Vom Braunkohleloch zum Naturschutzgebiet

Dass die Wetterau ein fruchtbares Gebiet ist, und einst die Kornkammer des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation war, ist weithin bekannt. Dass aber hier, zwischen Taunus und Vogelsberg, fast 200 Jahre lang Braunkohle abgebaut wurde, daran erinnert heute nur noch wenig. Würde man nicht hin und wieder auf markante Hinweisschilder stoßen, so könnte man kaum ahnen, dass die „Wetterauer Seenplatte“ von Menschenhand geschaffene Paradiese für Vögel und Amphibien sind.

Weglänge: 12 Kilometer.
Reine Gehzeit: knapp drei Stunden (überwiegend asphaltierte Wege).
Einkehrmöglichkeiten gibt es in Echzell und in Echzell/Gettenau wo es auch zwei Eisdielen gibt.
Parken: Echzell in der Lindenstraße entlang des Haingrabens. Es sind ausreichend Parkmöglichkeiten vorhanden.

Unsere Wanderung beginnt am Parkplatz unweit des Echzeller Rathauses. Wir laufen ein Stück die Straße stadtauswärts Richtung Wölfersheim und biegen dann am Ortsausgang links in den Radweg ein. Wir folgen auf diesem Radweg der Beschilderung nach Wölfersheim  und kommen mit einigen Abzweigungen nach knapp fünf Kilometern bis zum Wölfersheimer Ortsteil Geisenheim. Dabei gehen wir eine ganze Weile am Biedrichsgraben entlang, der östlich des Wölfersheimer Sees entspringt und in Echzell in die Horloff mündet. Der Graben bietet besonders für Kinder, die uns bei der Wanderung begleiten, ein schönes Spielfeld.

Am Ortseingang von Geisenheim halten wir uns links, laufen am Parkplatz vorbei und kommen zum Wölfersheimer See, dem größten Gewässer im Wetteraukreis. Der See ist Naherholungs- und Naturschutzgebiet. Wassersport ist hier verboten. An der Nordseite des Wölfersheimer Sees ist in diesen Tagen eine neue Attraktion entstanden. Ein privater Betreiber hat am See einen Hochseilgarten errichtet, der für jung und alt ohne besondere Ansprüche an Fitness ein tolles Klettererlebnis verschaffen soll. Der Hochseilgarten ist indes nur eine Facette eines umfangreichen Vorhabens im Rahmen eines Regionalparkprojektes Wetterauer Seenplatte.

Gegen Ende des Sees verlassen wir kurz den asphaltierten Radweg, halten uns geradeaus und gelangen über einen kleinen Parkplatz zu einem schmalen Trampelpfad der uns zu einer Holzbrücke führt. Danach weitet sich wieder der Weg. Wir gehen kurz links und gleich wieder rechts und dann hügelan auf einem asphaltierten Weg. Nach wenigen Metern schon verlassen wir diesen und gehen geradeaus auf dem Feldweg weiter. Den zweiten Weg biegen wir nach etwa 800 Metern nach links und wandern dann wieder auf Asphalt abermals 800 Meter, um dann wiederum wieder nach rechts zu gehen, wo wir direkt auf die Hohe Straße, die hier als Kreisstraße ausgebaut ist, stoßen.

Libellen, Schmetterlinge und Amphibien

Wir halten uns jetzt links und laufen noch 100 Meter entlang der Kreisstraße, die wir dann vorsichtig überqueren. Hier sehen wir schon einen Aussichtsturm, der uns einen herrlichen Blick auf das „Naturschutzgebiet Pfaffensee“ verschafft. Der Pfaffensee und der benachbarte Teufelssee sind ebenfalls Überreste des Braunkohleabbaus. Das Gewässer und die mehr als fünf Kilometer langen Heckenzüge sind mittlerweile als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Seltene Tiere und Pflanzen haben sich hier mittlerweile angesiedelt. Neben seltenen Libellen, Schmetterlingen und Amphibienarten, wie zum Beispiel der Kreuzkröte oder dem Schwalbenschwanz, sind es vor allem die Vögel, die das Gebiet so schützenswert machen.

Unter anderem brüten hier Feldlerchen, Zwergtaucher, Blaukehlchen, Steinschmätzer, Grauammer, Rebhühner und Wachteln. Auf ihrem Flug von und zu den Brutgebieten wurden hier schon Grau-, Bless- und Saatgänse, verschieden Enten und bis zu 1.200 Kraniche gezählt. Von hier oben aus können wir auch bis zum Bingenheimer Ried sehen. Diese Wanderung wurde ja bereits vorgestellt.

