereits eine Apfelwein- und Obstwiesenroute gab.“ Mittlerweile sind übrigens vier weitere solcher Vereinigungen hinzu zugekommen, nämlich in Gießen, im Odenwald, Main-Kinzig-Kreis sowie Offenbach und Umgebung.

Paradiesisch: 220.000 Obstbäume

Die Wetterau zählt zu den streuobstreichsten Gebieten in Hessen überhaupt. Rund 220.000 hochstämmige Obst­bäume wachsen hier und liefern den Rohstoff für das „Stöffche“. Jener süffige Apfelwein, der die Geschmackssinne anregt und den Genießer zum Sprechen bringt. In der Heimat des Äppelwoi bestimmt der Apfel eine regelrechte Produktpalette. Als Tafelobst, getrocknet als Knabberei, auf Kuchen oder als Kompott und natürlich gekeltert. Frisch gepresst heißt er „Süßer“, einige Tage später gedeiht er zum „Rauscher“ und fertig gegoren fließt er als feines „Stöffche“ über den Bembel ins „Gerippte“. Allerdings fürchten die Naturschützer um den Bestand der für unsere Flora so wichtigen Streuobstwiesen. Für viele Besitzer rentiert die Ernte nicht mehr, sie vernachlässigen die Pflege der Bäume. Somit ging es dem hiesigen Verein auch schlichtweg um PR für diese Landschaftsform. „Der touristische Gedanke kam erst später hinzu“, sagt Johannes Fertig. Der Verein wies unter dem Logo des roten Apfels mit dem dynamisch umlaufenden grünen Pfeil bestimmte Fahrradrouten aus. Vor etwa einem Jahr entstand eine Karten mit acht verschiedenen Strecken, die untereinander wiederum über überregionale Netze, wie dem Hessen-, Nidda- und Vulkanradweg verbunden sind. Die Strecken führen zwischen 11 und 43 Kilometer an Streuobstwiesen entlang, rücken Sehenswürdigkeiten und gastronomische Betriebe in den Mittelpunkt, bringen es insgesamt auf immerhin 278 Kilometer. Wer die bewäl­tigt hat, verdient nun tatsächlich einige Äpfel, in welcher Form auch immer dargereicht...

Lautstark: Trommeln für den Apfel

Der Mitgliederbestand ist mittlerweile auf 150 angewachsen, bestehend aus Verbänden, Vereinen, Apfelweinherstellern, Gaststätten und Kommunen. Zahlreiche Veranstaltungen bietet der Verein an, um sowohl unterhaltend wie informativ für das Streuobst zu trommeln. „Ja“, nickt Johannes Fertig zufrieden, wenngleich er weiß, dass ein „genug“ nie zu erreichen ist. „Durch die Initiative ist das Thema sicherlich wieder verstärkt in den Mittelpunkt gerückt und gastronomische Betriebe sind entstanden.“ Eine davon ist jene Straußwirtschaft von Uli Schwabe. „Mit 18 Jahren habe ich zum ersten Mal Apfelwein gekeltert“, erzählt er. Das ist jetzt 30 Jahre her. „Der Vater eines Freundes hat das gemacht. Und wir haben es einfach mal selbst probiert.“ Die Leidenschaft blieb, wuchs gar so hoch wie die Krone eines stattlichen Apfelweinbaumes. Mit Freunden erwarb er eine alte Presse, stellte diese im Butzbacher Stadtteil Maibach auf. „Gedacht eigentlich nur für den Eigenbedarf, Apfelwein für uns, Apfelsaft für die Kinder.“ Das Kollektiv fing mit 800 Litern pro Jahr an, steigerte sich dank ungeheurer Nachfrage auf das Zehnfache.Einen gewissen Anteil an diesem Boom haben letztlich auch Kelterer wie Uli Schwabe. Denn eins ist klar: Ein Kelterer vor Ort macht es für viele Menschen wieder attrak­tiver sich um ihre Apfelbäume zu kümmern, da sie deren Produkte bei einem derartigen Abnahmeangebot nicht über weitere Wege durch die Gegend schaukeln müssen. Ein derart kompetenter Gesprächspartner kommt natür­lich nicht um eine Bewertung herum, was denn nun die Qualität des Besten, was aus einem Apfel werden kann, ausmacht. „Fruchtig soll er sein, nicht zu sauer“, antwortet Schwabe spontan. „Und er sollte in der Nähe hergestellt sein, nicht so viele Kilometer auf dem Buckel haben.“

