Reine Gehzeit: zweieinhalb
Stunden
Weglänge: 10,6 Kilometer, 150 Höhenmeter

Hessen ist ein Land der Sagen und Mythen. Eine der am häufigsten überlieferten Sagen handelt von einer „Weißen“ oder „Wilden Frau“, deren Rolle höchst unterschiedlich interpretiert wird: Als Gottheit in vorchristlicher Zeit, als Symbol für Fruchtbarkeit und Kindersegen, der man auf dem Acker einige Reste als Opfer liegen lässt, aber auch als böse Hexe, die Kinder raubt und böse Streiche spielt. Der Ranstädter Hobbyhistoriker Michael Strecker ist mit einem lesenswerten Buch „Auf den Spuren der Wilden Frau von Dauernheim“ gewandelt.
Strecker hat die verschiedenen Interpretationen zusammengefasst und gegeneinander gestellt ohne ein abschließendes Urteil zu fällen. „Das ist auch gar nicht möglich, dazu fehlt uns einfach zu viel Wissen.“ Was man aber sicher weiß ist, dass eine Felsgruppe auf dem Hohen Berg bei Dauernheim eine wichtige Rolle in diesem Mythos spielt. Der Wilden Frau Gestühl heißen diese Steine, die einst wohl als Kultplatz dienten. Möglicherweise schon in der Jungsteinzeit, denn die Besiedlung am Rande des Hohen Berges ist bis in diese Zeit durch Funde nachgewiesen.
Wir parken unser Auto in der Kirchbergstraße, wo uns als erstes die Tore in der Mauer auffallen. Sie führen zu tief in den Fels eingehauenen Kellern, die ab dem 16. Jahrhundert zur temperaturkonstanten Aufbewahrung des in Dauernheim umfangreich angebauten Weines dienten. Über den Kellern thront die evangelische Kirche mit einem Wehrturm als Rest der ehemaligen Befestigung.
Wir gehen die Kirchbergstraße in südöstlicher Richtung und kommen auf die Borngasse. Sehenswert ist der zweigeteilte Dorfbrunnen, der von einer Quelle gespeist wird und sowohl zur Trinkwassergewinnung als auch zum Waschen und als Feuerlöschteich genutzt wurde.
Unser weiterer Weg führt uns über den Bornrain, an dessen Ende wir links in die Stadener Straße einbiegen und dann wieder die erste Möglichkeit nach links nutzen, wo wir bald die Landesstraße, die Dauernheim mit Blofeld verbindet, unterqueren. Jetzt geht es erst einmal geradeaus. Wir nutzen dabei den Radweg R4 in Richtung Staden.
Auf der linken Seite sehen wir die Nachtweid von Dauernheim, das größte Auenschutzgebiet in der Wetterau. Rund zwei Kilometer nach unserem Wanderstart sieht das geübte Auge auf der linken Seite Reste eines Hügelgrabes. Der Hügel ist längst abgetragen, allein die Veränderung der Vegetation macht uns darauf aufmerksam, dass hier vor Jahrtausenden Menschen bestattet wurden.
Auf der rechten Seite hören wir das beständige Rauschen von der Autobahn. Die 1974 gebaute A 45 versteckt sich hinter Bäumen. Dort, wo wir an die Ausbuchtung kommen, befindet sich der Parkplatz „Nachtweid“. Bei den Bauarbeiten für die Autobahn wurde eine Vielzahl von Funden aus der Jungsteinzeit gemacht und von den ersten germanischen Einwanderern aus der Zeit um Christi Geburt. Sie werden heute im Wetterau-Museum zu Friedberg aufbewahrt. Auch die Reste der Wüstung „Steinerstadt“, die letztmalig um 1500 erwähnt wurde, wurden wahrscheinlich hier entdeckt.
Bevor wir die Autobahn unterqueren, werfen wir noch einmal einen Blick auf das Sumpfgebiet, das vielen seltenen Tieren und Pflanzen eine Heimat gibt. Gleich hinter der Autobahn verlassen wir an der T-Kreuzung den R4 und gehen nach rechts. Am Ende des betonierten Weges erklimmen wir den Hohen Berg in einer lang gezogenen Links-Rechts-Kurve.
