Länge: 5,4 Kilometer.
Gehzeit: Gemächlich mit Kindern zwei Stunden.
Start: Parkplatz an der Kleingartenanlage Ritterweiher Bad Vilbel. Einkehrmöglichkeit in der Gaststätte der Kleingartenanlage.
Zufahrt: Über Frankfurter Straße, Abfahrt Querstraße, zweite Straße rechts in die Ritterstraße.
Diese Wanderung ist besonders gut für jüngere Wanderer zu empfehlen. Lupe, Fernglas und ein Bestimmungsbuch sollten auf jeden Fall mitgeführt werden, damit die jungen Forscher auch etwas zu entdecken haben!

Wandern ist absolut „in“! Ein bekanntes Marktforschungsinstitut hat ermittelt, dass es in Deutschland 37 Millionen Wanderer gibt. Der Deutsche Wanderverband ist da etwas zurückhaltender. Gut die Hälfte könnte auch als Spaziergänger klassifiziert werden. Also Zeitgenossen, die mal eben 30 Minuten durch den Park gehen. Mit unserer Serie wollen wir Menschen ansprechen, die auch zwei Stunden und mehr „durchhalten“. Alle Wandervorschläge sind als Rundwege konzipiert. Im Vordergrund steht das genussvolle Wandern allein oder mit der Familie, weniger der sportliche Ehrgeiz.
Von unserem Parkplatz aus gehen wir den Hauptweg leicht bergan in den Wald. Nach rund 600 Metern kommen wir an eine Lichtung, deren bleihaltige Vergangenheit ihre Spuren noch heute in der Erde verbirgt. Hier hat die Wehrmacht in den 30er Jahren einen Schießplatz eingerichtet, der von den US-Amerikanern noch bis in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts genutzt wurde. Am Ende des Schießplatzes sieht man einen aufgeschütteten Wall, der eine Mauer verbirgt, an der die Munition aus Gewehren und Maschinengewehren abgeprallt ist. Die bleihaltige Erde abzutragen war zu aufwändig, sodass man sich für diese Lösung entschied.
Wir laufen quer über den Schießplatz und beachten die Karthäuser-Nelke, den Wiesensalbei oder den Hornklee, die auf dem mageren Rasen blühen. Wir umgehen den Schutzwall und halten uns rechts bis an die erste von mehreren Infotafeln, die den Waldlehrpfad einläutet. An einer Abzweigung gehen wir geradeaus. Das Schild „Wanderweg 1“ weist uns den Weg und wird uns heute noch mehrmals begegnen.
Schon seit den frühen Siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts dient der Bad Vilbeler Wald vorrangig der Erholung und dem Artenschutz. So wurden bereits zu dieser Zeit ein Trimmpfad und ein Waldlehrpfad eingerichtet. Der damalige Revierförster, Hans Fleischhauer, hat schon sehr früh die Notwendigkeit von Natur- und Artenschutz im Wald erkannt. In Zusammenarbeit mit dem ehrenamtlichen Naturschutz hat er Amphibienteiche angelegt, das Totholz im Wald belassen und durch gezielte Maßnahmen die Naturverjüngung des Waldes gefördert. Somit wurde eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt erhalten und gefördert. Die Forstwirtschaft spielt daher heute in dem Erholungswald nur noch eine untergeordnete Rolle und dient im Wesentlichen dem Erhalt eines artenreichen gesunden Laubwaldes."
Nach wenigen Metern wenden wir uns scharf rechts und gehen auf einem schmalen Pfad den Hang hinauf - nur wenige Meter, dann endet der Wald und wir stehen am Rande der Berger Wiese, die bereits zur Stadt Frankfurt gehört.
Der Magerrasen mit Kalkboden hat eine außerordentliche Artenvielfalt hervorgebracht. Im Sommer scheint die Wiese richtiggehend zu leben: Bläulinge, Zitronenfalter, der kleine Fuchs, das Pfauenauge sind nur einige Schmetterlinge. Hinzu kommen mehrere Heuschreckenarten und eine Vielzahl von summenden, brummenden und mitunter auch stechenden Insekten.
Artenarmut für billige Milch
