Ausgangspunkt: Hirzenhain - Parkplatz Naturschwimmbad.
Anfahrt: über Ortenberg, Weglänge: 12 Kilometer,
Gehzeit: drei Stunden, Einkehrmöglichkeit: in Hirzenhain und Lißberg.
Überwiegend geschotterte Wege mit zahlreichen Auf- und Abstiegen.
Wer nicht mit dem öffentlichen Personen-Nahverkehr nach Hirzenhain kommt, parkt das Auto direkt am Naturerlebnisbad, das im Sommer 2008 eröffnet wurde. Wenn die Witterung es zulässt, sollte sich ein Besuch des Bades der Wanderung unbedingt anschließen.

Wir können ja schon mal einen ersten Blick auf das Schwimmbad werfen und gehen weiter Richtung Sportplatz. Dort, wo der Wald beginnt, halten wir uns rechts und gehen gut einen Kilometer geradeaus bis zur Schwedeneiche - einem imposanten jahrhundertealten Baum. Wir sehen von hier die Kreisstraße 216, die Hirzenhain mit Usenborn verbindet, gehen aber vorher rechts auf dem geschotterten Wanderweg weiter, auf dem wir die nächsten zwei Kilometer in einer langgezogenen Rechtskurve bleiben. Wir kommen hier zu den höchsten Punkten unserer Wanderung, lassen den Schönberg (341 Meter), rechts, und den Scharberg (343 Meter), links liegen. Nach gut 20 Minuten erreichen wir den Oberförster Kneipp-Platz und folgen hier dem Weg nach links. Nach weiteren 500 Metern kommen wir an eine Wegekreuzung, wo wir uns nach rechts auf den geschotterten Waldweg wenden.
Jetzt geht es erst einmal leicht bergab, wir ignorieren die Abzweigungen nach links und folgen unserem Weg durch mehrere Kurven. Nach etwa 20 Minuten präsentiert sich der Ortenberger Stadtteil Lißberg in seiner ganzen Pracht. Wahrzeichen des vor bald 800 Jahren erstmals erwähnten Ortes ist der Bergfried. Wir gehen unseren Weg weiter. Bevor wir den Vulkanradweg überqueren haben wir rechts noch die Möglichkeit, die gesundheitlichen Vorzüge der Anwendungen nach Pfarrer Sebastian Kneipp zu nutzen. In ehrenamtlicher Arbeit wurde diese Anlage vor einigen Jahren errichtet.
Der Vulkanradweg gehört sicherlich zu den touristischen Leuchttürmen in der Wetterau. Für Genusswanderer, erst recht wenn sie mit Kindern unterwegs sind, ist dieser Weg allerdings zu meiden, man wäre ohnehin den sportlich daherkommenden Radlern nur im Wege. Wir überqueren den Radweg und kommen an eine wenig befahrene Hauptstraße entlang der Nidder, wo wir uns links halten. An einer Spitzkehre gehen wir rechts die Mühlgasse hoch in den alten Ortskern, wo wir unbedingt über die Schlossstrasse einen Abstecher in das Musikinstrumenten-Museum machen sollten. Das frühere einklassige Schulhaus beherbergt die größte Drehleiersammlung der Welt. Sackpfeifen aus Deutschland, Polen und Sizilien sind zu sehen, es gibt Blasinstrumente aus aller Welt und unsere jungen Mitwanderer können Instrumente an einem Musiziertisch ausprobieren. Das Museum ist nicht regelmäßig geöffnet, eine Besichtigung ist aber nach telefonischer Anmeldung, (Telefon: 06042/953746 oder 06046/432) möglich. Der Eintrittspreis beträgt 2,50 Euro, Kinder von 6 bis 14 Jahren 50 Cent.
Von der Burg aus sollte man noch einen Blick in die Umgebung werfen. Bei gutem Wetter kann man sogar die Skyline der Frankfurter Bankenhochhäuser sehen. Direkt unter uns brummt das einzige Wasserkraftwerk in der Wetterau, das seit mehr als 80 Jahren zuverlässig und umweltfreundlich Strom liefert.
Wir gehen die Schlossstraße wieder zurück, überqueren die Bundesstraße 275 und kommen in die Obergasse, wo wir erstmals das Wegeschild sehen, das uns bis zum Ende unserer Wanderung begleiten wird. Wir treffen hier auf die Bonifatiusroute. Die Bonifatiusroute wurde am 1250sten Jahrestag des Todes des Apostels der Deutschen als Pilgerweg ausgewiesen. Die vor fünf Jahren eingerichtet Route gehört mittlerweile zu öden beliebtesten Pilgerrouten Deutschlands und zieht Wanderfreunde aus ganz Deutschland und dem Ausland an. Das rot-weiß-karierte Quadrat mit dem Bischofsstab und dem Kreuz wird uns von nun an den Weg weisen.
