Vom Büdinger Wald nach Herrnhaag

Weglänge: 13,5 Kilometer, Reine Gehzeit: Knapp drei Stunden, 300 Höhenmeter.

Wir beginnen unsere Wanderung in der Thiergartenstraße, einer Sackgasse, an deren Ende wir parken und unter der Brücke der Bahnstrecke Gelnhausen – Büdingen nach rechts in Richtung Thiergarten gehen.

Wir passieren das Werksgelände der Akkumulatorenfabrik EXIDE, indem wir es links umgehen und kommen dabei auf den Thiergartenweiher, an dessen südlichem Ufer wir ein Stück entlang wandern. Wenn wir die steinerne Schutzhütte des Bundesforstamtes sehen, gehen wir rechts einen schmalen Pfad bergan, um uns nach wenigen Metern auf einem asphaltierten Weg nach rechts zu wenden.

Unmittelbar vor dem Werkstor nehmen wir einen schmalen Pfad nach links, er ist mit einem grünen Kreuz markiert. Gleich darauf kommen wir abermals auf einen asphaltierten Weg, dem wir gut einen Kilometer folgen. Immer wieder werden uns bei der heutigen Wanderung abweisende Schilder aus Zeiten begegnen, wo die US-Armee hier noch regelmäßig geübt hat. Die Amerikaner sind aus Büdingen abgezogen, die „Betreten verboten“ - Schilder haben längst ihren mahnenden Charakter verloren.

Wir gehen den Weg weiter bis wir rechter Hand eine Lichtung sehen. Ein Hinweisschild der Apfelwein- und Obstwiesenroute weist uns nach rechts den Weg. Wenn wir jetzt nach rechts schauen, haben wir einen wunderschönen Blick auf Büdingen und das gleichnamige Hügelland.

Weit unter uns verläuft der Büdinger Tunnel, ein über 500 Meter langes Bauwerk aus den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts. Die Bahnstrecke hatte einst auch eine gewisse Attraktion für Fossiliensammler. An der Böschung kurz vor dem Tunnel hat konnte man früher perlmuttglänzende Brachiopoden (Kopffüßler) finden. Heute ist die Böschung so unwegsam und die Suche wegen des Bahnverkehrs ohnehin viel zu gefährlich.

Nach der eingezäunten Weide nehmen wir an der Gabelung den Weg nach rechts in Richtung Büdingen. An der ersten Abzweigung nehmen wir den Asphaltweg nach links. Mit Blick nach rechts haben wir eine gute Gelegenheit, über den Wandel der Zeit zu reflektieren. Gingen für den Bau von Schloss und Kirche einst noch Jahre ins Land, zog man den grell leuchtenden Baumarkt in wenigen Monaten hoch. Er sticht aus allen Perspektiven in der Stadt hervor, während Schloss und Kirche sich aus dieser Entfernung im Häusermeer fast verlieren.

Unter der Bundesstraße 457 hindurch gehen wir nördlich von Vonhausen bis zu einem asphaltierten Weg, wo wir uns rechts und gleich wieder links halten. Wir gehen jetzt mehr oder weniger geradeaus in Richtung Kirche. Vorbei an dem sakralen Bauwerk stoßen wir auf die Straße, die Diebach am Haag über Lorbach mit Büdingen verbindet.

Rund 200 Meter gehen wir an der Straße entlang und kommen dann nach Herrnhaag. Vorher werfen wir noch einmal nach links einen Blick auf die imposante Ronneburg. Herrnhaag wurde im Jahre 1738 durch den Reichsgrafen von Zinzendorf gegründet, der hier mit seiner Glaubensgemeinschaft der Herrnhuter Brüdergemeinde Zuflucht fand. Es war der liberale Büdinger Fürst Ernst Casimir, der sie auf sein Land einlud. Die Idee hinter der Brüdergemeinde war die Realisierung einer Lebens- und Dienstgemeinschaft, in der Standesunterschiede weitgehend aufgehoben waren.

Die Gastfreundschaft des Büdinger Fürsten währte freilich nicht allzu lange. Den Untertanen-Eid mochten die Mitglieder der lutherisch-pietistischen Glaubensgemeinschaft nicht ablegen, sodass bereits 1750 die Auflösung per Edikt verfügt wurde. So wurde die fast 1.000 Menschen umfassende Gemeinschaft bald wieder aufgelöst. Dem Verein der Freunde des Herrnhaag ist es zu verdanken, dass man sich an die Restaurierung der barocken Gebäude macht.

Wir gehen an den beiden stattlichen Gebäuden vorbei und wenden uns vor der Scheune nach rechts. In der Mauer wurde noch ein Grabstein eines 1756 verstorbenen Menschen mit verbaut. Vorbei am Friedhof der Brüdergemeinde mit einer interessanten Gedenktafel laufen wir geradeaus direkt auf einen kleinen Weiher zu. Hier halten wir uns rechts und kommen bald, vorbei am Sportplatz, nach Lorbach.

Wir überqueren die Hauptstraße und befinden uns in der Straße „Am Flutgraben“. Wir gehen immer weiter geradeaus, an der zweiten Kreuzung nach der Bebauungsgrenze wenden wir uns nach links. Der Pfad, mehr Grasstreifen als Weg, wird in der Senke wieder breiter. Wir bleiben auf unserem Weg, auch wenn er stellenweise durch die schweren Fahrzeuge der Bauern arg ramponiert ist.

Wir passieren die von der US-Armee aufgegebenen Militärstützpunkte, die auf eine friedliche Verwertung warten. An der Straße biegen wir nach rechts und laufen bis zum Kreisel, wo wir uns in Richtung historische Altstadt halten. Wir sind jetzt schon im Gewerbegebiet Büdingens mit einer ganzen Reihe von Geschäften. Bald kommt auf der rechten Seite die Thiergartenstraße, an deren Ende wir parken. Bevor wir den Weg nach Hause antreten, sollten wir aber unbedingt noch die Altstadt von Büdingen erkunden. Sie gehört zu den schönsten Altstädten Hessens.

Die Lichtenburg, das barocke Zentrum von Herrnhaag, wird derzeit vom Förderverein aufwändig restauriert. Sie ist Schauplatz vieler kultureller Veranstaltungen. 

 

Die Ronneburg im benachbarten Main-Kinzig-Kreis ist der Inbegriff einer mittelalterlichen Ritterburg.

 

Der Thiergartenweiher und das Thiergartenschloss sind attraktive Naherholungsgebiete um Büdingen.







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