
Seltene Wiesenbrüter und Klostergärten
Wanderlänge: Acht Kilometer.
Reine Gehzeit: 1,45 Stunden.
Parkplatz: Niddatal Ilbenstadt an der Schulstraße, vor der Basilika in Ilbenstadt.
Anfahrt: Über die Bundesstraße 45.
Am Parkplatz wenden wir uns fort vom Kloster und biegen links in die Schulstraße, wo der Nonnenhof schon ausgeschildert ist. Von 1150 bis 1566 und von 1665 bis 1803 war dies ein Prämonstratenserinnen-Kloster zum Erzbistum Mainz zugehörig. Die hessische Staatsdomäne mit dem Herrenhaus und ihren Scheunen und Ställen liegt in einem nahezu unberührten Tal, so dass man sich eine realistische Vorstellung von dem ehemaligen Frauenkloster machen kann. Vom alten Kloster ist jedoch kaum noch etwas vorhanden.

Vor der stattlichen Anlage biegen wir rechts auf den Pfad ein, der als Radweg ausgewiesen ist. Am Ende eines kleinen Wäldchens genießen wir den ersten schönen Fernblick. Kurz bevor wir an die Trasse der Hochspannungsleitung kommen, gehen wir nach rechts und zwischen Feldern unterhalb der Stromleitung. Von hier aus blicken wir bis zum Taunus und auf die Skyline der Bankenmetropole Frankfurt.
Wir ersteigen eine kleine Anhöhe, an deren Ende wir den Wirtschaftsweg verlassen, um uns nach rechts auf einen mit Gras bewachsenen Weg zu wenden, auf dem wir einen leichten Linksbogen gehen und dort verbleiben. Dabei laufen wir durch eine schöne Streuobstwiese mit neu angepflanzten Obstbäumen, die hier für die Wetterau so typisch sind.
Ein kleines Wäldchen lassen wir rechter Hand liegen und kommen schließlich zur Landesstraße, der wir nach rechts rund 100 Meter folgen. Wir gehen abermals nach rechts, rund 50 Meter entlang der Bundesstraße, und biegen dann an der Notrufsäule nach links in einen Wirtschaftsweg ein.
Relikt des Kalten Krieges
Hinter einer Umzäunung stehen ein hoher Sendemast und allerlei Material des Bauhofes der Stadt Niddatal. Tatsächlich aber verbirgt sich hier ein atombombensicherer Bunker, der die Führung der Stadt Frankfurt im Falle eines Falles hätte aufnehmen sollen.
Der dreistöckige unterirdische Atombunker wurde Ende der 60er Jahre gebaut und 1979 an die Stadt Frankfurt übergeben. Er war mit allem ausgestattet, was für einen gewissen Zeitraum das Leben in der Katastrophe hätte sichern können. Rund 80 Menschen sollten hier im Falle eines Atomschlags überleben können. Der Bunker verfügt über eigene Wasser-, Luft- und Stromversorgung. Ob ein Leben tatsächlich dann noch lebenswert gewesen wäre, musste glücklicherweise niemals unter Beweis gestellt werden.
Hinter dem Bunker gehen wir nach rechts und laufen hinab in das Tal, den Blick auf Taunus und die Hochhäuser der Stadt Frankfurt gerichtet. Auf der Landesstraße nach Burg-Gräfenrode gehen wir links und nach 50 Metern wieder nach rechts in das Feld.
Seltene Wiesenbrüter
Wir gehen einmal links und dann wieder rechts und dann einen guten Kilometer geradeaus direkt auf die Nidda zu. Was wir linker Hand sehen, ist ein ganz besonderer Stolz der Wetterauer Naturschützer: Das 70 Hektar große Naturschutzgebiet „Niederwiesen“, das binnen eines Jahres von einer Ackerfläche in ein Wiesenbrütergebiet umgewandelt wurde.
Hier brüten bedrohte Vögel, wie Kiebitze und Bekasine, aber auch die Rohrweihe findet hier ihr Auskommen. In manchen Bereichen des Naturschutzgebietes gilt ein strenges Betretungsverbot. Die Wanderer sollten dies ernst nehmen, damit die scheuen Vögel nicht bei ihrem Brutgeschäft gestört werden.
Wir überqueren schließlich die Nidda und werfen noch einen Blick auf diesen Fluss, der in den letzten Jahrzehnten eine lebhafte Entwicklung hinter sich gebracht hat. In den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts schnurgerade gebändigt, versucht man jetzt durch verschiedene Wasserbauten dem Flüsschen wieder mehr Charakter zu geben, um gleichzeitig die Hochwasserproblematik zu entschärfen und seltenen Tieren und Pflanzen ein Refugium zu geben.
Wir biegen nach rechts auf den Radweg, der uns nach gut einem Kilometer wieder nach Ilbenstadt führt. Dort weisen uns die weithin sichtbaren Zwillingstürme des Wetterauer Doms den Weg zu unserem Parkplatz.
Vorher sollten wir allerdings noch einen Blick in diese Kirche werfen, die 1159 geweihte ehemalige Abteikirche Maria, St. Petrus und Paulus wurde im romanisch-basilikalen Stil gebaut. Um 1500 wurde die flache Holzdecke gotisiert. Im späten 17. Jahrhundert schuf Johann Wolfgang Frölicher Skulpturen und Altäre sowie die Kanzel für die Klosterkirche. Im Zuge der Barockausstattung wurde in den Jahren 1732 bis 1734 die Orgelempore aufgerichtet und die bis heute existierende Orgel durch Johann Onymus aus Mainz gebaut.
1803 wurde die Abteikirche im Zuge der Säkularisierung zur Pfarrkirche. Die 1929 durch Papst Pius XI. zur Basilica minor erhobene Kirche wurde in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts grundlegend renoviert. Ein Blick in den Klostergarten ist ebenfalls empfehlenswert.

Der Nonnenhof ist eine Staatsdomäne.

Von hier ab nur noch geradeaus bis zur Nidda. Im Hintergrund die Hänge des Taunus.

Die Basilika Maria, St. Petrus und Paulus ist allgemein als Wetterauer Dom bekannt.


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