Weglänge: neun Kilometer
Reine Gehzeit: gut zwei Stunden
Einkehrmöglichkeit: mehrere in Gelnhaar
Anfahrt: über Stockheim, Bleichenbach und Bergheim
Parken: am Bürgerhaus in Gelnhaar

Der Ausgangspunkt unserer Wanderung ist das Bürgerhaus, wo wir auch unser Auto abstellen können. Die Hinweisschilder sind zum Teil überwachsen, am besten wendet man sich an der Kirche links in Richtung Usenborn und nimmt dann die dritte Straße nach rechts.
Wir folgen dem Weg bergan und kreuzen den Sandra-Minnert-Weg, benannt nach einer von zwei weit über die Grenzen von Gelnhaar hinaus bekannten Persönlichkeiten. Sandra Minnert ist Mitglied der Frauenfußball-Weltmeisterschaftsmannschaft der Jahre 2003 und 2007. Die andere Gelnhaarer Berühmtheit ist Karlhans Frank, der im Jahre 2007 verstorbene Schriftsteller und Regisseur.
Wir folgen jetzt einem in die Jahre gekommenen Asphaltweg. Hinter der Bergkuppe gehen wir rechts und gelangen nach gut 200 Metern an die Landesstraße 3183 nach Hirzenhain.
Gelnhaar ist ein wahrer Straßenknotenpunkt. Auf unserer Wanderung rund um Gelnhaar überqueren wir nicht weniger als fünfmal Kreis- und Landesstraßen. An den Wochenenden sind diese Straßen aber allesamt nur wenig befahren und nur zweimal müssen wir ein kurzes Stück entlang der Straße marschieren.
An der Landesstraße wenden wir uns nach rechts und nach wenigen Metern wieder nach links auf unserem Wanderweg und erreichen ein wahres Vogelparadies. So viele Stimmen und so wenig andere Zivilisationsgeräusche lassen den stressgeplagten Wanderer richtig aufatmen.
Die acht Bänke der "Qualmenden Socken"
Nach wenigen Metern schon geht der Asphaltweg in einen Schotterweg über, der uns jetzt ein ultimatives Urlaubsgefühl vermittelt. An einer 90-Grad-Kurve halten wir uns rechts. Wir könnten aber auch einen kleinen Zwischenstopp an einer schönen Bank einlegen. Dem Volkswanderclub "Qualmende Socken" e.V. aus Gelnhaar gebührt Dank für die Realisierung des Acht-Bänke-Weges. Die erste Bank mit der charakteristischen hohen Rückenlehne sehen wir hier.
Bald erreichen wir die Landesstraße nach Wenings, wenden uns nach rechts und folgen dem Asphaltweg. Nach weiteren 200 Metern geht es wieder rechts in Richtung Gelnhaar. Bevor wir die ersten Häuser sehen, biegen wir nach links und gehen die weite Feldflur leicht bergan. Auf der rechten Seite haben wir jetzt einen herrlichen Blick zum Vogelsberg mit dem Hoherodskopf. Nach links können wir bei klarem Wetter bis zum Dünsberg bei Gießen sehen. Am Bergkamm halten wir uns rechts und schauen auf Bindsachsen.
Wir folgen dem Schotterweg, überqueren die Landesstraße Richtung Bindsachsen und kommen zum Frankenschlag, der an eine Schlacht im frühen Mittelalter erinnert, als die Franken die Thüringer schlugen. In diese Zeit geht auch die erste Besiedlung von Gelnhaar zurück. Möglicherweise waren es sächsische Kriegsgefangene, die als Leibeigene die Talsenke besiedelten.
Wir genießen von hier aus noch einmal einen wunderbaren Fernblick und gehen dann rechts. Bald kommen wir an einen Asphaltweg, wo wir uns links leicht bergan wenden. Wir umgehen den Hohleberg und folgen unserem Weg bis wir erneut an eine Landesstraße kommen. Hier gehen wir ein kleines Stückchen links entlang der Straße bis wir ein Hinweisschild vom "Rauhen Berg", einer anthroposophischen Einrichtung für behinderte Menschen, sehen.
Wir folgen dem Schild auf dem Asphaltweg und kommen an die geschützt gelegene Einrichtung, in der 70 behinderte Menschen in Landwirtschaft, Gärtnerei, Holzwerkstatt, Industrieverpackung, Wäscherei und Handweberei beschäftigt sind. Im angeschlossenen Wohnheim leben 50 behinderte Menschen dauerhaft. Die Landwirtschaft und Gärtnerei arbeitet streng nach biologisch-dynamischen Grundsätzen des Demeter-Verbandes.
Vor dem Eingang der Einrichtung biegen wir nach links auf den Schotterweg, durchqueren die Gärtnerei und kommen dann, nach Überquerung der letzten Straße, die nach Usenborn führt, in einen lichten Jungwald.
Nach einer Abzweigung links kommen wir an ein von der Natur- und Vogelschutzgruppe Gelnhaar angelegtes Biotop. Wir wandern weiter, halten uns an der Bergspitze rechts und nach ungefähr 600 Metern gehen wir inmitten eines Wäldchens wieder nach rechts und kommen nach wenigen Metern zu unserem Auto zurück.
Wer will, kann die Wanderung auch entgegen des Uhrzeigersinns nehmen. Dann richtet man sich nach den Beschilderungen des örtlichen Wandervereins "PW", was nichts anderes als "Permanenter Wanderweg" bedeutet.
Gelnhaar - geteilt, geplündert und immer wieder aufgebaut
Gelnhaar wurde 1187 erstmalig urkundlich erwähnt. Die Besiedlung fand aber schon 500 Jahre zuvor statt, wie oben beschrieben. Bereits im 13. Jahrhundert wurde Gelnhaar in Folge einer Erbteilung entlang der Bleiche geteilt. Der linke Dorfteil wurde dem Gericht Ortenberg (Hanausche Herrschaft) zugeschlagen, der rechte dem Gericht Floßbach-Wenings (Ysenburger Herrschaft). Die Entwicklung des Ortes wurde dadurch stark behindert. Im 15. Jahrhundert wurde Gelnhaar zweimal geplündert. Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) war das Dorf völlig entvölkert, die Häuser geplündert, die Menschen erschlagen, an der Pest gestorben oder geflohen. Im 19. Jahrhundert hatte Gelnhaar rund 80 Einwohner, heute sind es fast 1.100. Durch ertragsarme Böden, Fron- und Spanndienste, Abgaben und Steuern und die so genannte Solmser Landordnung, die im Erbfall des Bauern die Teilung des Landes unter die Erbberechtigten vorschrieb, verminderte sich die Hofgröße immer mehr. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Gelnhaar 28 Bauernhöfe mit weniger als zwei Hektar Fläche. Die kleinen Höfe und Dürrejahre verursachten im 19. Jahrhundert immer wieder Auswanderungswellen. An die Wolga, nach Ungarn, nach Brasilien und in die USA sowie als Fabrikarbeiter an Ruhr und Main wanderten die Menschen aus Gelnhaar. Mit der Verbesserung der Infrastruktur, vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg, hat sich das Leben in Gelnhaar deutlich verbessert.
Die Teilung des Ortes wurde erst 1874 mit der Auflösung des Landratsbezirks Nidda überwunden. Damit kam auch der ehemals hanauische Teil des Dorfes an den Landratsbezirk Büdingen. 1972 wurde das Dorf im Zuge der Gebietsreform Teil der Stadt Ortenberg und des Wetteraukreises.
Impressionen:




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