Von keltischen Burgen und nicht vorhandenen Schlössern

Wanderung: überwiegend Feldwege. Wegen der starken Steigung nicht unbedingt geeignet für Räder und Roller. Der Wegeverlauf führt fast ausschließlich durch dicht bewaldetes Gebiet.
Weglänge: gut zehn Kilometer.
Gehzeit:
knapp drei Stunden.
Einkehrmöglichkeiten in Butzbach und im Stadtteil Hoch Weisel.
Parken: Waldparkplatz in der Verlängerung der Hausbergstrasse Hoch Weisel
Anfahrt über Nieder Weisel, Ostheim, Hoch – Weisel, Fauerbacher Straße Hauptstraße an der Kirche links in die Langgasse die in die Hausbergstraße übergeht.

Der Taunus prägt die Landschaft der westlichen Wetterau. Die höchsten Erhebungen finden sich in der Gemarkung Butzbach. Der höchste Berg der Wetterau ist der Hausberg mit 486 Meter. Besonders schön sind hier noch keltische Ringwälle aus dem 4./3. Jahrhundert vor Christus. Vermutlich gab es aber bereits vorher eine befestigte Höhensiedlung. Im oberen Bereich des Hausbergs existierten zwei Ringwälle, im Norden waren zwei Abschnittswälle vorgelagert. Reste einer Befestigung auf der Bergkuppe des Brülerberges könnten im Frühmittelalter entstanden sein.

Startpunkt unserer Wanderung ist ein Waldparkplatz, den wir in der Verlängerung der Hausbergstraße/Hoch-Weisel erreichen. Ein Hinweisschild „Parkplatz 1.200 Meter“ weist uns den Weg. Im Wald halten wir uns an der Abzweigung halb rechts und finden dann den Parkplatz mit einer großen Schutzhütte. Hier finden wir schon ein erstes Hinweiszeichen auf die historischen Hintergründe unserer heutigen Wanderung, nämlich das Hinweisschild der hier verlaufenden Keltenstraße. Ein quadratisches Schild mit grüner Schrift und dem charakteristischen Keltenfürsten vom Glauberg auf weißem Grund.

Wir folgen dem Weg weiter und lassen uns vom Hirschkäfer als Wegweiser begleiten. An einer Abzweigung halten wir uns links und folgen dem Holzschild „Isseltal“.  Auch an der nächsten Abzweigung halten wir uns links hinab ins Tal.

Ein Schloss ohne Fürst und ohne Graf

Auf der linken Seite hören wir den Isselbach plätschern, den wir im Verlauf des Weges kurz nach einer Kreuzung überqueren. Unmittelbar danach gelangen wir an ein Holzschild, das vom „Bommröder Schloss“ kündet. Allein, hier hatten weder Fürsten noch Grafen ihre Residenz. Der alte Flurname bezeichnet eine Felsformation aus Kalk, eine Besonderheit im vom Schiefer geprägten Taunus. Der Kalk wurde bis Ende der sechziger Jahre abgebaut und in der Friedberger Zuckerfabrik zum Bleichen des Zuckers genutzt. Die Betonfundamente mit den herausragenden Eisenteilen am Wegesrand sind Überreste der baulichen Anlagen um den Steinbruch. Der Steinbruch oder gar das Bommröder Schloss selbst sind nicht mehr zu erkennen. Hobbybotaniker erfreuen sich aber am sehr seltenen Roßkümmel und einigen Orchideenarten.

Wir nehmen jetzt den geschotterten Weg und halten uns halb rechts, begleitet vom Isselbach. Die Spitzkehre lassen wir rechts liegen und folgen dem Weg weiter, der einen großen Bogen nach links macht. In der Mitte des Bogens, wo links sich ein lichter Hang öffnet, nehmen wir die Abzweigung nach rechts. Zwischendurch überqueren wir noch einmal den fröhlich dahinplätschernden Isselbach.

Der Weg führt uns immer weiter bergan. Wenn wir die Spitze des Kirschbaumberges erreicht haben, gehen wir an der Kreuzung im rechten Winkel rechts. Ein Holzschild weist uns den Weg zum Hausberg. Rund zweieinhalb Kilometer gehen wir jetzt einen geschotterten Weg auf dem Bergkamm. An einer 90 Grad Kurve gehen wir rechts und kommen an eine der vielen Informationstafeln, an der sich trefflich rasten lässt.

Auf dem Weg hinauf zum Hausberg lassen sich die keltischen Ringwälle deutlich erkennen. Die Hinweistafeln informieren uns über die geschichtlichen Hintergründe und das Leben der Kelten. Immer wieder lässt sich durch die Bäume ein atemberaubender Blick auf die nördliche Wetterau erhaschen.

Noch besser wird es, wenn der Förderverein Hausbergturm e.V. zum 31. Mai 2008 ein Vorhaben umgesetzt, am Hausbergplateau einen 22 Meter hohen Aussichtsturm zu errichten. Damit wird auch an die Tradition des späten 19. Jahrhunderts erinnert. 1873 wurde an gleicher Stelle der erste Hausbergturm errichtet.

Wir folgen jetzt dem roten Sperber auf weißem Grund, der uns gemächlich bergab zurück zu unserem Auto bringt. Unterwegs passieren wir noch die Informationstafel 8, die wir rechts liegen lassen und folgen der Keltenstraße bergab. An der Kreuzung, wo es zum Brülerberg und Isseltal abgeht, gehen wir links und sind nach wenigen hundert Metern zurück am Parkplatz.

