Wirtschaftsförderung Wetterau
Wirtschaftsförderung Wetterau

Sternwarten Bad Nauheim und Vogelsberg

(aus: Streifzug - Wetterauer Kultur- und Freizeitmagazin, 8. Ausgabe)

140 Stufen bis zu den Sternen

Genau 264,86 Meter über Normalnull 8 Grad, 43 Minuten, 41,6 Sekunden östliche Länge und 50 Grad, 21 Minuten, 58,5 Sekunden nördliche Breite liegt, auf den Mauern einer alten gotischen Kirche errichtet, die Bad Nauheimer Sternwarte. Der markant achteckige Turm auf dem Johannisberg wird seit Über 40 Jahren als verlängerter Arm zu den Sternen genutzt. 140 Stufen über dem Boden können große und kleine Erdenbürger am Kuppel-Teleskop die faszinierendsten Himmelskörper der nördlichen Hemisphäre in Augenschein nehmen und feststellen, wie klein unser Planet doch ist.

Möglich macht dies der harte Kern des Vereins Volkssternwarte Wetterau, den eine Handvoll Weltall-Liebhaber im Oktober 1988, also vor genau 20 Jahren, gründete, um das Fortbestehen der Sternwarte zu sichern. Ein Friedberger Tankwart, der Hobbyastronom Erwin Krauskopf, verwandelte den damaligen Aussichtsturm 1965 in Eigenregie (mit Mitteln des Staatsbades) in ein Observatorium, in dem jedem Bürger die komplexe Wissenschaft der Astronomie mit Wort und Bild verständlich gemacht werden sollte. Mit demselben Anspruch betreibt auch die Gruppe um den Astrophysiker Walter Gröning ihr zeitintensives Hobby. Schon als kleiner Bub habe ihn der Sternenhimmel fasziniert, erzählt der Vereinsvorsitzende, der seit den frühen 80er-Jahren in der Volkssternwarte aktiv ist. Heute hat der Verein knapp 50 Mitglieder.

Gröning und seine Kollegen öffnen jeden Dienstagabend die Turmtür, um interessierten Besuchern die Geheimnisse des schier unendlich großen Universums ein Stück weit begreifbar zu machen. Zum Beispiel mit Vergleichen: hätte die Erde die Größe einer Walnuss, der Jupiter wäre eine Wassermelone, und die Sonne eine Kugel von drei Metern Durchmesser. Der Pluto wird mittlerweile nicht mehr als Planet angesehen. Er ist auch um einiges kleiner als unser Mond, die Menschheit möchte trotzdem mehr über ihn wissen und hat Anfang 2006 eine Sonde gestartet. Die war nach neun Stunden am Mond vorbei aber erst in acht Jahren, nach sechs Milliarden Kilometern, wird sie Pluto erreichen, lautet eine der spannenden Geschichten. Mit eindrucksvollen Bildern, die zum Teil am Bad Nauheimer Teleskop gemacht wurden und mit ihrer Schärfe und Farbintensivität doch fast schon wieder unecht aussehen, untermalt Gröning seine wöchentlichen Vorträge.

Der mittlerweile im Schuldienst tätige Astrophysiker versteht es auf besondere Weise, Schulklassen, die des Öfteren die Sternwarte besuchen, in seine gedankliche Umlaufbahn zu lenken. Er zeigt Bilder von Galaxien, Sternenhaufen oder Planetensystemen und macht den Zuhörern klar, welch unbedeutende Rolle das mikroskopisch kleine Staubkorn Erde im sich ewig ausdehnenden (oder doch zusammenziehenden?) Universum spielt. Mit viel Humor und Fachwissen erklärt er, wie schwarze Löcher, weiße Riesen oder rote Zwerge entstehen schließlich müssen auch Sterne irgendwann sterben.

Bald Live-Bilder aus dem All

Man sollte eine Sternwarte nie besuchen, wenn Vollmond ist. Dann ist es nämlich viel zu hell, um etwas zu sehen, rät Gröning. Die besten Bedingungen für eine Planetenbeobachtung herrschen in einer klaren, wolkenlosen Nacht mit ruhiger Luft (ohne vermischte warme und kalte Luftschichten, die das Bild verzerren) und einem Nachthimmel, der nicht durch Lichtquellen vom Boden aufgehellt wird.

