Wo einst die Panzer rollten, entwickelt sich ein neuer Lebensraum – der Usatal-Steig als Verbindung zwischen FFH-Gebieten

Weglänge: 19 Kilometer, ohne Abkürzung |Wanderung nur Eichblatt, 13 Kilometer |Wanderung ohne FFH-Gebiet Haubergsgrund, 15 Kilometer ==> 620 Höhenmeter, gesamte Tour
Reine Gehzeit: vier Stunden
Startpunkt: Am Wanderparkplatz an der B 275 zwischen Ober-Mörlen und Ziegenberg auf der linken Seite oder Bushaltestelle in Ziegenberg
Der Weg führt über offenes Land. Im Sommer auf eine Kopfbedeckung achten und ausreichend Getränke mitführen.
ÖPNV-Verbindung: Regelmäßige Verbindungen vom Bahnhof Friedberg über Bahnhof Bad Nauheim nach Ober-Mörlen Langenhain-Ziegenberg hier  Ausstieg Usinger Straße


Wenn es nach Michael Mohr geht, dann soll die heutige Wanderstrecke noch eine gewaltige Entwicklung machen. Michael Mohr, ehrenamtlich tätig beim Naturschutzbund Deutschland, will die heutige Strecke zu einem Trail machen, einer Rundwanderstrecke, die verschiedene herausragende Landschafts- und Schutzgebiete miteinander verbindet und den Besucherinnen und Besuchern naturverträglich öffnet. Die Idee kam dem IT-Architekten und ambitionierten Wanderfreund bei verschiedenen Wanderungen auf Premiumwegen und Wanderreisen in Nord- und Südamerika. „Ich habe mir gedacht, dass es auch in meiner Heimat wunderschöne Strecken mit Naturerlebnis gibt, die einfach nur einheitlich und informativ ausgezeichnet werden müssten.“


Vom Startpunkt  am Wanderparkplatz an der Bundesstraße 275 starten wir, vorbei an dem hölzernen Wanderplan, in Richtung Westen, die Usa aufwärts. Für die ersten sieben Kilometer lassen wir uns von dem grünen Eichenblatt führen. Nach gut einem Kilometer stoßen wir an dem imposanten Firmensitz einer IT-Firma auf die Usa-Brücke, hier ist auch eine Bushaltestelle. Die mit dem ÖPNV anreisenden Wanderfreunde beginnen an dieser Stelle mit ihrer Wanderung.

Unser ausgezeichneter Weg führt uns bequem durch das FFH-Gebiet Usatal. Der Fluss hat hier viel Platz, um zu mäandern und bietet immer wieder liebliche Fotomotive. Links sehen wir die für den Taunus typischen Felsformationen aus Quarzit. Nach vier Kilometern erreichen wir die Kläranlage von Usingen, direkt an der Grenze zwischen den Kreisen Wetterau und Hochtaunus.

Hinter dem Wohnhaus des Kläranlagenwärters verlassen wir den asphaltierten Weg. Von hier aus schlängelt sich der Pfad hinauf zum Holzberg. Am Gipfel steht die Marienkapelle (1), eine der bedeutendsten Wallfahrtskirchen des Taunus. Ein Blick in das Kircheninnere lohnt sich und gibt uns die Gelegenheit, jüngeren Mitwanderern die Geschichte der Wüstungen Ober- und Unterholzburg zu erzählen.

Die beiden  Dörfer, in deren Kern die Marienkapelle stand, gehörten seit Anfang des 13. Jahrhunderts zum Deutschen Orden. Die Kirche entstand an der Stelle eines heidnischen Gerichtsplatzes. Sie war als wehrhafter Bau mit einem für das Mittelalter typischen Ringwall umgeben, dessen Reste wir beim Weiterwandern besichtigen können. Später wurde die Kirche Wallfahrtsort. Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648) wurden die Siedlungen von ihren Einwohnern verlassen.

Unser Weg verengt sich zu einem schmalen Pfad. An einer Stelle müssen wir mangels Brücke einen kleinen Graben überspringen. Immer wieder sehen wir auf unserem Weg hölzerne Schilder, die auf die bergmännischen Versuche im Taunus hinweisen. An manchen Stellen war man erfolgreich, andere künden vom Scheitern der Versuche.

Vorbei an einer Hochebene wandern wir am Waldrand, direkt an der Grenze zwischen den beiden Kreisen Hochtaunus und Wetterau (2). Nach rechts blickend sehen wir den Feldberg mit seinen markanten Türmen. Nach gut sieben Kilometern Wanderung kreuzen wir den Wanderweg Pfaffenwiesbach -Langenhain (rotes Rechteck).

Nur noch wenige Meter bleiben wir auf unserem mit dem Eichenblatt versehenen Wanderweg, um es gegen ein schwarzes Dreieck einzutauschen. Wer mag, kann hier die Wanderung abkürzen und ist nach sechs Kilometern zurück am Parkplatz, indem er weiter dem Eichenblatt folgt.

Wer dem schwarzen Dreieck folgt, hat nach gut 2 ½ Kilometern eine weitere Wahl: An einer Kreuzung (3) im Wald geht es bergauf zum Römerturm am Gaulsberg oder weiter mit dem schwarzen Dreieck nach rechts zum FFH-Gebiet Haubergsgrund. FFH-Gebiete sind geschützte Landschaften, die besondere Tiere oder Pflanzen beherbergen. Am Haubergsgrund, der von Schutzgebietsbetreuern des NABU Wehrheim betreut wird, ist es der  Maculinea nausithous, besser bekannt als  Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling, ein seltener Schmetterling, den es hier ab Ende Juni häufig zu sehen gibt.