Die Kelten – eine Kultur ohne Schrift

Die Kelten, deren Präsenz in der Wetterau durch das spektakuläre Fürstengrab am Glauberg aktuell wurde, waren eine Kultur ohne Schrift. Deshalb ist man bei der Erforschung der keltischen Geschichte stark auf griechische und römische Quellen angewiesen. Das keltische Kerngebiet befand sich im heutigen Südwestdeutschland und in Ostfrankreich. In großen Wanderungen zogen die Kelten nach Spanien, Oberitalien, den Balkan und nach Kleinasien.

Archäologen gliedern die Geschichte der Kelten in zwei Epochen, die Hallstattkultur (800 bis 500 vor Christus) und die La-Tène-Kultur (500 bis 100 vor Christus). Die Wetterau lag am Rande der keltischen Welt. Hier lebten die Menschen zunächst in offenen Siedlungen, die von Fürstensitzen beherrscht wurden, wie Glauberg und Altkönig. Zum Ende der La-Tène-Zeit entstanden große Opidum Siedlungen, dazu gehört auch der Hausberg. Die Fundstätten keltischer Kultur werden durch die Keltenstraße verbunden. Sie umfasst den gesamten Zeitraum keltischer Siedlungstätigkeit. Zu entdecken gibt es dabei Fürstensitze mit Stadtanlagen, befestigte Höhensiedlungen und Grabdenkmäler. Die Museen der Keltenstraße, vom geplanten Glauberg-Museum über das Heuson-Museum in Büdingen, das Wetterau-Museum in Friedberg bis zum städtischen Museum in Butzbach, geben Einblicke in den keltischen Alltag. Weitere Informationen gibt es unter www.keltenstrasse.de.

Im Anschluss an die Wanderung empfiehlt sich ein Besuch des Butzbacher Museums in der Färbgasse. Öffnungszeiten dienstags bis sonntags von 10:00 bis 12:00 Uhr und von 14:00 bis 17:00 Uhr.


Lichtspiel am Bommröder Schloss


Nur ein Schild aber kein Schloss


Einen herrlichen Fernblick bietet der Hausbergturm


Blick vom Hausberg in die nördliche Wetterau


Der Hausbergturm

Wie einmal der Teufel von einem Hessen geprellt wurde

Ein Mann, dem es schlecht ging, schlich trübselig durch den Wald und dacht mehr ans Sterben, als ans Leben. Da trat ein grüner Jäger auf ihn zu und fragte ihn, was ihm fehle. „Mein Haus und Hof ist abgebrannt,“ antwortete der Mann, „und ich kann sie nicht wieder aufbauen, denn ich habe kein Geld und ohne Geld arbeitet keiner für mich. Meine Aecker müssen gepflügt und geeggt und gesäet werden und alle meine Knechte haben mich verlassen.“ „Wenn’s nur das ist,“ sprach der Jäger, „dem kann abgeholfen werden. Ich will dir dienen, wenn du mir nur immer Arbeit gibst, hast du aber keine für mich, dann bist du mein. Willst du das?“ Der Mann dachte: „Arbeit will ich schon immer für dich habe, daran soll es nicht fehlen“, und ging den Vertrag ein. Das erste, was er dem Fremden, der Niemand als der böse Feind war, zu bauen aufgab, war natürlich das abgebrannte Haus, aber das machte demselben nicht lange Arbeit, es stand schon am folgenden Morgen da. „Nun ackere und egge meine Aecker,“ sagte der Mann, dem jetzt schon ein bischen schwül wurde, und am folgenden Morgen war alles Land in der schönsten Ordnung und der Böse sagte lachend: „Wo ist mehr Arbeit?“ „Baue mir eine Strasze bis zur Stadt“ sagte der Mann, dem der Angstschweisz in dicken Tropfen auf die Stirn trat, denn er sah wohl ein, wie leichtsinnig er gehandelt hatte, schlich auch den ganzen Tag trüb und finster umher. Das sah seine Frau und fragte ihn, was ihm denn jetzt noch fehle, da er ja Alles schöner besitze, als vor seinem Unglück. Er wollte Anfangs nicht mit der Sprache heraus, endlich sagte er ihr Alles und verschwieg ihr nicht, dasz er nicht manchen Tag mehr zu leben habe, weil der Böse alle aufgetragene Arbeit so gar schnell fertig bringe. Da lachte sie, sprach, da sei leicht zu helfen und gab ihm einen so guten Rath, dasz er wieder ganz heiter wurde.

Am folgenden Morgen kam der Böse wieder und fragte hohnlachend: „Wo ist mehr Arbeit?“ „Komm mit mir,“ sprach der Mann und ging mit ihm auf den Sandbuckel, nahe seinem Hause: „Das Seil am Brunnen ist faul,“ sprach er dort, „drehe mir aus dem Sand ein Seil, welches meinen Kindeskindern noch aushält.“ „Das hat dir ein anderer gerathen, der klüger ist, als du,“ rief der Böse wüthend und verschwand, während der Bauer ihn herzlich auslachte.

Aus. Hessische Sagen, Hrsg. Von J.W. Wolf, Göttingen/Leipzig 1853; Reprint 1972

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