Letzteren gibt es Über dem Hausberg der Kurstadt nicht, was auch ein Grund dafür war, dass sich der Verein an den Planungen für die neue Sternwarte im nördlichen Vogelsberg beteiligte, wo die Hobbyastronomen in Ruhe ihre Forschung betreiben können. Um auch den Besuchern in Bad Nauheim an rund 50 Dienstagen im Jahr noch mehr Qualität bieten zu können, ist der Verein stets auf der Suche nach Sponsoren. Im Rahmen ihres Jubiläums fördert die Volksbank Mittelhessen das neuste Projekt mit 15 000 Euro: Damit künftig alle Besucher live miterleben können, was sich am Sternenhimmel abspielt, wurde eine Hochleistungskamera geordert, die das aktuelle Teleskopbild auf die Leinwand im Vortragsraum abbilden kann. Auch eine extern gekühlte Kamera für Langzeitaufnahmen soll angeschafft werden.

Mit den beiden 1995 unter der glasfaserverstärkten Kuppel installierten Hightech-Fernrohren (Für Kenner der Materie: ein Schmidt-Cassegrain-Spiegelteleskop und der Sieben-Zoll-Starfire-Apochromat mit parallaktischer Montierung) lässt sich im Idealfall ein nur wenige Kilometer breiter Bildausschnitt des Mondes darstellen. Die 1969 von Neil Armstrong bei der ersten Mondlandung aufgestellte Fahne könne man aber leider nicht erkennen, meint der Vereinsvorsitzende. Falls die Amerikaner Überhaupt da waren, wie Verschwörungstheoretiker immer wieder anzweifeln. Gröning dazu: "Die Chinesen werden sicher bald nachschauen."

“Es kommt schon mal vor, dass man in sieben Stunden nur zwei brauchbare Bilder macht. Und im Winter wird es schon recht kalt da oben“, beschreibt der passionierte Astronom sein zeitintensives Hobby. Ganze Nächte verbringen die zähesten Sternengucker allein in der Kuppel, um Planetenlaufbahnen zu protokollieren oder zehntausende Lichtjahre entfernte Nebel aufzunehmen.

Die intensivsten Momente hat Gröning allerdings ohne Okulare, Linsen und Filter: „Das Schönste ist, wenn ich mich nachts im Garten auf der Liege ausstrecke und einfach in den Himmel schaue.“

 

(aus dem Ovag Magazin Unser Oberhessen 2/2008)

Sonne, Mond und Sterne…
Auf grünen Wiesen steht das Tor zum Himmelszelt

Allenfalls passionierten Sterneguckern und Hobby-Astro nomen dürfte der am Nordhang des Vogelsbergs gelegene, dünn besiedelte Feldataler Ortsteil Stumpertenrod ein Be griff sein. Denn tagsüber gibt es hier, rund 500 Meter über dem Meeresspiegel, nichts als Wiesen, Felder und Lerchen gezwitscher; hin und wieder tuckert ein Traktor über die buckeligen Wege. Doch genau das macht den Ort des näch tens für Himmelsbeobachter so interessant. Denn dann ist dies eine der am wenigsten von Licht verschmutzten - so genannten „Dark Sky" - Ecken Deutschlands, die Astrolo gen einen ungetrübten Blick ins Firmament gewährt. Die dürfen sich jetzt freuen, denn auf dem etwa 1,5 Hektar großen Gelände, auf dem früher die Spieler des Sportver eins von Stumpertenrod kickten, wurde kürzlich eine pro fessionell ausgerüstete Sternwarte eröffnet. „Seit 1996 fi nden hier regelmäßig Teleskop-Treffen statt", berichtet der Bürgermeister der Gemeinde Feldatal, Ernst Uwe Offhaus. Er ist gleichzeitig Vorsitzender des 2007 gegründeten Vereins Sternenwelt Vogelsberg e. V. Off haus erinnert sich: „Dann campierten hier an die 2.500 Sternegucker aus der ganzen Republik." Als zu Beginn des Jahrzehnts Geld aus dem Programm der Dorferneuerung und später aus den Töpfen der Europäischen Union bereit stand, beschlossen die Feldataler, dem Interesse der ster nenguckenden Besucher gerecht zu werden. 387.000 Euro standen für das Projekt Sternwarte zur Verfügung, über die Hälfte von der EU, hinzu kamen rund 100.000 Euro Spenden.

