Hohe Wälder und ein mittelalterliches Städtchen- von Konradsdorf nach Ortenberg

Unsere Wanderung beginnt an der Gesamtschule Konradsdorf, unweit des Ortenberger Stadtteils Selters. Die Gesamtschule hat ihren Namen vom benachbarten ehemaligen Kloster Konradsdorf erhalten. Hier handelt es sich um eine ummauerte Hofanlage mit Resten des ehemaligen Prämonstratenserinnenklosters. Das Kloster wurde vermutlich von Hartmann von Büdingen anstelle einer salischen Turmbauanlage erbaut, war 1191 vollendet und diente seit 1270 als Nonnenkloster. Die Reste des 1191 erstmals erwähnten Klosters – eine romanische Pfeilerbasilika und ein romanisches Wohnhaus mit reicher Bauzier – zählen zu den bedeutendsten Bauensembles des 12. Jahrhunderts im Rhein-Main-Gebiet. Die dreischiffige, flach gedeckte Basilika wurde ohne Querhaus erbaut und endete in einer halbrunden Apsis. Um 1580 wurde das Kloster aufgehoben.

 

An den Wochenenden und in den Schulferien finden wir genügend Parkplätze an der Schule. Wir wandern den Wirtschaftsweg gleich bergan, zuvor wenden wir noch einmal den Blick nach links, wo wir das ebenfalls zu Ortenberg gehörende Dörfchen Effolderbach sehen, das im Jahre 2009 sein 975-jähriges Bestehen feiern kann.

Wir kommen bald in einen schönen Buchenwald, den wir in wenigen Minuten durchwandert haben, um an einer Weggabelung nach rechts auf die Bonifatiusroute zu gehen. Für die nächsten Kilometer ist der Bischofsstab unser Wegweiser.

Wir laufen rund 100 Meter und gehen dann nach rechts, hier fehlt leider der Wegweiser. Wir wandern in den Wald hinein und kommen bald an die imposante „Weberlinde“, die zu Ehren von Staatsrat und Landesforstmeister Karl Weber in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts gepflanzt wurde. Weber war als Amtsvorstand des Forstamtes Konradsdorf Urheber der großflächigen Wiederbewaldung und ertragsloser Hutungen im Vogelsberg. Zudem war er Initiator des Wasserwerkes Inheiden und des Kraftwerkes Lißberg.

An der Weberlinde halten wir uns rechts, bis wir an die Landesstraße 3184 kommen, die Wippenbach mit Bobenhausen verbindet. Hier an der Straße halten wir uns rechts und laufen rund 200 Meter an der Straße entlang. Dann wenden wir uns auf den asphaltierten Wirtschaftsweg nach rechts und kommen direkt nach Wippenbach.

Am Ortseingang folgen wir dem Sonnenhang nach links und gleich wieder nach rechts bis wir abermals an die Landesstraße kommen, die hier Ortenberger Straße heißt. Wir halten uns rechts, überqueren die Straße und gehen links auf einem geteerten Weg bergan. Nach wenigen Metern wird dieser zum Feldweg. Rechter Hand ist eine Pferdekoppel, an deren Ende wir kurz rechts und gleich wieder links gehen, um dann in freier Feldflur weiter zu wandern.

Von hier grüßt erstmals das stolze Städtchen Ortenberg. Das Gebiet ist seit Urzeiten besiedelt. Die Kelten, die Römer und später die Franken ließen sich hier nieder. Im 12. Jahrhundert erstmalig urkundlich erwähnt sind Werner und Heinrich von Ortenberg. Vermutlich im 13. Jahrhundert erhielt Ortenberg bereits Markt- und Stadtrechte, in diese Zeit fällt auch der Bau der Stadtmauer. Im Jahre 1422 wurde der Kalte Markt erstmals erwähnt, einer der größten und traditionsreichsten Märkte in Hessen. Im 17. Jahrhundert wurde die Burg zum Schloss umgebaut.

Ortenberg hat in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von wichtigen Arbeitsplätzen verloren und damit auch eine rückläufige Bevölkerung. Durch eine behutsame Altstadtsanierung versucht man dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

Auf unserer Wanderung kommen wir am Ende der Feldflur an eine Schlucht, wo wir uns rechts halten. Wir folgen dem Feldweg, der sich zur Straße erweitert, deren Verlauf wir bis zur Bundesstraße 275 folgen. Hier wenden wir uns nach rechts und kommen nach rund 300 Metern an das Rathaus.

Hier gibt jetzt gleich mehrere Möglichkeiten, die Wanderung fortzusetzen. Wer an einem wunderschönen mittelalterlichen Stadtbild interessiert ist, der sollte hier an der Fußgängerampel die Straße überqueren und direkt in die Altstadt gehen. Schöne Fachwerkhäuser, aber auch Kopfsteinpflasterstraßen und nette Straßencafes laden zum Verweilen ein.

Man kann aber auch der Bundesstraße noch ein kleines Stück folgen und biegt dann rechts in die Bahnhofstraße ein. Wir laufen jetzt gut 300 Meter geradeaus, lassen den Vulkanradweg links liegen, und kommen an einen anderen Radweg, der uns den Weg nach Konradsdorf, zunächst aber ins städtische Freibad weist.

Nach so viel Wandern sind besonders die jüngeren Teilnehmer an einer herrlichen Ganzkörpererfrischung interessiert. Danach lädt immerhin noch ein Minigolfplatz zu einem Turnier ein, um dann die letzten zwei Kilometer zurück zur Klosterruine zu laufen.

Bevor wir dann zum Ausgangspunkt zurückkehren, sehen wir auf der rechten Seite noch eine große Wiese, die eines der wichtigsten Rückzugsgebiete für bedrohte Wiesenbrüter in Hessen beherbergt. In der Brutzeit sollte diese Wiese zwischen dem 01. März und dem 15. Juli nicht betreten werden, damit auch künftige Generationen ihre Freude an diesen seltenen Vögeln haben.

Insgesamt ein Weg mit einigen Anstiegen, der aber gut mit Kindern zu bewältigen ist. Überwiegend Feldwege, zum Teil asphaltiert.

Unser Bild zeigt eine Ansicht der Stadt Ortenberg aus dem Jahre 1650. Die mittelalterliche Stadt ist bis heute innerhalb der Mauern in der Struktur der Parzellen und Gassen erhalten. Auf der Spitze des Schlossberges liegt die Burg, die die Stadt beherrscht, welche sich in südwestlicher Richtung bis in die Nidderebene erstreckt. Die in ihrem Ring eingeschlossene Stadt ist im Bereich des Doppelgrabens, dessen Profil an manchen Stellen zu erkennen ist, und am nördlichen Hang des Schlossberges völlig frei von moderner Bebauung, so dass die in der Abbildung dargestellte Situation noch heute ziemlich deutlich ablesbar ist. Die Altstadt und die sie umziehenden Grüngürtel beziehungsweise Nidderauen sind eine geschlossene Gesamtanlage. Wegen ihre geschichtliche und wissenschaftliche Bedeutung heißt es in der Denkmaltopografie des Wetteraukreises.

Alter Markt Ortenberg

Der Diebesturm in Ortenberg aus dem 13. Jahrhundert

Der Autor dieser Zeilen hatte das Glück, bei seiner Wanderung einen Feuersalamander zu sehen.

Überwiegend Wirtschaftswege kennzeichnen unsere heutige Wanderung

Ortenberg nach Merian um 1650







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