Aus dem Veranstaltungskalender der „Apfel-Boten“

Sein 10-jähriges Jubiläum feiert der Verein am 12. November im Lokschuppen – „Kulturbahnhof Nidda“ von 11 bis 18 Uhr. Ein Erlebnisprogramm für Jung und Alt sowie ein bunter Marktplatz soll die Vielfalt der Mitglieder präsentieren. Darüber hinaus glänzt der Verein mit einer Vielzahl von Aktionen – ein derart praller Veranstaltungskalender, dass es den Platz an dieser Stelle sprengen würde, wollte man alle Ereignisse der kommenden Monate wiedergeben. Zu finden darin ist etwa die Apfel- und Keltertour von drei Bad Nauheimer Keltereien am 17. September und am sel­ben Tag die Eröffnung der Keltersaison mit dem 10. Süßerfest in Butzbach. Um die Qual der Wahl auf die Spitze zu treiben: an diesem Sonntag lockt außerdem das Strohpup­penfest in Altenstadt-Höchst. „Streuobstfest für den Kleiber – Alles rund um den Apfel und die Obstwiese“ ist das Motto am 1. Oktober im NABU-Zentrum in Ortenberg-Wippenbach. Das 2. Ilbenstädter Dekameron steht am 7. Oktober im Nonnenhof auf dem Programm. Vom 30. Oktober bis 4. November stellt sich das „märchenhafte Altenstadt“ vor, am 2. November lockt der Dia-Vortrag „Wetterau – Stimmungen im Wandel der Jahreszeiten“ in das Kloster Engelthal bei Altenstadt.

Neugierig geworden? Dann können nähere Informationen und weitere Veranstaltungen eingesehen werden im Inter­net unter www.awor.de. Für telefonische Auskünfte ist vorgesehen die Rufnummer 06031 6008.

 

Aus der Wetterauer Zeitung November 2005

Der Wetteraukreis zählt zu den streuobstreichsten Gebieten in Hessen. Rund 220.000 der hochstämmigen, teils betagten Obst- und Apfelbäume wachsen nach Angaben der Kreisverwaltung in dieser Region. Damit dieser besondere Naturraum erhalten bleibt, hat der Trägerverein Hessische Apfelwein- und Obstwiesenroute im Wetteraukreis eigens acht Rundschleifen mit zusätzlichen Verbindungsrouten entwickelt. Die Touren - zukünftig alle mit dem roten Apfel-Logo gekennzeichnet führen Radler und Wanderer an charakteristischen Kulturlandschaften und malerischen Dörfern vorbei zu ihrem Ausgangspunkt. Einkehrmöglichkeiten gibt es genug. Entlang der Routen befinden sich Keltereien, Hofläden, Direktvermarkter, Museen oder Landgasthöfe mit feinsten regionalen Speisen. Aber auch durch zahlreiche saisonale Aktionen wie Keltervorführungen, Erntedank-, Apfel- oder Blütenfeste, Kutschfahrten oder Naturerkundungen können Naturfreunde alles rund ums »Stöffche« erfahren.

Die Routen sind zwischen 20 und 45 Kilometer lang, die Anbindungen an den Öffentlichen Personen-Nahverkehr sowie Parkmöglichkeiten sind zahlreich vorhanden. Darüber hinaus schließen die Rundschleifen an Erlebnisrouten wie den Vulkanradweg, den Niddauferweg, die Kelten- und Limesroute, die Radfernwege R4 und R6, den Rosenradweg oder die Bonifatiusroute an. Über diese Routen können auch die anderen Apfelwein- und Obstwiesenrundschleifen im Wetteraukreis sowie die Routen der Nachbarkreise erreicht werden.

