Unser Ausflug beginnt heute am Ortsrand von Niddatal-Kaichen. Direkt an der Bundesstraße 45 in Richtung Heldenbergen befindet sich der Steinerne Tisch, eine alte Gerichtsstätte. Kaichen gehörte früher zu keiner Herrschaft, deswegen nannte man es Freigericht. Hier wurde die Gerichtsbarkeit noch im Namen des Königs ausgeübt. Das „Freie Gericht“ das meist an Pfingsten tagte, war ein Blutgericht, das heißt, es befasste sich mit Verbrechen, auf die die Todesstrafe stand. Noch im Jahre 1805 war diese Stätte in ihrem alten Zustand erhalten. Aber bereits im 15. Jahrhundert hatte Kaiser Friedrich III. die Hoheitsrechte über das Freie Gericht auf die Reichsburg Friedberg übertragen.
Wegezeit: gut zwei Stunden, neun Kilometer, nur teilweise befestigte Wege.
Einkehrmöglichkeiten in Kaichen.
Parken: 200 Meter hinter dem Ortsausgang rechts in Richtung Heldenbergen.

Wir starten direkt am Steinernen Tisch, das Auto können wir am Wegesrand stehen lassen. Vorher sollten wir aber noch einen Blick auf die prächtigen Bäume werfen. Die Gerichtslinde ist vor einigen Jahren leider umgestürzt, sie wurde durch einen neuen Baum ersetzt. Mächtigster Baum ist jetzt eine Marone, deren Umfang rund sechs Meter beträgt.
Wir überqueren die Bundesstraße 45 und gehen den asphaltierten Feldweg, der uns nach einer Links- und Rechtskurve ins Tal unter der Eisenbahnbrücke zur Hainmühle führt. Wir überschreiten hier den Krebsbach und gehen kurz darauf nach links auf dem unbefestigten Pfad. Im Frühling und im Sommer zwitschern die Vögel, das Bächlein gurgelt und es ist wunderbar leise, nur ab und zu hört man die Dieseltriebwagen der parallel verlaufenden Bahnstrecke Hanau – Friedberg. Das Bächlein eignet sich hervorragend für junge Naturforscher, die das nasse Element genauer untersuchen möchten. Der Krebsbach stellt hier die Grenze zwischen dem Wetteraukreis und dem Main-Kinzig-Kreis dar. Wir laufen jetzt auf dessen Gebiet in Richtung Erbstadt. Vorher passieren wir den Teich des dortigen Angelsportvereins, wo es sich trefflich rasten lässt.
Schloss Naumburg: vom Benediktinerkloster zum Jagdschloss
Wir gehen weiter bis zum Ortseingang Erbstadt und folgen dann in einer Spitzkehre nach rechts dem Hinweisschild „Schloss Naumburg“. Eine breite kurvenreiche Straße führt uns hinauf zum Schloss. Das Schloss ist aus einem ehemaligen Benediktinerkloster entstanden. Im 16. Jahrhundert folgte der Niedergang des Ordenslebens, die Mönche trieben nichts anderes denn „fressen, saufen, spielen und huren“, klagte ein Zeitgenosse. Nach dem Tod des letzten Abtes erwarb Graf Philipp der Dritte von Hanau Münzenberg die Patronatsrechte gegen die von der Burg Friedberg erhobenen Ansprüche. Infolge der bestehenden Spannungen kam es 1564 bis 1569 zur Naumburger Fehde, die in den Annalen auch als „Heukrieg“ Erwähnung findet. Die Hanauer behielten die Oberhand, verpfändeten die Gebäude aber bis sie im 18. Jahrhundert an Hessen Kassel fielen. Anstelle der Klosterkirche entstand hier von 1750 bis 1754 ein Jagdschloss. Das herrliche Eingangsportal kündet noch heute von diesem Datum. Im 19. Jahrhundert fiel Schloss Naumburg an Preußen, und in der Folge wurde es von der Gemeinde Erbstadt erworben. Danach wechselten die Eigentümer und die Nutzung des Schlosses mehrmals, jetzt ist es in Privatbesitz und zurzeit in einem bedauerlichen Zustand und auch nicht zu besichtigen.
Rückweg über die Hainmühle
Von hier aus können wir leider nicht weitergehen sondern müssen ein Stück des Wegs zurück. Nach etwa 200 Meter gehen wir links auf einem schmalen Pfad hinunter zur Hainmühle. Zwischendurch können wir noch die Reste eines alten Sandsteinbruchs bewundern, dessen Steine wohl zum Bau des Schlosses und der stattlichen Schlossmauer gedient haben. Vorbei an der Hainmühle halten wir uns hinter der Eisenbahnlinie rechts und gehen hinter dem Teich des Angelsportvereins Kaichen links in Richtung Dorf. Den Sportplatz lassen wir dann rechts liegen und gehen die Straße „An der Lögesmühle“ und die „Naumburger Straße“, überqueren die Bundesstraße und kommen in die „Brunnenstraße“. Hier sind die vier aneinander gereihten Viehtränken von Interesse, früher gab es solche Tränken in jedem Dorf, heute sind die meisten verschwunden. Über die „Obergasse“ und die „Steinerne Pforte“ kommen wir zur „Dresdener Straße“. Wir halten uns links und sind nach wenigen Augenblicken wieder am Parkplatz.
Stichwort:Krebsbachtal
Das Naturschutzgebiet „Krebsbachtal bei Kaichen“ zeichnet sich durch seine landwirtschaftliche Vielfalt auf engstem Raum aus. Damit verbunden ist eine hohe Vielfalt an Tieren und Pflanzen. Magerrasen, ausgedehnte Heckenzüge, Wiesen, Tümpel, ein sonnengewärmter Bahndamm, Bach und Wald sind ideale Lebensräume für die verschiedensten Pflanzen und Tiere

Bildunterschriften: eine mächtige Marone beherrscht den Gerichtsplatz „Steinerner Tisch“ bei Kaichen

Schade, dass das Schloss Naumburg nicht zu besichtigen ist. Das Eingangportal ist viel versprechend

Detail des Eingangsportals

Die ev Kirche in Kaichen aus dem frühen 18. Jahrhundert mit barockem Turm
Der Schatz unter dem Kirchthurme
Unter dem Thurm einer alten Kirche in der Niddagegend (Wetterau) lag ein Schatz und der konnte nur zu einer gewissen Zeit im Jahre um Mitternacht gehoben werden. Nun war ein Mann, der wollte ihn heben, ging in der Vormitternacht hin mit Bickel und Spate und brach auf und grub aus. Schon war er bis auf den Schatz gekommen und sah die Goldstücke blinken, aber das war’s ihm auf einmal, als müszte er über sich sehen und wie er über sich sah, das liesz sich die grosze Glocke vom Thurm herunter und tiefer und immer tiefe, wie wenn sie sich über ihn stürzen wollte, dasz er unter ihr eingesperrt sitzen müszte und sie war ihm schier nah an dem Kopfe. Da war es dem Manne so Angst, dasz er einen Schrei that, alles liegen liesz und fortlief. Wäre er geblieben und hätte ohne Aengsten vor der Glocke den Schatz ganz still herausgeholt, so hätte er ihn gehabt, denn die Glocke hätte sich gar nicht über ihn stürzen können. So aber war der Schatz wieder fortgerückt, tiefer in die Erde und die Glocke wieder hinauf auf den Thurm an ihren alten Platz.
Aus. Hessische Sagen, Hrsg. Von J.W. Wolf, Göttingen/Leipzig 1853; Reprint 1972
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