Wir gehen die Obergasse bis zum Dorfende, lassen den Friedhof rechts liegen und beachten den Wegweiser an dem scharfen Rechtsknick des Asphaltweges. Hier treten wir in den Wald ein und laufen den immer schmaler werdenden Weg, der schließlich zum Pfad wird, teilweise durch hohes Gras. Sommerwanderer tun gut daran, für ausreichend Mückenschutz zu sorgen. Wer mit der Bonifatiusroute einen breit ausgebauten Pilgerweg verbindet, der lässt sich hier eines besseren belehren. Kein Massentourismus, sondern beschauliches Wandern, das genügend Muße zur Einkehr lässt.
Wir folgen dem Zeichen mit dem Bischofsstab weiter und hören bald auch wieder die parallel verlaufende Bundesstraße. Nach einer Spitzkehre erreichen wir diese und gehen jetzt auf dem Bürgersteig wenige Meter nach Hirzenhain. An der Nidderbrücke wenden wir uns rechts und gleich wieder rechts und kommen nach gut zehn Minuten zu unserem Ausgangspunkt.
Unbedingt sehenswert ist auch das Kunstgussmuseum in Hirzenhain, in dem Schmuckstücke und Medaillons, Plastiken, Reliefs und Skulpturen aus Gusseisen gezeigt werden.
Öffnungszeiten: sonntags 11:00 bis 12:00 Uhr und 13:00 bis 15:30 Uhr.
Bonifatius wurde zwischen 672 und 675 in der englischen Grafschaft Wessex geboren. Seine Erziehung erfuhr er im Benediktinerkloster Exeter und später im Kloster Nursling. Im Alter von 40 Jahre verließ er seine Heimat, um auf dem Festland zu missionieren. In Rom erhielt er von Papst Gregor den Auftrag zur Heidenmission und erhielt den Namen des römischen Kalenderheiligen des vorangegangenen Tages, des Märtyrers Bonifatius von Tarsus. Bonifatius wandte sich nach Hessen und Thüringen, die damals unter fränkischer Herrschaft standen. Bonifatius war nicht nur ein großartiger Redner sondern auch ein Mann der Tat. So fällte er bei Geismar eigenhändig eine dem germanischen Gott Donar geweihte Eiche und baute aus ihrem Holz eine kleine Kirche, den ältesten Vorgängerbau des heutigen Petersdoms von Fritzlar. 732 wurde Bonifatius Erzbischof und mit organisatorischen Aufgaben beim Aufbau der bayrischen und mitteldeutschen Kirche betraut. Der asketische Benediktiner Bonifatius geriet alsbald in Konflikt mit dem Klerus, der das sinnenfrohe und freizügige Leben bevorzugte. Zermürbt von diesen Konflikten entschloss sich Bonifatius im Alter von 80 Jahren noch einmal zu einer Missionsreise nach Norddeutschland aufzubrechen. Am 5. Juni 754 wurde er dort von Friesen erschlagen. Ein Schiff brachte den Toten in 30 Tagen rheinaufwärts nach Mainz, von dort aus überführte eine große Prozession den Leichnam nach Fulda, wo er seine letzte Ruhestätte fand und wo sich heute der barocke Dom befindet.
Eine exakte Rekonstruktion der Strecke ist trotz intensiver lokaler Forschung nicht möglich, es wird aber vermutet, dass die Prozession über intakte alte römische Straßen und seit vorgeschichtlicher Zeit begangene Pfade führte. Die 180 Kilometer lange Route zwischen Mainz und Fulda verläuft daher in einem Korridor, der antike Verkehrswege berücksichtigt und dem historischen Weg zumindest nahe kommt.

Auf zur Burg Lißberg

Blick auf Lißberg

Die Bonifatiusroute

Kunstgussmuseum Hirzenhain

Naturerlebnisbad Hirzenhain

sicherer Wegweiser

Weg von Hirzenhain nach Lißberg
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