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14.11.2006 (aus dem Kreisanzeiger): Nicht nur das "Stöffche" begeisterte Gäste
Hessische Apfelwein- und Obstwiesenroute feierte Zehnjähriges - Im Niddaer Lokschuppen gab es allerlei Köstlichkeiten
Andreas MatléNIDDA. "Der sprudelt, der hat noch Dampf." Das Urteil aus dem Munde von Landrat Rolf Gnadl nach dem ersten Schluck klang kurz, unmissverständlich und fachmännisch. "Genau das ist natürlich immer wieder der besondere Kick bei dieser Sache, wenn die Menschen kommen und sagen: da habt ihr aber einen guten Schoppen hinbekommen", vertraute Hobby-Kelterer Klaus Weidmann (Friedberg) nach dieser Verkostung im Kulturbahnhof "Lokschuppen" in Nidda den Umstehenden an.
Das "Stöffche", das er und sein Kumpel Manfred Förster ("ein astreiner Apfelwein, von dem wir genau wissen, das nur gute Früchte drin sind") herstellen, floss nach bestandener Prüfung durch den Landrat in einen Bembel. Den wiederum überreichte er später Dr. Johannes Fertig, der als erster und bislang einziger Vorsitzender der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute Wetterau just an dem Tag, an welchem der Verein vor zehn Jahren gegründet wurde, Geburtstag feiern durfte.
"Der richtige Tag, der richtige Ort", urteilte später Bürgermeisterin Lucia Puttrich, natürlich auf das Datum, aber ebenso auf die kultige Atmosphäre der Veranstaltungsstätte wie auf Nidda selbst verweisend, zählte die Stadt doch vor einem Jahrzehnt zu den Gründungsmitgliedern. "Damals", verwies sie in ihrer Begrüßung, "hatten nicht viele die Fantasie, zu erahnen, was aus diesem Verein einmal werden würde. Viele dachten, das bliebe bloß eine Nische." Der Verein sei auch deshalb so erfolgreich, weil es eine Verknüpfung von jenen gegeben habe, die sich mit dem Thema beschäftigten. Naturschutz, Wirtschaft und Fremdenverkehr mussten zusammengeführt werden.
Auf die Erfolgsgeschichte der Wetterauer Apfelwein- und Obstwiesenroute ging Johannes Fertig ein, der an diesem Tag natürlich viel Lob für seine Arbeit einheimste.
So richtig zum Wohlfühlen dieser Jubiläumstag, welcher den 4. Wetterauer Obstbrandtag integrierte. Schlemmen am Stand der "Henkelsmühle" aus Hirzenhain, die etwa Kartoffelsüppchen, Wildgulasch mit Klößen und Krustenbraten auftischte. Infos einholen am Stand der NABU-Umweltwerkstatt oder jenem der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, an welchem ein Waldschrat zu Rate- und Wurfspielen einlud. Verkosten der geistigen Köstlichkeiten, die einige Aussteller anboten.
Besagten Apfelwein, aber auch biologischen Wein hielten Klaus Weidmann und Manfred Förster vor. "Ist doch ein beruhigendes Gefühl, wenn man weiß, was da drin ist", verwies ein weiteres Mal Weidmann, der mit seinem Freund in diesem Jahr 3 000 Liter gekeltert hat. Nebenan, bei Sigrid und Wolfgang Roth vom "Hof Steinmühle" in Bad Nauheim stutzte Echzells Bürgermeister Dieter Müller über ein ihm angebotenes Häppchen: Promille im Canapé. "Wir haben Blauschimmelkäse mit unserem Apfelweinbrand aus dem Holzfass gemischt", erläuterte Sigrid Roth die Spezialität. "Aber keine Angst", winkte ihr Mann sogleich ab. "Um davon betrunken zu werden, müsste man einige Zentner essen." Ebenso verführerisch lockten da unter den Glashauben bei den Roths Forelle mit Apfelmostbrand, Walnussbutter aus der eigenen Produktion und die Schinken-Feigenröllchen.
Ebenfalls zwei Gründungsmitglieder der Route: Karin und Reiner Emmerich aus Friedberg, die ihr Unternehmen "Wetterauer Edelobstbrand" inzwischen hauptberuflich betreiben. "Der Verein hat sich prima entwickelt", urteilte Karin. "Das ist wahnsinnig wichtig, dass die Obststreuwiesen erhalten werden. Die gehören schließlich zu unserer Kulturlandschaft", ergänzte Reiner Emmerich.
Eigens für das Jubiläum hatten sie einen Geburtstags-Cocktail gemixt: Prosecco mit Quittensaft. Trinkt man in der Wetterau wirklich so viel Brände? "Nicht viel, aber gerne. Und vor allem genießt man", brachte es Karin Emmerich auf den Punkt. Und selbst nach dem Genuss einiger seiner Delikatessen würde Reiner Emmerich wohl zu jener Frage, die er häufiger zu hören bekommt, konsequent schweigen, wasnämlich das Erfolgsgeheimnis eines guten Brandes ausmacht. "Das verrät keiner der Brenner", lächelte er und nippte lieber noch einmal an dem spritzigen Jubiläumstrunk.
