Reine Gehzeit: 3,3 Stunden
Weglänge: 16 Kilometer, 350 Höhenmeter
Eine vor allem durch die Länge anstrengende Wanderung, die aber sonst keine besonderen Herausforderungen darstellt.
Die Anfahrt erfolgt über Merkenfritz oder über Gelnhaar und hat schon etwas von Urlaub. Wir parken unser Auto im Kreuzweg, das ist die erste Straße rechts, wenn wir in der Untertorstraße sind.

Unsere heutige Wanderung führt uns in die nordöstliche Wetterau, in den Gederner Stadtteil Wenings. Die Landschaft ist abwechslungsreich, doch die Äcker sind karg und die Menschen früherer Generationen mussten dem Boden durch harte Arbeit ihr Auskommen abringen.
Zunächst folgen wir dem breiten Asphaltweg, der mit einem gelben Kreuz gekennzeichnet ist. Vorsicht: Der Weg wird auch von den Bewohnern der Aussiedlerhöfe genutzt, der Verkehr ist aber übersichtlich. Der asphaltierte Weg trifft auf einen Wald, in dessen Mitte der Galgenberg steht, eine Flurbezeichnung, die an eine Vergangenheit erinnert, in der noch drakonische Strafen ausgesprochen wurden. Am Waldrand vorbei gehen wir weiter bis wir ein weiteres Wäldchen erreichen, an dessen Spitze wir an einer 90-Grad-Kurve nach links gehen. An der zweiten Abzweigung wenden wir uns abermals nach links und kommen zwischen den Weiden an einem Aussiedlerhof heraus.
Unser Weg führt uns weiter nach links und dann den ersten Feldweg wieder rechts. Vorher gehen wir aber an diesem Aussiedlerhof auf dem Weg noch einige Meter nach rechts. Hinter dem Hof sehen wir, verborgen in einer Baumgruppe, die Fundamente der „Stumpe Kirch“. Sie gehörte einst zum Dörfchen Floßbach, das nach kriegerischen Auseinandersetzungen im 15. Jahrhundert fast vollständig zerstört und danach aufgegeben wurde. Im Stadtgebiet Gedern gibt es die „Stumpe Kirch“ gleich zweimal. Eine besondere Bedeutung hat die „Stumpe Kirch“ nordöstlich des Gederner See. Der Überlieferung nach hat der Leichenzug mit den Gebeinen des Bonifatius in der Nacht vom 13. auf den 14. Juli 754 an dieser Stelle gerastet.
Wir gehen zurück auf dem beschriebenen Weg, leicht bergan. Von hier hat man einen großartigen Blick auch auf eine weitere Besonderheit des Vogelsberges. Die Natur ist rau und stets weht ein frischer Wind. Das macht man sich hier zu nutze, indem man Windkraftanlagen erbaut hat. 35 dieser Anlagen sind von hier aus zu sehen und erzeugen eine saubere und umweltfreundliche Energie.
Im Tal gehen wir dann rechts über einen kleinen Graben und nach hundert Meter wenden wir uns nach links in Richtung Kreisstraße, die von Wenings nach Kefenrod führt. Hier gehen wir rechts und nach wenigen Metern wieder links in den Wald hinein. Wir laufen auf einen kleinen Steinbruch zu. Der wertvolle Vulkanbasalt wurde an vielen Stellen aus dem Berg gebrochen und für den Hausbau verwendet. Heute gibt es nur noch wenige große industriell arbeitende Betriebe.
Wir halten uns rechts und umgehen auf einem schönen Waldweg den Wetzberg. Nach rund eineinhalb Kilometern tauchen rechter Hand zwei Teiche auf. Danach folgen wir dem Weg nach rechts und kommen bald aus dem Wald heraus. Der Weg ist jetzt wieder asphaltiert, an dessen Ende halten wir uns nach links in Richtung Nieder-Seemen. Der Gederner Stadtteil erschließt sich uns über den Bornweg. Wir überqueren die Landesstraße und gehen auf der anderen Seite in die Straße „Am Steg“. Vor der Seemenbach-Brücke folgen wir nach links ein ganzes Stück der Radwegebeschilderung.