Wir wandern jetzt einen halben Kilometer, den Weg der eine scharfe Rechtskurve beschreibt lassen wir liegen und gehen wenige Meter weiter in einer lockeren 90 Grad Kurve nach rechts. Wie laufen jetzt 800 Meter auf diesem Weg und sehen auch bald die ersten Hinweise auf das Wildfrauengestühl. An einer Waldlichtung, deren Ursprung ein Orkan war, verlassen wir unseren Weg und gehen den schlecht ausgebauten Pfad nach rechts. Nur 50 Meter sind es jetzt noch bis zum Gestühl der Wilden Frau. Über Bedeutung und Nutzung der Schalensteine ranken sich viele Theorien. Möglicherweise wurde der Platz auch als Richtplatz genutzt, die Schalensteine waren dann der Platz des Gerichts. Der Gerichtstisch freilich fehlt. Es gibt Vermutungen darüber, dass dieser einst nach Bingenheim gebracht wurde.
Wir überqueren den Platz und folgen dem Schild „Niddatalblick 70 Meter“. Hier können wir uns noch mit einer weiteren Theorie zur Steinsetzung auseinandersetzen. Der Heimatforscher Siegfried Lehmann vertritt die These, dass die Stelle als Sonnenbeobachtungspunkt genutzt wurde. Der Osthang des Hohen Berges bietet einen idealen Blick auf den weiten Bogen vom nördlichsten bis zum südlichsten Sonnenaufgangspunkt im Jahresverlauf.
Wir gehen zurück zur Lichtung und dann nach rechts, wo wir dem bequemen Waldweg folgen. Nach 800 Metern treten wir aus dem Wald heraus. Vor uns liegt Blofeld, bei klarem Wetter haben wir einen fantastischen Blick auf die Gipfel des Taunus und die besten Äcker der Wetterau.
Wir folgen jetzt ein kleines Stück der Straße in Richtung Blofeld. Kurz hinter dem Schild „60 Kilometer“ überqueren wir die Straße nach rechts über einen kleinen Wiesenweg und kommen dann auf einen asphaltierten Weg, den wir nach rechts in Richtung Dauernheim nehmen.
Wir überqueren die Autobahn und gehen direkt nach der Brücke nach rechts. Vorbei an einer Funkstation kommen wir in das Wochenendhausgebiet von Dauernheim, wo viele Menschen längst schon einen festen Wohnsitz haben. Über die Staraße „Am Bieberbau“ und den Nornbodenweg geht es bergab in Richtung Dauernheim. Vorher können wir noch einmal einen schönen Blick auf die „Altenburg“ werfen. Dieser jungsteinzeitliche Siedlungsplatz, heute ein bewaldeter Hügel, fällt durch seine strategisch günstige Lage auf. Nach drei Seiten steil abfallend musste er nur in einer Richtung befestigt werden. Der Kirchturm von Dauernheim weist uns jetzt den Weg zurück.
Wer mehr über das Gestühl der Wilden Frau von Dauernheim wissen möchte, dem sei das Buch von Michael Strecker empfohlen. Es ist im Buchhandel zum Preis von 11,50 Euro erhältlich.

Brunnen Dauernheim

Blick über das Bingenheimer Ried nach Ober-Mockstadt

Felder bei Dauernheim

Michael Strecker hat ein lesenswertes Buch über das Wildfrauengestühl geschrieben.

Niddatal-Blick – ein Ort zur Sonnenbeobachtung?

Panorama bei Dauernheim

Wasserflächen im Bingenheimer Ried sind ein wichtiges Refugium für seltene Tiere und Pflanzen

Wildfrauengestühl Dauernheim
Wirtschaftsförderung Wetterau GmbH
Hanauer Str. 5 | 61169 Friedberg
Christian Agne
Tel: +49 (0) 6031. 692144
Fax: +49 (0) 6031. 692159
E-Mail: info@wfg-wetterau.de
Geben Sie uns Ihr Feedback