Das neue Kartenwerk in einer Kunststoffhülle enthält die »Wetterauer Erlebniskarte« mit acht Rundschleifen und Verbindungsrouten der Apelwein- und Obstwiesenroute sowie die Radfernwege im Maßstab 1:50.000. Darüber hinaus sind in einer Begleitbroschüre die Rundschleifen detailliert beschrieben sowie alle Mitgliedsbetriebe der Apfelwein- und Obstwiesenroute Wetterau, wichtige Freizeitstationen und die wesentlichen touristischen Sehenswürdigkeiten aufgeführt.

Zur überregionalen Orientierung gibt es eine Süd- und Mittelhessenkarte mit allen Apfelwein- und Obstwiesenrouten und den hessischen Radfernwegen im Maßstab von 1:200.000. Auf der Rückseite dieser Karte befinden sich vielfältige Informationen zu den einzelnen Trägervereinen in Hessen sowie den Aktivitäten für den Obstwiesenschutz.

»Zusammenarbeit vieler Kräfte«

Kürzlich wurde die Karte durch Stephan Diehl, Filialbereichsleiter der Volksbank Mittelhessen, und Dr. Johannes Fertig, Vorsitzender des Trägervereins Hessische Apfelwein- und Obstwiesenroute im Wetteraukreis, in der Friedberger Filiale der Volksbank Mittelhessen in der Haagstraße der Öffentlichkeit vorgestellt. »Um ein solches Projekt zu schultern, bedarf es der Zusammenarbeit vieler Kräfte«, erklärte Fertig, »die inhaltliche Arbeit für die Karte und die Begleittexte sind überwiegend ehrenamtlich geleistet worden, während es für die Umsetzung bei Kartographie, Layout und Druck der Arbeit von Profis bedarf. Auch für die Finanzierung braucht der Verein einen engagierten Partner.« Diesen habe man in der Volksbank Mittelhessen gefunden.

»Wir freuen uns, die erste Auflage des Kartenwerks jetzt präsentieren zu können. In den nächsten drei Jahren werden noch zwei weitere Auflagentermine folgen, die uns jeweils die Möglichkeit zur Aktualisierung der Inhalte geben«, führte Fertig weiter aus. Damit könnten auch neue Partner der Apfelwein- und Obstwiesenroute in der Karte zeitnah berücksichtigt werden.

Das nächste Projekt des Trägervereins ist die Umsetzung der neu strukturierten Inhalte in einem neuen Internetauftritt. Fertig: »Wir wollen damit eine wichtige Informationsstelle für unsere Mitglieder und insbesondere für Besucher der Wetterau werden.«

Unter dem Motto »Genießen Sie im Wetteraukreis eines der dichtesten Radroutennetze in Hessen sowie die Gastfreundschaft der heimischen Gastronomie mit hausgekelterten Schoppen und zünftigen Speisen« will der Verein Besucher für die Region werben, um langfristig die heimische Wirtschaft zu stärken und. die Kulturlandschaft mit den artenreichen Obstwiesen zu erhalten.

Die neue Karte für 9,80 Euro sowie weitere Informationen erhalten Interessenten bei den Mitgliedsbetrieben der Apfelwein- und Obstwiesenroute oder unter Hessische Apfelwein- und Obstwiesenroute im Wetteraukreis, Haus der Umwelt, Homburger Straße 17, 6 11 69 Friedberg. Telefonisch ist der Verein unter der Nummer 06031/600818, per Fax unter 06031/600896 zu erreichen. Die E-Mail-Adresse lautet kreisentwicklung@wetteraukreis.de, die Internetseite ist unter www.apfelwein-obstwiesenroute-wetterau.de zu finden.

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