Viele Stunden Eigeninitiative

Von der Idee bis zur Umsetzung war es jedoch ein lan ger Weg. Zehn Jahre vergingen bis zum Beschluss für den Bau der Sternwarte 2006. „Dann ging alles ganz schnell", erzählt Offhaus begeistert. Ortsvorsteher Heinrich Wag ner habe die Gemeinde überzeugend mobilisiert. In nur eineinhalb Jahren bauten die Bürger mit Eifer und Ideen-reichtum das ehemalige Sportgelände zur Sternwarte um. Offhaus stolz: „Da stecken weit über 3.000 Stunden Eigen initiative drin." So beherbergen die ehemaligen Vereinsräumlichkeiten heute ein Besucherzentrum samt Seminarraum für bis zu 80 Personen, eine kleine Küche und sogar Duschen für Übernachtungsgäste. Das Herzstück der Sternwarte ist das Observatorium, ein Kuppelbau, in dem ein Spiegelteleskop vom Typ „Cassegrain" den Blick ins Universum ermöglicht. Mit einem Spiegeldurchmesser von einem halben Meter und einer Brennweite von 5000 Millimetern zählt es zu den leis tungsstärksten Instrumenten seiner Bauart und sammelt mit seiner Elektronik etwa 4000 Mal so viel Licht wie das bloße menschliche Auge. Per Computer lässt sich auf diese Weise eine Vielzahl funkelnder Himmelskörper anvisieren, derweil das Teleskop elektronisch die Erddrehung mit voll zieht. Die hölzerne, rund zwei Tonnen schwere Kuppelkon struktion auf Rollen, öffnet sich zu diesem Zweck nach Norden, „weil von dort die wenigsten Winde kommen", in formiert Offhaus. „Dahinter verbirgt sich viel, viel Technik", lacht der eigentlich mehr an geschichtli chen Ereignissen Interessierte und fügt hingerissen hinzu: „Die Bilder können di rekt auf einen Beamer ins Besucherzent rum übertragen werden." Auch im Nachbargebäude, dem Beobach tungszentrum, herrscht die Technik. Ein weiteres Spiegel- sowie ein Linsentele skop wurden dort fest in den Betonbo den eingelassen. „Das war gar nicht so einfach", erzählt Offhaus. Die Teleskope dürfen den Boden nicht direkt berühren, sonst führt jeder Schritt zu einer Erschüt terung der Bilder. Erfi nderisch bauten die Feldataler Bürger also mittels einer Kas tenwasserwaage Plattformen aus Styro por für die Säulen der Sichtgeräte. „Das war ein Ding", erinnert sich Offhaus. Ebenso geistreich entwickelte ein Metall fachmann die Konstruktion für das kom plett zurückschiebbare Dach der Halle – ähnlich einem Cabrio.

„Faszinierend"

Ein ursprünglich zum Mischen von Far ben genutzter Motor, der mit Zugseilen die Decke transportiert, wurde installiert. Mit dem Blick in den geöffneten Himmel ermöglichen die fest installierten Tele skope anhand unterschiedlicher Okulare nicht nur die Sichtung fi xer Sterne und Sternenbilder, wie Saturn, Venus oder Ori on, sondern zudem mit entsprechenden Filtern beispielsweise die Beobachtung von Eruptionen auf der Sonne. „Faszinie rend", schwärmt Offhaus. „Das ist ein ir res Spektakel, wenn die Sonne Gase ins Weltall schießt." Für den mobilen Einsatz hält das Beobachtungszentrum zudem ein drittes Gerät bereit: Ein selbst gefertigtes Dobson, ein Spiegelteleskop mit einem rund 45 Kilogramm schweren Spiegel.

Denn auch auf dem Außengelände sollen Besucher künftig dem Firmament frönen können. Dort wird in diesen Tagen ein Sternenpark mit unterschiedlich hohen Säulen zum Aufstellen mobiler Beobach tungsgeräte installiert. Außerdem werden dort ein Sternbildmodell und ein kleines Freilichttheater eingerichtet. „Denn na türlich ist Sternegucken gemeinsam und unter fachkundiger Anleitung am span nendsten", so die Erfahrung des 67-jähri gen Sternwarten-Vereinsleiters. Wer sich auf den Wiesen von Feldatal Stumpertenrod auf ein nächtliches Astro nomie-Abenteuer begeben möchte, kann sich jetzt schon den 1. bis 5. Oktober 2008 vormerken. Dann fi ndet das nächste Teleskoptreffen statt. Unter fachkundiger Auskunft von Experten können sich Klein und Groß an diesen Tagen astronomischen Durchblick verschaffen. (ssp)

Informationen rund um die Sternwarte in Feldatal-Stumpertenrod gibt es im Inter net unter: http://www.sternenwelt-vogelsberg.de  

Geben Sie uns ein Feedback zu dieser Seite

Ihre Bewertung für diese Seite:


RSS-Feed Drucken Schnellkontakt:

Wirtschaftsförderung Wetterau GmbH
Hanauer Str. 5 | 61169 Friedberg

Christian Agne XING

Tel: +49 (0) 6031. 692144
Fax: +49 (0) 6031. 692159

E-Mail: info@wfg-wetterau.de

weitere Kontaktmöglichkeit auch per Videokonferenz:

Skype:

MSN-Name: info@wfg-wetterau.de