Reine Gehzeit: Gut zwei Stunden
Weglänge: Knapp zehn
Kilometer

Wetteraukreis (pdw). Der Glauberg zählt unter den Historikern schon lange als eine besondere Kostbarkeit. Was aber Archäologen Mitte der 90er Jahre zutage gefördert haben, das sprengte die Vorstellungen der meisten Beobachter. Das komplett erhaltene Grab eines keltischen Fürsten aus dem 5. vorchristlichen Jahrhundert gilt als archäologische Entdeckung von europäischem Rang. Die überlebensgroße Figur des Fürsten mit der für ihn typischen Kopfbedeckung sowie reichhaltige Grabbeigaben wurden restauriert und werden ab Frühjahr 2011 im Original am Fundort im neu errichteten Landesmuseum am Glauberg zu sehen sein.
Das Museum kann heute schon empfohlen werden, besonders das museumspädagogische Konzept soll sowohl Kinder und Jugendliche als auch Fachleute und Laien für die Welt der Kelten begeistern. Ein internationales Keltenforschungszentrum sowie ein archäologischer Park rund um das historische Areal laden in eine landschaftlich reizvolle Umgebung und zur Auseinandersetzung mit archäologischen Funden und Denkmälern einer der frühen Hochkulturen Europas ein.
Unsere heutige Wanderung beginnt bei der evangelischen Kirche in Düdelsheim. Unser Auto können wir am Friedhof parken, Zufahrt über die Wingertgasse. Die schöne evangelische Kirche beteiligt sich bei dem Projekt „Offene Kirchen“, kann tagsüber besichtigt werden und lädt ein zur stillen Einkehr.
Über den Kirchhof kommen wir zur Straße Am Weinberg, hier führt die Bonifatiusroute entlang. Das rot-weiße Schild mit dem Bischofsstab wird uns jetzt bis zum Glauberg führen, zunächst die Weinbergstraße entlang, an deren Ende wir nach links in den Stockheimer Weg und dann bergauf gehen.
Am Ende des Anstiegs erwartet uns eine Bank, die uns zur ersten Rast und einem schönen Blick ins Büdinger Land einlädt. Hier verlassen wir den Asphaltweg nach links und gehen „Zu den Steinern“. An den Schildern mit dem Hinweis „Zur Bonifatiusroute“ fehlt es zwar nicht, mitunter sind sie aber dicht bewachsen, so dass man die Augen offen halten muss, um hier nicht fehlzugehen.
Unser nächster Zwischenstopp ist die geologische Basaltformation „Zu den Steinern“, nördlich von Düdelsheim. Hier wurde auch ein Aussichtsturm aufgebaut, der einst am Glauberg stand, und einen schönen Blick zum einstigen Standort erlaubt. Mit ein wenig Phantasie fühlt man sich hier zwischen den großen Felsen wie in einen Märchenwald versetzt, in dem gerade noch die gute Fee hinter einem Stein verschwand.
Allein mit unseren Wünschen wandern wir jetzt vorbei an der Sitzgruppe nach rechts. Nach einigen Rechts-Links-Kombinationen (auf die Schilder achten!) kommen wir an einen Betonweg, der uns direkt zum Glauberg führt. Eine Kreuzung von zwei betonierten Feldwegen ist der nächste markante Punkt.
Wir gehen nach rechts, das Museumsgebäude im Blick. Das letzte Stück laufen wir parallel zu der auf den Grabhügel zulaufenden „Prozessionsstraße“. Hier sollten wir uns ein wenig Zeit nehmen, um die Landschaft auf uns wirken zu lassen. Der Grabhügel, das Kalendarium und ab Frühjahr 2011 das Museum sind auf jeden Fall einen Besuch wert.
Wir gehen weiter und kommen über den „kulturhistorischen Rundweg“ auf das Basaltplateau des Glaubergs. Der Fels bot eine überragende strategische Lage, die nicht nur von den Kelten im 5. Jahrhundert v. Chr., sondern auch von den Alamannen im 4. nachchristlichen Jahrhundert geschätzt wurde. Weitere 800 Jahre später machte man sich dann an den Versuch einer mittelalterlichen Stadtgründung. Die Grundmauern der Keller dieser Stadtgründung, sowie Reste der mittelalterlichen Stauferburg, sind heute noch zu sehen.
