Zu den Hydrobienkalken des Miozän

Wegelänge: 16,6 Kilometer, unterschiedliche Wegebeschaffenheit, 250 Höhenmeter
Wanderzeit mit Pausen:
sechs Stunden
Startpunkt:
Am Parkplatz gegenüber dem Friedhof Klein-Karben, Zufahrt über die Rendeler Straße, dann in die Büdesheimer Straße

Unsere heutige Wanderung führt uns in die Vergangenheit. Genauer gesagt, führt sie uns in eine Zeit lange bevor es Menschen gab, als der Wetterausee vom Vogelsberg bis zum Schwarzwald reichte und seine Wellen sanft an den Hängen des Taunus plätscherten.

Die Wetterau ist „wanderbar“. Sie bietet viele Attraktionen für Freunde von Fauna und Flora, für Freunde mittelalterlicher Städte und historisch Interessierte mit den Schwerpunkten Kelten, Römer, Mittelalter. Aber auch erdgeschichtlich hat die Wetterau einiges zu bieten. Wegen ihrer Vielfalt der Gesteine und Strukturen, Mineralien und Fossilien wird sie gerne von Geowissenschaftlern besucht. Zu den herausragenden geologischen Attraktionen in der Wetterau zählen der Blättersandstein von Münzenberg, die Rockenberger Schichten, der Wilde Stein bei Büdingen und verschiedene Steinbrüche bei Ortenberg. Unsere heutige Wanderung lässt uns aber gleich mehrere geologische Besonderheiten erfahren, und das auch noch auf Schusters Rappen.

Von unserem Parkplatz aus halten wir uns südlich in Richtung Rendel. Entlang einer Streuobstwiese gehen wir den asphaltierten Weg, der nach rechts in einen Feldweg führt und am Ortsrand schließlich auf die Landesstraße, die Rendel mit Klein-Karben verbindet.

Wir gehen nach links in Richtung Rendel und kommen nach wenigen Metern auf dem Rad- und Fußweg an ein Hinweisschild, das uns auf die geologische Besonderheit dieses Platzes hinweist. Unter einer dünnen Bodendecke liegen hier Cerithien-Schichten, deren Fossilienreichtum die ehemaligen Sandgruben und Kalkbrüche berühmt gemacht hat. Cerithien, das sind versteinerte lange, spitze Schnecken, die hier vor rund 25 Millionen Jahren lebten.

Karibik in der Wetterau

Zu dieser Zeit kam es zeitweise zu einer Meeresverbindung, die dann wieder abgeschnitten wurde, so dass ein Salzsee entstand. Dabei herrschte tropisches Klima: Karibik am Wetterausee. Nach Aussüßen und Verlanden des Sees und durch die späteren Eiszeiten entstand die heutige Landoberfläche.

Wir wandern noch ein kleines Stück weiter Richtung Rendel und nehmen dann den ersten Weg hangaufwärts. Dort wenden wir uns nach links und 100 Meter weiter nach rechts zwischen zwei Koppeln hindurch. Die nächsten zwei Kilometer gehen wir mehr oder weniger geradeaus. In der Mitte der Strecke stoßen wir auf einen Weg, den wir kurz rechts und gleich wieder links gehen.

Wir folgen unserem asphaltierten Weg, bis wir auf einen weiteren Weg stoßen, auf dem wir uns links halten in Richtung Wald. Wenn wir den Waldrand erreichen, sind wir auf der Bonifatiusroute, die Strecke, auf der die sterblichen Überreste des Märtyrers zu seiner letzten Ruhestätte, dem Fuldaer Dom, überführt wurden.

Wir folgen der Bonifatiusroute, machen aber im Wald noch einen kleinen Abstecher, der sich wirklich lohnt. Wo die Bonifatiusroute nach links abknickt, gehen wir scharf nach rechts und nehmen dann den ersten Pfad nach links. Er führt uns aus dem Wald heraus. Am Waldrand gehen wir links und dann den ersten Weg rechts zwischen den Feldern. Rund 500 Meter wandern wir direkt auf den nächsten Wald zu. In der Verlängerung unseres Weges führt ein kleiner Pfad in den Wald hinein und nach wenigen Metern stehen wir an einem tief ausgeschnittenen Bächlein, dem Erlenbach.

Wenn wir uns einige artistische Fähigkeiten zutrauen, überqueren wir den Erlenbach und sind in einem schwer durchdringlichen Bruchwald. Wir sehen schon hier ein kleines Rinnsal, das dem Erlenbach zufließt und nur 50 Meter von hier entspringt. Die Fläche unterhalb der Quelle ist übersät mit kalkumkrusteten Holzstücken. Peter Prinz-Grimm schreibt in seinem geologischen Führer über die Wetterau und Mainebene: „Die kalkige Lösungspracht aus den oberhalb anstehenden miozänen Kalken wird unmittelbar nach dem Quellaustritt wieder ausgeschieden.“ Unser Bild zeigt die kalkumkrusteten Holzstückchen, von denen nach einer Zeit nur mehr der Kalk übrig bleibt, während die pflanzlichen Bestandteile längst verrottet sind.