Kurz vor Mittel-Seemen gehen wir scharf nach links und gleich wieder rechts, es folgt ein kräftiger Anstieg. Am Ende des Asphaltweges, kurz vor dem Wald, halten wir uns rechts. Vorbei an der Schranke gehen wir an der ersten Wegekreuzung links und genießen den weiten Ausblick. Bei klarem Wetter kann man von hier aus 50 Kilometer weit bis zu den Hochhäusern Frankfurts sehen.
Jetzt geht es nur noch geradeaus. Der Weg führt uns direkt nach Wenings. Vorher kommen wir aber noch an einer interessanten Informationstafel vorbei. Sie erinnert an das frühere Dorf Wernings, das bis 1840 an dieser Stelle stand. Auf Initiative des Lehrers verließen nach mehreren Missernten 118 Erwachsene, 30 Kinder und acht Säuglinge den Ort und wanderten gemeinsam nach Amerika aus. Viele Werningser haben sich in Columbia/Illinois niedergelassen. Heute gibt es eine sehr lebendige Städtepartnerschaft zwischen Gedern und Columbia, die auf dieser Geschichte beruht.
Wir erreichen Wenings über die Werningser Straße. An der Obertorstraße machen wir noch einen kleinen Umweg. Wir gehen nach rechts und bald nach links in die Untertorstraße, wo wir hinter der Kirche abermals nach links gehen, um das schönste der drei Weningser Stadttore, das Burgtor, aus dem Jahre 1535 zu bewundern. Weiter geradeaus gehend kommen wir auf die Lutherstraße, der wir nach rechts folgen, um dann zum Kreuzweg und unserem Auto zu kommen.
Wenings:
Wenings ist heute Stadtteil der Stadt Gedern. Es wurde Ende des 12. Jahrhunderts erstmalig urkundlich erwähnt. Im Jahre 1336 erhielt Wenings das Stadtrecht und war damit berechtigt eine Stadtbefestigung zu errichten. Fünf Türme und drei mächtige Torbauten sowie eine ordentliche Mauer umgaben die Stadt und machten Wenings im 14. und 15. Jahrhundert zu einem Zufluchtsort für Menschen aus der ganzen Umgebung. Das Städtchen hatte in dieser Zeit rund 400 Einwohner - für die damalige Zeit durchaus bedeutsam. Immerhin war es Sitz des Landgerichts für eine ganze Reihe kleinerer Dörfer in der Umgebung.
Die Weningser gelten als ein durchsetzungsstarkes Völkchen. Als man ihnen Ende des 16. Jahrhunderts die mit dem Stadtrecht verbundenen Rechte aberkennen wollte, gingen sie gegen den Büdinger Graf bis zum Reichskammergericht in Speyer vor. Die Weningser waren erfolgreich. Weniger Glück hatten sie während des Dreißigjährigen Krieges. Wie in vielen anderen deutschen Landen wütete der Krieg. Einquartierungen, Hunger und Pest dezimierten die Bevölkerung um mehr als zwei Drittel. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts hatte Wenings wieder seine ursprüngliche Bevölkerungszahl erreicht. Ein weiteres einschneidendes Ereignis war die Aufnahme von vielen Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg. Heute leben in Wenings rund 1.400 Menschen.

Blick auf Wenings mit umweltfreundlichen Windkraftanlagen. Im Hintergrund ist der Hoherodskopf zu erkennen.

Nur wenig übrig ist von der „Stumpe Kirch“, die hier in dieser Baumgruppe verborgene Kirche aus dem 13. und 14. Jahrhundert.

Die Gegend um Wenings eignet sich hervorragend zum Wandern.

Bis nach Frankfurt reicht der Blick.

Die Reste der Marienkirche in der Wüstung Wernings.

Das Burgtor in Wenings aus dem Jahre 1535 mit dem Hofhaus aus dem 17. Jahrhundert.
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