Wenn der König der Wälder ruft – zur Hirschbrunft in den Rosbacher Wald

Weglänge: Knapp 13 Kilometer, 260 Höhenmeter, festes Schuhwerk, wasserfeste Kleidung und gegebenenfalls warme Getränke nicht vergessen
Reine Gehzeit: Gut drei Stunden, zuzüglich Pirschzeit
Anfahrt: Aus der Wetterau über die Bundesstraße 455, unter der Autobahn durch, an der ersten Kreuzung rechts und nach wenigen Metern rechts auf den Parkplatz mit dem Hinweisschild BW-Depot. Wer über die Autobahn A5 kommt, nimmt die Abfahrt Friedberg und dann in Richtung Köppern, Wehrheim, Neu-Anspach.
Startpunkt: Zufahrt zum Bundeswehrdepot Köppern
ÖPNV-Verbindungen:  keine

 

Die großen Tiere kehren nach Mitteleuropa zurück. Adler, Wölfe und Bären sind auf dem Vormarsch, großzügige Naturschutzgebiete machen es möglich. Solange aber Meister Petz sich auf Nordeuropa beschränkt und auch das Heulen der Wölfe einen extremen Seltenheitswert genießt, bleibt Cervus elaphus der König unserer Wälder.

Für uns Kinder der modernen Zivilisation ist es eine Herausforderung, sich auf die Pirsch zu machen. Anders als wir es aus den bewegten Bildern des Fernsehens kennen, stellt sich das Erfolgserlebnis nämlich nicht sofort ein, bisweilen braucht man eine ganze Menge Geduld. Zu hören ist der Rothirsch, der größte Hirsch seiner Art in Mitteleuropa, zwar schon sehr früh, um ihn zu sehen, braucht es allerdings noch ein wenig Glück.

Der Brunftschrei des Rothirsches hört sich mal an wie das heißere Muhen einer Kuh, dann wieder ein stoßweise tiefes Brummen aus tiefster Kehle, das Stärke und Präsenz unterstreichen soll. Begleitet wird das im stillen Wald nur durch den Gesang einzelner Vögel, die aber in der Lautstärke weit hinter den Rufen des Königs der Wälder hintanstehen.

Von unserem Platz aus (s. Karte Punkt 5), direkt auf dem Limes, schauen wir auf eine Äsungsfläche, eine Lichtung im Wald. Wir bleiben bei unserer Wanderung streng auf den Wegen, um die scheuen Tiere nicht zu verschrecken. An den Wildwechseln werden wir immer wieder einen süßlichen Brunftgeruch wahrnehmen, der davon zeugt, dass unlängst die mächtigen Tiere unseren Weg gequert haben.

Die Pirsch während der Brunft ist ein Abenteuer und nicht immer gehen Abenteuer so aus wie man sie sich vorstellt. Es kann auch sein, dass man unverrichteter Dinge wieder nach Hause geht und keinen Hirschen gesehen hat. Dann ist beim nächsten Mal der Anblick des mächtigen Tieres umso erhabener.

Hirsche gibt es im Taunus an mehreren Stellen, eine davon ist der Wald zwischen Rosbach/Rodheim und Wehrheim. Genügend Dickicht, gute Äsungsflächen und ein großes, wenig von Straßen durchschnittenes Waldgebiet sind Voraussetzungen, damit sich der König der Wälder wohl fühlt. Von Ende August bis Anfang Oktober belohnt er uns dann mit seinen kräftigen Brunftrufen.

Bis wir auf unsere eigentliche Pirsch gehen können, müssen wir zunächst einmal ein gutes Stück Straße bewältigen. Die Zufahrt zum Depot der Bundeswehr ist vier Kilometer lang und führt ständig leicht bergauf und ist leider nur für den Anliegerverkehr zum Depot gestattet. Bei diesem langen Anstieg freilich werden wir auch gut auf die Tour eingestimmt. Der Weg führt uns immer weiter weg von der Straße tief in den Wald hinein, bis wir nach rund 2 ½ Kilometern auf das Bundeswehrdepot stoßen (1). Rechts ist ein militärischer Sicherheitsbereich.

1 ½ Kilometer weiter geradeaus kommen wir dann an das Haupttor des Depots mit einem kleinen Parkplatz (2). Den Parkplatz lassen wir rechts liegen und passieren die meist offen stehende Schranke. Wir laufen jetzt nach links und folgen dem Wegweiser in Richtung Saalburg. Nach rund 700 Metern sehen wir auf der rechten Seite eine „Werkstatt“ für Hochsitze (3), der Wegweiser aber führt uns für 200 Meter nach links und dann abermals nach rechts (4). Hier verlief einst die Grenze zwischen Hessen-Nassau und Preußen.

Ein bisschen unheimlich ist es hier schon, erst recht, wenn wir in der Morgendämmerung unterwegs sind. Der Wald wirkt unaufgeräumt oder positiv ausgedrückt: Natur belassen. Allenthalben sieht man Spuren von Wildschweinen, die auf der Suche nach Essbarem waren. Der dichte Wald bietet einen hervorragenden Unterstand für Wildtiere. Um sie zu sehen freilich, benötigen wir Geduld und müssen ganz leise sein! Wer jetzt festes und wasserfestes Schuhwerk bei sich hat, kann froh sein, insbesondere dann, wenn es in den Tagen vorher feucht war.

Bald darauf sehen wir rechts eine Windwurffläche, die ebenfalls gut geeignet ist, um den König der Wälder zu beobachten. Wir suchen auf der linken Seite auf dem kleinen Damm einen schönen Platz (5)und müssen, verborgen durch das Geäst das tun, was am schwersten fällt, nämlich warten.

Den Rückweg nehmen wir jetzt entlang der Grenzsteine. Diese Grenzsteine folgen einer noch älteren Grenze, nämlich der zwischen dem Römischen Imperium und dem Freien Germanien. Statt dann aber nach links einzubiegen, laufen wir einfach immer geradeaus, leicht bergab, und stoßen schließlich auf die Zufahrtsstraße zum Bundeswehrdepot, wo wir rechts zum Ausgangspunkt laufen (6).

Bis zur eigentlichen Pirsch müssen wir die lange Anfahrt an der Zufahrtsstraße zum Bundeswehrdepot bewältigen.

Solche Lichtungen sind bestens geeignet, den König der Wälder zu beobachten.

Das Bundeswehrdepot ist militärischer Sicherheitsbereich.

Die Grenzsteine zwischen dem Königreich Preußen und Hessen-Nassau datieren aus dem Jahre 1798.

Äsender Hirsch.








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