Nach gut einem Kilometer verlassen wir das schwarze Dreieck und wechseln zum blauen Andreaskreuz und dem schwarzen T. Wenn wir den Wald verlassen gehen wir den ersten geschotterten Weg nach links, am Waldrand entlang der Freifläche des FFH-Gebietes Haubergsgrund (4), einer mageren Flachlandmähwiese. Nach gut 100 Meter macht der Wanderweg, jetzt roter Fuchs, eine Rechtskurve. Hier verlassen wir den markierten Weg und gehen geradeaus in einen bei feuchter Witterung leicht matschigen Weg. Auf der linken Seite sehen wir gut 100 Zentimeter hohe Erhebungen, es sind die Reste von Hügelgräbern aus vorchristlicher Zeit.

Wir folgen unserem Weg immer geradeaus, bis wir direkt auf den Limesradweg (5) stoßen, wo wir nach links gehen. Jetzt heißt es aufgepasst, denn die Strecke ist bei Mountainbikern sehr beliebt, die in einem atemberaubenden Tempo die Berge hinuntersausen. Rechts, parallel zum Wanderweg, sehen wir die Reste des römischen Grenzwalles Limes. Nach einigen Hundert Metern stoßen wir auf den Limesturm auf dem 440 Meter hohen Gaulskopf (6).

Der Turm wurde in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts neben dem Originalstandort des verfallenen Limeswachturmes errichtet. Der Turm ist außergewöhnlich hoch. Über einen ähnlich hohen Turm auf dem Johannisberg in Bad Nauheim konnten Signale von der Limesstrecke bis zum Kastell Friedberg weitergegeben werden.

Vorbei am Limesturm folgen wir der Ausschilderung in Richtung Ziegenberg. Wenig später kommen wir an ein Schild, wo es heißt: Links nach Ziegenberg 4,9 Kilometer. Wer will, kann hier abermals abkürzen, wer aber noch ein wirklich schönes Naturerlebnis genießen möchte, geht weiter geradeaus (7).

Schließlich stoßen wir auf eine betonierte Panzerstraße, die von Ober-Mörlen zum Truppenübungsplatz Winterstein geführt hat. Wir gehen hier links. Die Straße geht nach den Panzersperren in einen geschotterten Weg über. Nach kurzem Aufstieg erreichen wir das Areal, das jahrzehntelang als Manövergebiet von Panzern um- und umgepflügt wurde. Kurz nach der Jahrtausendwende gaben die Alliierten das Gelände zurück. In kurzer Zeit hat sich mächtig viel getan, die Natur hat sich gut erholt.

Wir bleiben auf unserem Weg geradeaus durch das FFH-Gebiet Eichkopf (8). Es ist für viele Amphibien und besonders für den seltenen Kammmolch  zu einem Paradies geworden. Die flachen Tümpel eignen sich im Frühjahr hervorragend als Laichgewässer. Fische aber, die natürlichen Feinde vieler Amphibien, sterben, wenn die Tümpel im Sommer trocken fallen. Vor der Birkengruppe nehmen wir den Weg nach links, vorbei an zwei Panzersperren (zwei Betonquader).

Wir folgen unserem Weg in leichtem Ab- und Anstieg über die Freifläche und schließlich in einer großen Rechtskurve um eine allein stehende Eiche herum (9). In der Senke gehen wir links und nach wenigen Metern gleich wieder links, vorbei an den Panzersperren auf dem Waldweg geradewegs zu unserem Auto. Bevor wir die Bundesstraße erreichen, stoßen wir auf einen schmalen Pfad, der uns die wenigen Meter direkt zu unserem Parkplatz führt.

Hintergrund:

FFH-Gebiete sind spezielle europäische Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurden und dem Schutz von Pflanzen (Flora), Tieren (Fauna) und Habitaten (Lebensraumtypen) dienen.Im Taunus wurde vom 17. bis Anfang des 20. Jahrhunderts an vielen Stellen nach  Bodenschätzen gegraben. Eisenerz aber auch Silber wurden hier abgebaut. Heute ist sämtlicher Bergbau eingestellt, nur an einer Stelle bei Köppern wird noch Quarzgestein gewonnen.


Schloss Ziegenberg am Beginn unserer Wanderung. Das Schloss aus dem 15. jahrhundert diente während der Ardennenoffensive der Wehrmacht  als Hauptquartier. 1945 wurde es von der US Luftwaffe zerstört. In den siebziger Jahren wurde es von Privatleuten rekonstruiert und später zu Eigentumswohnungen umgebaut.  Am Fuß des Schlossberges befindet sich das Goethedenkmal des dreifach gefesselten Glückes aus dem jahre 1782.
 

Michael Mohr möchte aus unserem Wanderweg den
„Erlebnistrail Usatal-Steig“ machen.


Die Marienkapelle auf dem Holzberg


Gut ausgebaute Wanderwege mit wechselnden Perspektiven und schönen Erlebnissen bietet unsere heutige Wanderung.


Der Römerturm auf dem Gaulskopf.


Den beiden Molchen haben wir nach dem Fototermin natürlich wieder die Freiheit geschenkt.
 







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