
Von einer Wallfahrtskirche und einem Dorf in der Zwickmühle
Anfahrt: von Straße Assenheim - Florstädter Kreuz, Abzweigung an den Aussiedlerhöfen-.
Weglänge: sieben Kilometer, 50 Höhenmeter. Reine Gehzeit: 90 Minuten. Auch nach Regenwetter begehbar.
Wickstadt ist eine ziemliche Übertreibung: Einen Ort, in dem 39 Menschen wohnen Stadt zu nennen, bedarf es eines stabilen Selbstvertrauens. Dabei hätte aus dem Ort durchaus mehr werden können. Das von den Münzenbergern 1174 gegründete Zisterzienserkloster baute Wickstadt zum Hofgut aus, dem ein Dorf angeschlossen war. Nach der Aufhebung des Klosters kam Wickstadt 1803 an die Grafen zu Solms-Rödelheim und Assenheim, die das Hofgut weiter bewirtschafteten. In der Denkmaltopografie des Wetteraukreises heißt es wörtlich: „Durch die Konzentration des Besitzes erst beim Kloster, dann in den Händen der Grafen von Solms, hatte das Dorf Wickstadt keine Möglichkeiten zu einer eigenständigen Entwicklung, es blieb in seinem Kern stets eine Ansammlung von wenigen Höfen und Gesindehäusern.“
Wickstadt ist auch heute noch vollständig im Besitz des Grafen Philip zu Solms-Rödelheim und Assenheim. Die Ländereien sind verpachtet. 300 Hektar Ackerland befinden sich unmittelbar am Hofgut und werden von einem Verwalter und einem weiteren Mitarbeiter bewirtschaftet. Hier findet sich übrigens auch der größte Acker der Wetterau. Auf 53 Hektar wird derzeit Winterweizen angebaut.
Wickstadt ist ein wahres Kleinod. Man fühlt sich in das 18. Jahrhundert zurückversetzt, insbesondere das Herrenhaus strahlt in seinem ursprünglichen Glanz. Das ganze Areal steht unter dem Schutz der Denkmalpfleger.
Wir parken unser Auto vor der Kirche und schauen uns in der Anlage um. Aber bedenken Sie: Das ist hier alles Privatbesitz. Sie sind in einem Wohngebiet und nicht in einem Zoo.
Unsere Wanderung beginnt am Eingang des ummauerten Hofgutes. Wir wenden uns nach links, die Straße geht in einen Privatweg über, der uns über die Nidda führt. Wir laufen durch die großen Felder und kommen an den letzten der ursprünglich sechs Fußfälle, Bildstöcke nach den Motiven aus dem Kreuzweg. Hier halten wir uns rechts und wandern am Waldrand entlang.
Den ersten Weg nehmen wir dann nach links in den Wald und erreichen ein freies Feld, das ebenfalls zum gräflichen Besitz gehört. Die 17 Hektar große Weise wurde als so genannte Kompensationsfläche aus der Bewirtschaftung des Hofgutes genommen.
Durch den Wald sehen wir schon Maria Sternbach, doch wir gehen nicht direkt darauf zu, sondern halten uns rechts in Richtung Dachsberg, einer Erhebung in diesem schönen Wäldchen. Wir können dieses Stück des Weges auch als Waldlehrpfad verstehen. Rechts der mächtige Laubwald mit altem Buchen- und Eichenbestand, links ein Fichtenbestand, die insbesondere bei Starkwinden leidet.
An der Kreuzung führt uns unser Weg nach links. Zuvor gehen wir aber noch einige Meter geradeaus und schauen uns die gräfliche Jagdhütte an. Bei schlechtem Wetter könnten wir uns hier unterstellen. Über der Tür sehen wir das Solmser Wappen.
Wir gehen zurück zur Kreuzung und halten uns hier rechts, obwohl uns der Wegweiser zu Maria Sternbach geradeaus führen will. An der ersten Kreuzung gehen wir wieder links und nach wenigen Metern steht die stattliche Kirche mitten im Wald vor uns. Der Niddataler Heimatforscher Karl Meisinger hat einen schönen Artikel über die Architektur der Kirche geschrieben. Ausführlicheres gibt es vom früheren Pfarrer von Wickstadt, Wolfgang Gerster, der seine Dissertation über die Pfarrei Sternbach-Wickstadt geschrieben hat.
Die Kirche wird im Jahre 778 erstmalig erwähnt. Um die Kirche entwickelte sich ein kleines Gemeinwesen, das im Streit um Rechte der Landesherren in der Mitte des 16. Jahrhunderts untergegangen ist. Von dem Dörfchen Sternbach ist nicht mehr viel zu sehen. Wahrscheinlich hat aber bis zum Bau der Kirche in Wickstadt im Jahre 1707 der Pfarrgottesdienst nach wie vor in Sternbach stattgefunden. Seit dieser Zeit ist Sternbach Wallfahrtskirche mit mehreren sehr gut besuchten Prozessionen im Jahr. Neben der Kirche, die meist abgeschlossen ist, finden wir noch eine schöne Kapelle mit einer Stuckdecke, die die Auferstehung Christi zeigt. Sie stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Unsere Wanderung führt an der Kapelle vorbei zu einer Treppe, zu einem kleinen mit einem Kreuz gekennzeichneten Pfad. Wir überqueren den Weg und kommen zu einem kleinen Teich, wo wir uns rechts halten. Parallel zum Weg wandern wir auf diesem Pfad, der sich nach kurzer Zeit wieder mit dem Weg vereinigt. Am Waldrand haben wir noch einmal einen schönen Blick auf die Gesamtanlage Wickstadt. Rechts liegt die Kläranlage von Florstadt. Wir halten uns links und sehen schon die Brücke, die uns über die Nidda zurück zu unserem Ausgangsort führt.
Vor dem Haupteingang können wir noch einen kurzen Blick auf ein ganz besonderes Denkmal werfen. Es erinnert an die Weltmeisterschaft im Pflügen, die 1978 an dieser Stelle stattgefunden hat. Die besten Pflüger kamen übrigens aus Schweden, aber auch die Deutschen haben sich sehr achtbar geschlagen.

Das Herrenhaus in Wickstadt ist in Privatbesitz und nicht zu besichtigen.

Die Jagdhütte des Grafen zu Solms-Rödelheim und Assenheim.

Nach Maria Sternbach finden jährlich mehrere Wallfahrten, Andachten und Messen statt.

Ein Solmser Wappenschild.

Der Pfortenturm ist eine Besonderheit. Der viergeschossige Turmbau am westlichen Rand der Hofsiedlung hatte ursprünglich vermutlich die Funktion eines wehrhaften Speichers. Er soll um 1400 entstanden sein. Die beiden unteren Geschosse sind massiv, darüber zwei Fachwerkgeschosse. Der Pfortenturm wird heute als Wohnhaus genutzt.

Ansicht Wickstadt. Wickstadt liegt geschützt in der Senke umgeben von den größten Ackerschlägen der Wetterau.


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