02.11.2006 (aus dem Kreisanzeiger):
Das Beste, was aus einem heimischen Apfel werden kann
Wetterauer Apfelwein- und Obstwiesenroute feiert zehnjähriges Bestehen - Obstbrandtag
Andreas MatléFRIEDBERG/NIDDA. "Keine Veranstaltung zum Betrinken", stellte Vorsitzender Dr. Johannes Fertig sogleich klar. "Aber ein bisschen lustig darf es schon sein", schob vorsichtig der Hirzenhainer Gastronom Dieter Kränsel ("Henkelsmühle") hinterher. Ja, lustig soll es am Sonntag, 12. November, im Kulturbahnhof Lokschuppen in Nidda schon zugehen. Immerhin feiert die Hessische Apfelwein- und Obstwiesenroute im Wetteraukreis an diesem Tag ihr zehnjähriges Bestehen.
Also - so die Lesart von Johannes Fertig - nicht betrinken, sondern genießen. Was besonders den Obstbrand betrifft. Diesem zu Ehren richtet der Verein anlässlich dieses Jubiläums den 4. Wetterauer Obstbrandtag aus. Jeder, der in der hiesigen Region einen Schnaps gebrannt hat und endlich einmal um dessen von drei Juroren ermittelte Qualität wissen möchte, kann am 12. November in der Kulturhalle zwischen elf und zwölf Uhr eine mit seinem Namen, Art des Brandes und Alkoholgehalt versehene Probe (mindestens 0,3 Liter) abgeben. Nachmittags weiß er dann, ob er zu den drei prämierten Brennern in den Kategorien Stein, Obst und Sonstige zählt.
Potenzial gibt es offenbar genug. "Mehr und mehr Menschen brennen Schnaps in der Wetterau", berichtete gestern Vormittag Uli Schwabe im Rahmen der Programmvorstellung im Friedberger Kreishaus. Eine Emsigkeit auf diesem hoch geistigen Gebiet, die er unmittelbar auf die Aktivitäten der Wetterauer Apfelwein- und Obstwiesenroute zurückführt. Selbst er - derzeit stellvertretender Vorsitzender des Vereins - ist durch dieses Netzwerk erst so richtig auf den Apfel gekommen. Seit vier Jahren öffnet er während der Saison in Ober-Mörlen eine Straußenwirtschaft, seit einem Jahr betreibt er dort hauptberuflich eine Kelterei. "Manchmal werden wir fast überrannt mit Leuten, die ihre Äpfel bei uns abgeben, um dann ihren eigenen Wein oder Saft abzuholen."
Ein Erfolg ganz im Sinne von Routen-"Gründungsvater" Johannes Fertig. "In erster Linie ging es uns um den Erhalt und die Pflege der heimischen Apfel- und Obstwiesen." Dazu ist aber in der Regel ein wirtschaftlicher Nutzen Voraussetzung, welcher zum Erhalt reizt, sagte gestern Frank-Uwe Pfuhl von der Umweltwerkstatt Wetterau mit Sitz in Niddatal-Assenheim. Immerhin sei die Wetterau mit rund 220 000 hochstämmig gewachsenen Obstbäumen in Hessen in dieser Beziehung fruchtige Spitze. "Pro Wiese", verwies er auf den Wert derartiger Flora, "kann man bis zu 2 000 verschiedene Tierarten nachweisen."
Was der Verein, dem Produzenten, Gastronomen, Naturschützer, Obst- und Gartenbauer sowie Kommunen angehören, in dem zurückliegenden Jahrzehnt erreicht hat? Sicherlich sein Anliegen werbewirksam zu vermarkten, das ist unstrittig. Dazu gehören verschiedene Veranstaltungen, aber auch die Radroute mit derzeit acht Schleifen. Begonnen hat alles mit 19 Mitgliedern, inzwischen ist die Zahl angewachsen auf 150.
Durch das Programm führt der Parodist und Entertainer Harry Delor. Die Salonkapelle "Bravo" eröffnet den Tag um elf Uhr mit den ersten Takten, später nimmt das "Duo TiTo" (Tine Lott und Thomas Richter) den musikalischen Faden auf. Verschiedene Mitglieder präsentieren sich. So etwa die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, die Umweltwerkstatt, das Niddaer Heimatmuseum, das Kunstgussmuseum Hirzenhain, das Friedberger Brauhaus und natürlich die "Henkelsmühle". Was auf der Speisekarte steht? "Etwas Leckeres", schmunzelt Dieter Kränsel vielsagend, lässt sich dann aber doch einige Schmankerl entlocken. "Kartoffelsuppe, Kartoffelklöße, Wildgulasch." Darauf - das dürfte jetzt schon gewiss sein - ist ein Wetterauer Brand der krönende Abschluss. . .
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