Wir wandern auf gleichem Weg zurück zur Bonifatiusroute, der wir jetzt noch einige hundert Meter folgen. An der zweiten Kreuzung verlassen wir die Pilgerroute, die geradeaus führt, wir aber gehen nach rechts. Die imposanten Buchen, denen wir hier auf der rechten Seite begegnen, sind mehr als 200 Jahre alt und gehören zu einer Altholzinsel. Dieser Teil des Waldes wird nicht mehr bewirtschaftet und dient Tieren als Lebensraum, die auf große Baumhöhlen oder starkes Totholz angewiesen sind. Dazu gehören verschiedene Spechte, der Kleiber oder der Waldkauz.

Wir verlassen den Wald, gehen geradeaus und kommen auf die Straße, die Karben mit Heldenbergen verbindet. Ein Stück gehen wir nach links, überqueren die Kreisstraße und folgen dem Radweg, der uns in den Wald hineinführt. An einem großen Wegekreuz halten wir uns links und lassen die Schutzhütte links liegen. 200 Meter noch, dann verlassen wir für heute den Wald. Vorher aber genießen wir noch das herrliche Panorama, das uns hier am Waldrand der Taunus und die Metropole Frankfurt bescheren.

Wir laufen rechts, entlang des Waldes, und an der ersten Abzweigung nach links, wo wir gut eineinhalb Kilometer geradeaus gehen. Die Wegebeschaffenheit ändert sich. Schließlich kommen wir auf einen gepflasterten Weg, der vielleicht schon vor 100 oder mehr Jahren gelegt wurde. Auf dem Feld linker Hand können wir Auswaschungen und Lesesteine finden, darunterHydrobienkalke. Das sind Fossilien der korkenzieherförmig gewundenen Wattschnecke. Sie ist nur wenige Millimeter groß und erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Diese Schnecken lebten hier vor 20 bis 25 Millionen Jahren.

Quelle mit 70er Jahre Flair

Wir folgen dem Weg weiter bis hinunter zur Straße, die Groß-Karben mit Burg-Gräfenrode verbindet. Wir halten uns links auf dem Radweg und kommen bald an ein Schild, das uns den Weg zum Ludwigsbrunnen weist. Der Ludwigsbrunnen wurde bereits Mitte des 16. Jahrhunderts erwähnt. Nach verschiedenen Besitzern gehört er heute der Stadt Karben. Die Brunnenfassung stammt aus den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Quelle selbst hat hohe Anteile an Kochsalz und freier Kohlensäure. Man kann das Wasser probieren, muss es aber nicht unbedingt.

Wir gehen zurück zum Radweg, der uns nach Karben führt. Wir biegen in die erste Straße nach rechts (Limesstraße) und dann gleich wieder links (Am Ludwigsbrunnen). Von hier stoßen wir auf die Ringstraße, der wir nach rechts folgen, um schließlich einen Blick auf den Park zu werfen, er ist genauso wie das Schloss in Privatbesitz und leider nicht öffentlich zugänglich. Spannend dabei ist auch die Beschaffenheit der Mauer um den Schlosspark. Hier sind, wie in früheren Jahrhunderten üblich, unterschiedliche Feld- und Lesesteine verarbeitet worden. Auch hier findet man bei genauer Betrachtung eine ganze Menge von kleinen Fossilien. Anschließend  können wir auch noch das benachbarte Heimatmuseum besuchen.

Nach dem Sportplatz nehmen wir links den Fußweg (Hessenring) und kommen über die Bahnhofstrasse geradeaus auf die Weingartenstraße  und an deren Ende rechts zum Kirschenberg. Wir gehen steil bergauf, bis wir kurz hinter der Hochspannungsleitung auf einen Asphaltweg stoßen. Den wandern wir nach rechts und sind nach einem knappen Kilometer wieder am Parkplatz.

Kalkummantelte Holzstückchen aus der Quelle nahe des Erlenbachs.

Nur schwer zu durchdringen ist der Bruchwald am Erlenbach.

Hydrobienkalk, das sind verbackene Ansammlungen von winzigen Wasserschnecken, die hier vor ungefähr 25 Millionen Jahren gelebt haben.

Am Start- und Zielpunkt gegenüber dem Friedhof befindet sich auch der Rosenhang, der während der Vegetationszeit immer ein Besuch wert ist.







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