Hier wachsen auch das Helmknabenkraut und die Mückenhändelwurz, zwei Orchideenarten, die mageren Kalkboden verlangen. Ein Glück ist es, dass diese unwegsame Wiese schlecht zu bewirtschaften war und deshalb wohl auch nie gedüngt wurde. Dadurch ist eine große Pflanzenvielfalt entstanden. Wenn wir unseren Blick nach Nordosten wenden, sieht man auf der Wiese eine richtige Grenze. Hier ist das Gelände etwas wegsamer und hier wurde auch bis vor einigen Jahren gedüngt. Um die geringere Artenvielfalt zu erkennen, muss man kein Biologe sein. Das Problem liegt auch hier in der Ökonomie. Die Kunden wollen billige Milch. Der Bauer braucht Kühe, die viel Milch geben und die wollen wiederum eiweißreiches Futter haben, das auf magerem Rasen nicht gedeiht, sondern regelmäßige Düngung verlangt.
Der Vorteil der Magerrasen liegt allerdings in der Vielfalt der Pflanzen, von denen auch manche Heilpflanzencharakter haben. Diese Flächen wurden daher früher oftmals durch Schafe und Rinder beweidet. Das kräuterreiche Futter hielt die Tiere gesund. Der Einsatz eines Tierarztes war eher die Ausnahme. Der Erhalt dieser seltenen Biotope mit dem hohen Artenreichtum kann heute nur durch eine Beweidung oder durch Mahd erhalten werden. Würde diese "Pflege" nicht erfolgen, würde sich hier innerhalb weniger Jahre der angrenzende Wald ausbreiten. Wer genau hinschaut, sieht junge Sämlinge von Eiche, Birke und Weide am Rande der Wiese, die immer wieder zurück gedrängt werden müssen.
Wir gehen zurück zu unserem Wanderweg und laufen an zwei Schutzhütten vorbei. An der zweiten Hütte, die den Namen von Josef Schusser trägt, verlassen wir unseren Wanderweg 1 und gehen stattdessen rechts und gleich wieder links, wo wir linker Hand eine schöne Streuobstwiese sehen, die vom örtlichen Verein für Vogelschutz und Landschaftspflege betreut wird.
Verschiedene Naturräume auf kleiner Fläche
Hier wachsen alte und junge Bäume nebeneinander. Diese Anlage hat so gar nichts von einer Plantage. Die Erträge werden zu Apfelsaft und Apfelwein verarbeitet. Die Streuobstwiese selbst ist ein vielfältiger Lebensraum und gehört zu einem Mosaik von Lebensräumen, die sich hier auf einer sehr kleinen Fläche drängen. Wald und Streuobstwiese, Feuchtwiesen, Hecken und Magerrasen bilden eine Vielfalt verschiedener Naturräume, welchen Tieren und Pflanzen eine Heimstatt geben und uns eine Landschaft, die wir einfach als schön und interessant finden.
Nach nicht einmal 200 Metern wenden wir uns nach links, hier hat die Stadt als Ausgleichsfläche einen Wald angelegt und links eine Feuchtwiese, die ihren Namen der gelb blühenden Sumpfdotterblume verdankt, die im zeitigen Frühjahr die ganze Wiese in ein strahlendes Gelb taucht.
An einer kleinen Brücke überqueren wir den Edelbach und wenden uns nach links. Auch hier hat der Verein für Vogelschutz und Landschaftspflege ehrenamtlich gewirkt. Mehrere Ufertaschen wurden ausgehoben, sodass auch in trockenen Zeiten immer noch genügend Rückzugsgebiete für Amphibien verbleiben.
Auf der rechten Seite sehen wir eines der Werke des legendären Försters Hans Fleischhauer, eine mehrere hundert Quadratmeter große Fläche umgeben von einem Wildzaun. Fleischhauer hat vor gut zehn Jahren die obere (gedüngte) Schicht abgetragen und die Fläche sich selbst überlassen. Um das Land vor Rehverbiss zu schützen, wurde es umzäunt. Auch hier kann man leicht erkennen, welchen Reichtum die Natur hervorbringt, wenn sie sich selbst überlassen ist. Besonders der Kontrast hinsichtlich des Artenreichtums zu den normal gepflegten Flächen ist frappierend.
Wir gehen weiter unseren Weg und treffen nun wieder auf den Wanderweg Nummer 1, dem wir jetzt weiter folgen. Rechts haben wir einen wunderschönen Blick in den Taunus. Wir laufen ein Stück am Waldrand entlang und kommen dann schließlich wieder in den Wald hinein, wo wir nach gut einem Kilometer zurück am Parkplatz sind.

der ehemalige Schiessplatz entwickelt sich zu einem Biotop

Bad Vilbels Wald dient vor allem der Erholung

Auch Orchideenarten gedeihen auf dem Berger Hang

Hornklee

Kartäusernelke

Wiesensalbei

Schießplatz
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