Nordsee in der Wetterau

Weglänge: 10 Kilometer
Reine Gehzeit: zweieinhalb Stunden

Anfahrt: In Münzenberg in Richtung Ober-Hörgern, auf der Falkensteiner Straße abbiegen und dann auf die Straße „Am Viehtrieb“.
Parkplatz: Am Sportplatz, Am Viehtrieb
Startpunkt:Am Sportplatz

ÖPNV-Verbindungen: Busverbindungen nach Butzbach und Lich (Rmv Linie 200) und nach Wölfersheim Linie 210

Was haben Strand-Aster, Salzschwaden und Strand-Dreizack gemeinsam? Der erfahrene Nordseeküstenurlauber weiß es: Es sind typische Pflanzen der Meeresküste. Es gibt sie aber auch im Binnenland, hier sind sie jedoch überaus selten. In Hessen wachsen sie auf einer Fläche von gerade einmal 25 Hektar. Fast die Hälfte davon befindet sich im Wetteraukreis. Zum größten der unter Schutz stehenden Gebiete führt unsere heutige Wanderung.

Warum aber gedeihen die Pflanzen bei uns, fast 400 Kilometer vom Meer entfernt? Die Antwort hat etwas mit dem Mineralwasserreichtum der Wetterau zu tun. Die kostbaren Sauerbrunnen wurden bereits von den Römern geschätzt, mitunter treten sie auch ohne fremde Hilfe an die Erdoberfläche und verteilen ihre mineralische Fracht. Insbesondere die enthaltenen Salze sorgen für Wachstums- und Bodenbedingungen wie an der Meeresküste. Der Lebensraum ist dabei fragil und durch Einschwemmungen von Süßwasser gefährdet. Gerade deshalb sind die seltenen und somit wertvollen Flächen unter Schutz gestellt.

Das Naturschutzgebiet Salzwiesen bei Münzenberg hat eine Fläche von 66 Hektar. Die eigentlichen Salzwiesen nehmen davon rund sieben Hektar ein. Damit sind die Münzenberger Salzwiesen die größten in Hessen. Weitere Salzwiesenflächen gibt es bei Wisselsheim und bei Ortenberg/Selters. Schon die Kelten haben aus der Sole Salz gewonnen. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die aufwändige Gewinnung über Gradierbauten eingestellt, zu therapeutischen Zwecken dienen die Gradierbauten noch heute.

Wenn wir mit dem ÖPNV anreisen, dann beginnen wir unsere Wanderung an der Bushaltestelle in der Falkensteiner Straße. Ansonsten parken wir unser Auto am Sportplatz. Wir nehmen die Straße stadtauswärts, links an der Kreuzung sehen wir hölzerne Pyramiden, die zum „Geologischen Garten Münzenberg“ gehören. Eine Besichtigung lohnt immer! Weitere Informationen unter www.geologischer-garten-muenzenberg.de.

Wir gehen an der Kreuzung aber nach rechts und können schon auf eine der ersten Naturschönheiten blicken (1). Links haben wir einen Magerrasen mit einer Vielzahl von kleinen Hügeln. Es handelt sich um alte Ameisenhügel oder auch Maulwurfshügel, die ihr eigenes Mikroklima entwickelt haben. Auf der Nordseite der kleinen Hügel befindet sich Moos, auf der Südseite finden wir Pflanzen, die Biologen als „Hungerleider“ bezeichnen. Pflanzen also, die mit wenigen Nährstoffen auskommen, wie etwa der kleine Wiesenknopf, das kleine Habichtskraut oder das Hungerblümchen.

Hinter dem Graben beginnen dann die Salzwiesen(2). Wir sehen auf den ersten Blick, wie wichtig eine geordnete Bewirtschaftung ist. Die Salzwiese links ist gepflegt und in einem guten Zustand und damit Heimstatt für viele seltene Pflanzen. Ohne Nutzung würde sich die wertvolle Vegetation zu einem Schilfröhricht entwickeln, wie es auf der rechten Seite zu sehen ist.

An dieser Stelle muss dringend darauf hingewiesen werden, dass es innerhalb des Naturschutzgebietes nicht erlaubt ist, den befestigten Weg zu verlassen - was übrigens auch für mitgeführte Hunde gilt. Auch ist es angebracht, sich möglichst ruhig zu verhalten, um Wildtiere, speziell brütende Vögel, nicht zu stören.

Der Feldweg knickt nach links ab und wir gehen jetzt parallel zur Wetter(3), dem in seinem Verlauf wohl am wenigsten vom Menschen beeinflussten Fluss in der Wetterau. Nach einigen 100 Metern stoßen wir auf einen Betonweg, wo wir nach links abbiegen. Nach 300 Metern geht es rechts, abermals parallel zur Wetter. Rechts sehen wir den Münzenberger Stadtteil Ober-Hörgern, halbrechts vor uns sehen wir den Stadtteil Gambach.

Nach der Küste folgt die Steppe…

Wo der Teerweg einen Rechtsknick macht, biegen wir nach links auf einen Wiesenweg (4). Wir umgehen die Äcker in einer weiteren Rechts- Links-Kombination, vorbei an einem kleinen Schilfgebiet steigen wir geradezu auf in das nächste Naturschutzgebiet, die „Metz von Münzenberg“. Haben wir eben noch Pflanzen der Nordsee sehen können, so kommen wir an der von einer knorrigen Kiefer gekrönten Kuppe (5) an einen malerischen Punkt, wo Wacholder und Golddistel wachsen:  typische Pflanzen der Steppe.

