Von Rosen in der Hölle und bösen Buben im Kloster

Wanderlänge: 10 Kilometer.
Reine Gehzeit: drei Stunden.
Für Roller und Treträder telweise geeignet. Bei feuchtem Wetter festes Schuhwerk empfohlen!
Einkehrmöglichkeiten gibt es in Münzenberg und Rockenberg.
Parken: Rathaus Rockenberg

Unsere Wanderung beginnt in Rockenberg in der Obergasse. Direkt vor dem Rathaus finden wir einen Parkplatz und laufen die Schlossstraße in Richtung Münzenberg und folgen dann dem Schild „Justizvollzugsanstalt“. Diese ist im Marienschloss untergebracht, ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster, Mitte des 14. Jahrhunderts gegründet. Nach 450 Jahren folgte die Säkularisierung. Im Jahre 1811 wurde das Kloster zur Zucht- und Besserungsanstalt, später Landeszuchthaus und 1939 zur Jugendstrafanstalt. Vor den einschüchternden Mauern des Gefängnisses biegen wir rechts ab und folgen ein Stück dem Gambacher Weg, den die in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts gebauten Wohnhäuser der Bediensteten der JVA säumen.

Das Himmelreich, das den Nonnen im Mittelalter ihr Kloster gewesen sein mag, wird sicherlich von den heutigen Bewohnern anders empfunden. Zu deren Seelenlage passt schon besser der Name des benachbarten Naturschutzgebietes. Die „Hölle von Rockenberg“ ist eine ehemalige Sandabbaufläche, die Mitte der 90er Jahre als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde. Auf rund 13 Hektar finden sich hier Sandpionierrasen, Silikatmagerrasen und Heidegesellschaften. Beeindruckend ragt auch heute noch die gelbliche Sandsteinwand über einen kleinen Teich, an den sich gern die Graugänse mit ihren Jungen zurückziehen. Vor einigen Jahren wurden im Naturschutzgebiet Sumpfschildkröten ausgewildert, die in dem Areal mit flachen, sich leicht erwärmenden Gewässern ausreichend Nahrung, genügend Sonnenplätze und Versteckmöglichkeiten und eine hervorragende Betreuung durch die örtlichen Naturschützer finden. Die Hölle von Rockenberg kann daher nicht betreten werden und ist nur vom Weg aus zu betrachten.

Auf dem Europäischen Fernwanderweg

Wir gehen den asphaltierten Feldweg weiter und kommen bald zum Eingang eines Sandwerkes, das heute noch in Betrieb und bekannter Fundort von Sandrosen ist.  Wir folgen dem Weg auf eine leichte Anhöhe, der um die Sandgrube führt. Dort nehmen wir den Wirtschaftsweg nach links. Nach ungefähr 200 Meter biegen wir nach rechts auf einen unbefestigten Feldweg ab. Leider fehlt bei diesem unscheinbaren Weg die Ausschilderung, handelt es sich doch immerhin um den Europäischen Fernwanderweg Atlantik-Ardennen-Böhmerwald. Ihm folgen wir jetzt bis nach Münzenberg. Nach gut eineinhalb Kilometer kommen wir  zu einem Sandsteinfelsen, bei dem uns erstmals das blaue Kreuz als Wegweiser des Fernwanderweges begegnet.

Wir folgen der Beschilderung nach rechts auf dem unbefestigten Feldweg, queren die Straße zwischen Münzenberg und Rockenberg und halten uns hinter dem Wäldchen links.

Wer abkürzen möchte, geht einfach geradeaus weiter und kommt nach ungefähr 200 Metern auf einen asphaltierten Radweg. Hier biegen wir nach rechts, der Weg führt uns dann direkt zurück nach Rockenberg. Von hier hat man auch einen wunderschönen Blick auf das Wetterauer Wahrzeichen, die Münzenburg. Diese mächtige Stauferburg aus dem 12. Jahrhundert mit ihren zwei wuchtigen Wehrtürmen sieht von ferne aus wie ein Tintenfass, dem nur der Griffel fehlt. Daher auch der Spitzname für die Burg „Wetterauer Tintenfass“.

Wer nicht abkürzen will, geht weiter bis zum Ortseingang und von da aus zur Münzenburg

Kuno I. von Münzenberg ließ die Burg ab Mitte des 12. Jahrhunderts als Teil des staufischen Sicherungssystems in der Wetterau errichten. Aus dieser ersten Bauphase stammen der romanische Palas und Teile der inneren Ringmauern mit ihren typischen Buckelquadern. Dem Übergang der Anlage an die Herren von Falkenstein und Hanau im Jahre 1255 folgten weitere Ausbauten. Um 1600 bereits vernachlässigt, wurde die Burg im Dreißigjährigen Krieg endgültig zur Ruine. Münzenberg zeigt nicht nur idealtypisch die Entwicklung einer Burg vom 12. bis zum 16 Jahrhundert, sondern stellt ein überragendes künstlerisches Zeugnis des staufischen Burgenbaus dar. Öffnungszeiten: März, April, Oktober November 10 bis 16 Uhr, Mai bis September 10 bis 19 Uhr (montags geschlossen) Juli August täglich geöffnet, November nur samstags und sonntags

Eintritt Erwachsene 3.50 Euro.

144 Stufen zählt man bis zur Spitze des Burgturms, dafür wird man mit einem herrlichen Blick über die nördliche Wetterau belohnt. Der Ausblick könnte noch vervollkommnet werden, wenn man ein paar Metalltafeln anbringen würde, die den Wanderern sagten, wo welches Dorf in welcher Entfernung zu sehen ist. Wieder hinab gestiegen in die Neuzeit, wenden wir uns in Richtung des Radweges R6, der uns nach knapp vier Kilometern zurück zu unserem Auto bringt

Millionen Jahre alte Sandrosen

Sandrosen sind Kristallgebilde, die im Laufe der Jahrmillionen im Sandboden der Wetterau entstanden sind Sie bestehen aus Sandkörnern und sind  in einem Kristall aus Gips oder Baryt eingebettet. Einen schönen Überblick über die Sandrosen aus der Hölle von Rockenberg gibt es im Sandrosenmuseum im Büdinger Untertor. Das Museum, das seine Existenz dem Engagement von Lothar Keil verdankt, zeigt nicht nur Sandrosen, sondern auch die vielfältigen Farben Wetterauer Sande. Auch hiervon kann man rechts und links des Weges noch genügend Proben mitnehmen. Die Farbskala reicht von Gelb- über Rot- bis zu tiefen Brauntönen.

Lothar Keil, der Betreiber des Sandrosenmuserums ist unter der Telefonnummer  0160/91355473 erreichbar.

Sandrose aus der Hölle von Rockenberg

Das Rote Haus in Rockenberg

Hinweisschild Europäischer Fernwanderweg

Blick in die Hölle von Rockenberg

Die Münzenburg ist das Wetterauer Wahrzeichen

Wanderer auf dem Weg zur Münzenburg







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