Vom Aussichtsturm aus links gesehen erblicken wir die Kirchtürme von Echzell und Gettenau. Wenn wir den Trampelpfad entlang des Pfaffensees in dieser Richtung laufen, können wir kaum fehlgehen.

Nach Verlassen des Trampelpfades kommen wir auf einen Betonweg, der uns geradewegs nach Gettenau führt. Kurz vor dem Ortseingang erreichen wir die Kreisstraße, die den Echzeller Ortsteil mit Heuchelheim verbindet. Wir müssen noch ein kleines Stück entlang der Kreisstraße gehen und überqueren diese dann, um auf dem Fußweg durch Gettenau zurück zum Parkplatz zu gelangen.

Hier empfiehlt sich unbedingt noch eine Besichtigung des Museums Echzell (geöffnet:  sonntags von 10:00 bis 12:00 Uhr und von 14:00 bis 16:00 Uhr). Schwerpunkt der Ausstellung ist die archäologische Abteilung, eindrucksvoll dokumentiert durch die prächtige Jupitersäule, die Ende der 90er Jahre in der Gemarkung entdeckt wurde. Die eindrucksvolle Säule wurde von dem römischen Veteran Lucius Quintionius Servianus „Jupiter, dem Besten und Größten“ gewidmet. Schön auch die evangelische Kirche, die zu großen Teilen auf römischen Fundamenten eines Badehauses ruht. Eine informative Schautafel schildert die Badefreuden am Limes.

Bergbau seit 1804

Das ehemalige Bergarbeiterdorf Wölfersheim war viele Jahre lang vom Braunkohlebau geprägt. Zunächst in Tiefbau, später auch im Tagebau wurde in und um Wölfersheim Braunkohle gewonnen und im Braunkohlekraftwerk verstromt. Das erste Bergwerk entstand schon im Jahre 1804 zunächst im Tiefbau. Seit 1961 wurde Braunkohle im Tagebau abgebaut. Diese Ära ging im Jahre 1991 zu Ende. Am Wölfersheimer Bahnhof zeugen noch ein Kohle- und ein Aschezug als Museumsstück von dieser großen Vergangenheit. Gegenüber dem Bahnhof wurde im Jahre 2006 das Bergbaumuseum Wölfersheim eröffnet. Sonntags zwischen 15:00 und 18:00 Uhr bietet es interessierten Besucherinnen und Besuchern einen Einblick in die Geschichte des Wölfersheimer Bergbaus.


Der Wölfersheimer See ist das größte Gewässer in der Wetterau.


Vom Aussichtsturm am Pfaffensee blickt man auf Reichelsheim.


„Jupiter, dem Besten und Größten“ gewidmet, die Jupitersäule in Echzell, im Hintergrund das Heimatmuseum Echzell.


Pferdewagen zwischen Echzell und Wölfersheim

DER BÖSE WUNSCH

Einstmals reiste Landgraf Philipp, wie er gern tat, ohne sonderliches Gefolge durch sein Land, trug dabei auch schlechte Kleider und offenbarte seinen Stand keinem, der ihn nicht kannte. Da begegnete er einer Bauersfrau, die trug ein Gebund Garn, und er fragte sie, wohin sie denn wolle. Da fing das Weib an, jämmerlich zu klagen und zu lamenten; sie wolle und müsse das Garn verkaufen, obschon sie es selber an zehn Enden entraten müsse, um nur die hohe Schatzung und Steuer zu entrichten, die der Landgraf habe ausschreiben lassen, und es sei eine schlimme Zeit und ein schmählicher Druck. Darauf fragte Philippus das Weib, wie hoch denn die Steuer sich belaufe, die sie zu entrichten habe, und sie antwortete: Einen Ortsgulden. - Da griff der Landgraf in seinen Säckel und gab ihr einen ganzen Ortstaler; darüber ward das arme Weiblein vor Freude rot wie ein Brand, sie sah aber nicht, daß auf dem Taler Philippi Bildnis geprägt stand im vollen Stahlharnisch und auf der Rückseite sein Helm mit der Zier und der schöne Spruch: Was Gott beschert, bleibt ungewehrt - und rief: Lohn's Gott! Lohn's Gott, edler Junker! Daß doch dieses Euer Geld dem Landgrafen, in dessen Schatz ich's liefern muß, auf der Seele brenne wie das höllische Feuer. -

Da wandte sich der Landgraf lachend um und sprach zu seinen Begleitern: Hörtet ihr's wohl? Das ist ein wunderlicher Handel, wann einer wie alleweile ich für sein eigenes Geld sich solchen bösen Wunsch einkauft! - Nun - was Gott beschert, bleibt ungewehrt! -

Quelle: Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1853







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