Vorbei an einer über den Abgrund hinausragenden Aussichtsplattform verlassen wir das Glauberg-Plateau über die „Stockheimer Pforte“, um uns direkt nach dem Plateau nach rechts zu wenden. Aus dieser Perspektive können wir auch die Mächtigkeit des Walls bewundern. Wir folgen dem VHC-Schild (weißer Punkt auf schwarzem Quadrat) und kommen nach 200 Meter auf einen Wirtschaftsweg, den wir nach rechts nehmen. Vorbei an einer VHC-Hütte betreten wir jetzt wieder die offene Feldflur und gehen geradeaus auf einem gepflasterten Weg.
An einer T-Kreuzung wenden wir uns nach rechts und bleiben für fast zwei Kilometer auf diesem Weg bis wir auf das Gewerbegebiet von Düdelsheim stoßen. Hier gehen wir rechts, dann immer geradeaus, und stoßen schließlich auf die Stockheimer Straße und sind dann auch bald wieder am Auto.
Die Kelten waren das erste Volk der Vorgeschichte mit europäischer Dimension. Weil die Kelten keine schriftlichen Quellen hinterließen, ist man bei der Dokumentation ihrer Kultur auf Bodenfunde angewiesen. Ihr Name ist uns durch griechische und römische Geschichtsschreiber überliefert.
Das keltische Kerngebiet befand sich im heutigen Südwestdeutschland und in Ostfrankreich. In großen Wanderungen zogen keltische Stämme nach Spanien, Oberitalien, in den Balkan und nach Kleinasien. Die Kelten besaßen ein eigenes Münzwesen und beuteten Bodenschätze in größerem Rahmen aus.
In Bad Nauheim hatten sie Anlagen zur Salzgewinnung errichtet, am Dünsberg wurde Eisen verhüttet. Ihre Toten bestatteten die Kelten meist unter Grabhügeln. Funde in diesen Gräbern lassen auf einen intensiven Handel mit Griechen, Etruskern und Römern schließen, der die Kelten auch in kultureller Hinsicht beeinflusst hat.
Der Glauberg ist einer der bedeutendsten archäologischen Denkmäler in Hessen und wurde von der Steinzeit bis in das Hochmittelalter immer wieder aufgesucht und bewohnt. Seit der Entdeckung der sensationellen Funde aus keltischer Zeit gilt er als Kulturdenkmal von europäischem Rang.
Als einer der letzten Basaltausläufer des Vogelsberges überragt der Glauberg die umgebenden Flussauen um mehr als 150 Meter. Streuobstwiesen und Äcker am Fuße des Berges, Trockenrasen und Heckenzüge auf dem Plateau bieten ein abwechslungsreiches Landschaftsbild und Lebensraum für bedrohte Pflanzen und Tierarten.
Früheste menschliche Spuren stammen aus der Altsteinzeit. Im 5. Jahrtausend v. Chr. besiedelten Bauern der Jungsteinzeit erstmals den Platz.
Als sich im 5. Jahrhundert v. Chr. ein keltischer Fürstensitz auf dem Plateau befand, war der Berg durch eine hohe Mauer geschützt. An seinem Fuß entdeckten Archäologen einen heiligen Bezirk mit einem monumentalen Grabbau der Kelten. Im Frühmittelalter stand eine fränkische Großburg auf dem Berg und verhalf ihm zu neuer Bedeutung.
Im 12. Jahrhundert erlebte der Glauberg mit der staufischen Turmburg eine letzte Blüte, die mit der Zerstörung der Burg Mitte des 13. Jahrhunderts endete. Entlang des kulturhistorischen Lehrpfades lassen sich Spuren aus allen Zeiten entdecken. Zusätzlich erhält man Informationen zu Naturschutz und Landschaftspflege. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.glauberg.de und unter www.keltenfuerst.de.

Evangelische Kirche in Düdelsheim

Ins Märchenland versetzt fühlt man sich nördlich von Düdelsheim „Zu den Steinern“.

Historischer Grenzstein mit neuem Anstrich und dem rot-weißen Signet der Bonifatiusroute.

Der Grabhügel mit „Prozessionsstraße“, Kalendarium und dem modern futuristischen Museumsgebäude am Glauberg.

Aussichtsplattform über dem Abgrund
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