Auch wenn dieser Ort geradezu zur Rast einlädt – innerhalb des durch die Beschilderung gut erkennbaren Naturschutzgebietes darf auch hier nicht vom Weg abgewichen werden.

Die Flächen werden regelmäßig von Schafen beweidet und kurz gehalten. Magerrasenflächen brauchen die regelmäßige Pflege durch Schafe. Die meisten Blumen der Magerrasengesellschaften sind eher unscheinbar und selten spektakulär. Das Besondere ist eben ihre Seltenheit. Damit diese Flächen so erhalten bleiben, erfolgt Nutzung und Pflege nach einem ausgearbeiteten Plan, für den an dieser Stelle Hessen-Forst zuständig ist.

Am Ende des Naturschutzgebietes (Schild) gehen wir links, entlang des Ackers, und nach rund 100 Metern abermals links, jetzt entlang der Hangkante, wobei wir die Burg wieder in das Blickfeld nehmen. Wir stoßen schließlich auf eine Hecke, die das Ende des Naturschutzgebietes signalisiert (6). Hier gehen wir rechts in Richtung der Straße, die Münzenberg mit Rockenberg verbindet. Auf dem Weg stoßen wir auf einen imposanten Felsen, der mit dem blauen Andreaskreuz als Zeichen für den Europäischen Fernwanderweg vom Atlantik bis zum Böhmerwald gekennzeichnet ist.

Diesem Weg folgen wir jetzt und überqueren die Straße. Hinter der von Felsbrocken umgebenen Streuobstwiese gehen wir links, vorbei am Galgen und entlang einer prächtigen Nussbaumallee in Richtung Burg (7). Vor dem „Hattsteiner Hof“ gehen wir eine Rechts-Links-Kombination und können jetzt von Süden die stattliche Stauferburg bewundern, die im Volksmund „Wetterauer Tintenfass“ heißt (8).

Auf dem Weg können wir noch zwei interessante steinerne Tische, so genannte „Korbruhen“, bewundern. Sie dienten einst den Marktfrauen als Ruhepunkt. Sie konnten hier ihre schwere Kiepe absetzen, ohne sie ganz abzulegen.

Wir stoßen nun auf die Landesstraße in Richtung Wölfersheim/Wohnbach, der wir nach links für rund 100 Meter folgen (9). Danach geht es wieder rechts auf den Radweg in Richtung Muschenheim.

…und die Heide!

Nach rund gut 100 Metern führt unser Weg nach links. Wir machen aber einen kleinen Abstecher und gehen geradeaus. Hinter der Hecke verbirgt sich ein ganz besonderes Naturschutzgebiet, der „Traiser Steinberg“ (10). Vor wenigen Jahren war er noch bewaldet, die malerischen Felsen waren kaum noch zu sehen, und die wertvollen Heideflächen drohten verloren zu gehen. Durch eine gemeinsame Aktion von Naturschutzgruppen und Naturschutzverwaltung ist es gelungen, die Fläche frei zu räumen und eine der ganz wenigen Heidelandschaften in der Wetterau zu erhalten.

Die Fläche wurde mittlerweile vom Naturschutzfonds Wetterau gepachtet. Die Pflege erfolgt über ein Projekt der Europäischen Union, bei dem mit Unterstützung von Schäfern solche wertvollen Naturschutzgebiete regelmäßig beweidet und damit gepflegt werden. Ohne die Schafbeweidung würde die Heide absterben und die Fläche vergrasen.

Wir gehen zurück zu der Abzweigung und laufen auf den Wald zu. Am Waldrand gehen wir für 200 Meter nach links und dann nach rechts weiter am Waldrand direkt auf das nächste Naturschutzgebiet zu, den „Münzenberger Steinberg“ (11). Der ist nicht ganz so spektakulär wie der „Traiser Steinberg“ mit der Heidefläche ist, aber ebenfalls als Magerrasenfläche unter Schutz steht.

Wenn wir mit Kindern unterwegs sind, beginnt spätestens hier ein schönes Versteckspiel. Genügend Möglichkeiten, sich zu verbergen, finden wir hier zuhauf. Auf einem Trampelpfad überqueren wir die Naturschutzfläche und kommen in das Stadtgebiet Münzenberg. Vorbei am Kindergarten stoßen wir auf die Falkensteiner Straße, gehen nach rechts und sind nach rund 100 Metern an der Bushaltestelle und der Abzweigung zum Sportplatz, wo unser Auto steht.

Bildunterschriften:

Links die Salzwiese, rechts die ungepflegte Fläche, die verschilft ist.

 

Die Münzenburg mit dem „Hattsteiner Hof“ im Vordergrund.

 

Der „Traiser Steinberg“, eine der letzten Heidelandschaften in der Wetterau.

 

Dr. Burkhard Olberts, Geschäftsführer des Naturschutzfonds Wetterau, setzt sich für den Erhalt des wertvollen Naturschutzgebietes „Traiser Steinberg“ ein.







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