Unterwegs auf „Premiumwegen“ durch Schäferland

Deutschland ist ein Wanderland, mehr als 400.000 Kilometer Wanderwege sind zwischen Flensburg und Berchtesgaden und Aachen und Görlitz ausgewiesen. Doch nur ein Teil der Wanderwege bieten den erhofften Naturgenuss, den Menschen sich wünschen, die auf Schusters Rappen das Land durchqueren.

Viele der Wegstrecken liegen unter Schotter und Asphalt, die Aussicht ist zugewachsen und dann geht es mitunter an tristen Siedlungen vorbei. Dabei ist das, was Naturwanderer wollen ziemlich klar: Raus aus dem Stress, Natur erleben, Landschaft genießen auf Wegen, die wundeschön sind und möglichst nur von einem selbst bewandert werden. Einsam wandern auf traumhaften Wegen, das wird wahrscheinlich nur dann möglich sein, wenn das Wetter eben nicht zum Wandern einlädt.

Gleichwohl gibt es eine ganze Reihe von Wegen, die sich ein besonderes Prädikat erarbeitet haben, so genannte Premium-Wege. Um ein Premium-Weg zu werden, braucht es eine gute Beschilderung, abwechslungsreiche Wege und Landschaften, also Wald und Feld, Wiesen, Höhen und Täler, gute Aussichten und wenig Asphalt oder Schotter. Ein solches Prädikat hat sich der heutige Weg durch das Eichelbachtal verdient.

Weglänge: 14,8 Kilometer
Reine Gehzeit: 3,15 Stunden

Startpunkt ist der Wanderparkplatz direkt an der Bundesstraße 275, Ortsausgang Eichelsdorf, von Nidda kommend Richtung Schotten.

Der Eichelbach entspringt nördlich des Hoherodskopf und fließt bei Eichelsdorf in die Nidda. Auf seinem 18 Kilometer langen Lauf bildet er vor Eichelsdorf eines der schönsten Bachtäler der Wetterau, das geradezu zum Wandern einlädt. Das Besondere an unserer heutigen Tour ist, dass man auf eine Wegebeschreibung so gut wie verzichten kann. Ein Charakteristikum der Premium-Wege ist eine ausgezeichnete Beschilderung. Man kann gar nicht fehlgehen, wenn man dem stilisierten Vulkan in den Farben Grün, Rot folgt. Aber aufgepasst: Leicht gerät man ins Plaudern und schon ist man an einer Abzweigung vorbei. Das ist aber nicht weiter schlimm, man geht einfach ein kleines Stück zurück und findet bald wieder seinen Weg.

Vom Wanderparkplatz aus gehen wir die Treppe hinunter, vorbei am Kindergarten, passieren den Sportplatz und wenden uns rechts über die Niddabrücke. Wir gehen ein kleines Stück durch den Ort und verlassen an einer Biegung die Ortsstraße und gehen einen Grasweg kräftig bergauf. Auf der rechten Seite sehen wir die Eichelsdorfer Kirche aus dem Jahre 1300.

Der Teufel war schuld

Der Legende nach haben es die Eichelsdorfer dem Teufel zu verdanken, dass sie außerhalb des Dorfes ihr Gotteshaus haben. Der Teufel wollte verhindern, dass in Eichelsdorf eine Kirche gebaut wird. Deshalb hat er jede Nacht die Baumaterialien an den Dorfrand gebracht. Irgendwann war es den Eichelsdorfern zu bunt und sie haben an Ort und Stelle die Kirche gebaut.

Denkbar ist freilich auch eine andere Version. Danach stand die Kirche sehr wohl in der Mitte des Dorfes, doch die sumpfige Nidda war kein guter Ort, um ein Dorf zu gründen. Erst mit der Trockenlegung der Sümpfe, siedelte man in die bequemere Talaue um, nur die Kirche blieb an ihrem angestammten Platz.

Die Schafe halten die Flächen frei

Die Gegend hier um Eichelsdorf gehört zu den naturräumlich besonders wertvollen Flächen. So genannte Magerrasengesellschaften haben sich hier angesiedelt, die ein bestimmtes Klima und eine bestimmte Bewirtschaftung benötigen. Die Böden sind eher karg und für die Landwirtschaft wenig geeignet. Dafür gedeihen hier ganz besondere Pflanzenarten, wie etwa das Frühlings-Hungerblümchen, der erste Bote des Frühlings oder der Lerchensporn, der auf Basaltböden gedeiht. Mit Hilfe eines EU Projektes will man in der Wetterau die wertvollen Magerrasen erhalten. Der Beweidung der Flächen durch Schafe kommt dabei eine ganz besondere Bedeutung zu. Die Schafe verhindern, dass das freie Land verbuscht und sorgen so dafür, dass hier auch in Zukunft gefährdete Pflanzen und Tiere ihren Lebensraum finden. Teppiche verschiedener Kräuter wie Thymian setzen je nach Jahreszeit farbige und geruchliche Akzente

Nach rund vier Kilometern Wanderweg stoßen wir auf die Kreisstraße 204, der wir nach links für wenige Meter folgen. Bald schon gehen wir wieder auf Wiesenwegen durch das Tal. Auf der linken Seite sehen wir zwei mächtige Huteeichen, unter denen einst die Schafe ihr „Kraftfutter“ einnahmen. Wir laufen durch ein Fichtenwäldchen, links der Bach, bis zu einer Gabelung. Hier verlassen wir den Vulkanringweg mit seinem Doppel V (ebenfalls in den Farben Rot, Grün), der uns bis dato begleitet hat.

Wir aber bleiben bei unserem stilisierten Vulkan und folgen dem Weg nach rechts. Bald kommen wir an einen herrlichen Rastplatz. Der Graben neben dem zum Pfad gewordenen Weg ist im Sommer meist ausgetrocknet. Wir gehen den gut beschilderten Pfad weiter durch einen lichten Laubwald und kommen an den Haißbachteich. Hier gab es auch bis in das 15. Jahrhundert ein Dörfchen, das wie viele andere Vogelsbergdörfer zur Wüstung wurde, weil die Menschen ihr Auskommen nicht mehr finden konnten.

Auf unserem weiteren Weg begegnet uns im lichten Wald ein Geröllfeld, die Bärensteine. Es handelt sich um die Überreste des Randes eines Lavastromes, der den Bergrücken bildet. Bald danach den kommen wir an einen schönen Aussichtplatz mit weitem Blick. Vom „Schmitter Blick“ können wir bis zum Dünsberg und dem großen Feldberg schauen. Das Besondere hier ist der Blick auf die Münzenburg, die sonst auf einer Anhöhe thront und von hier aus wirkt, als läge sie im Tal.

Auf dem letzten Stück unseres Weges passieren wir noch die Baustelle für das künftige Hochwasserrückhaltebecken im Eichelbachtal. Es wird die Menschen in Eichelsdorf und an der Nidda vor Hochwasser schützen. Wir gehen entlang des Baches und kommen in das Dorf, zwei Brücken überquerend, zunächst den Eichelbach und dann die Nidda, von wo aus wir die Stelle sehen, wo sich beide Gewässer treffen. Nur noch wenige Minuten und wir sind am Ausgangspunkt zurück.


Dorfkirche Eichelsdorf


in Eichelsdorf fließt der Eichelbach in die Nidda


Wanderschild Eichelbachrundweg


Wandergruppe am Eichelbach


Kerstin Bär Natur- und Kulturführerin und Mitarbeiterin der Stadt  Nidda hat den Premiumweg entwickelt







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