Auf Samtpfoten durch 2.500 Jahre Wetterauer Geschichte

Auf unserer heutigen Wanderung lernen wir gleich mehrere Epochen Wetterauer Geschichte kennen. Über 2.500 Jahre reicht die Spanne von den Kelten über die Römer bis hin zur US-Armee, die vor einigen Jahren die Wetterau und ihren größten Stützpunkt, nämlich Butzbach, verlassen haben. Die Besonderheit an der heutigen Tour, Wir überqueren zweimal eine Straße und laufen ansonsten auf Wald- und Wiesenwegen und auf schmalen Pfaden. Wer so viel Geschichte jetzt hautnah erlebt hat und noch ein wenig Energie besitzt, der sollte unbedingt die Butzbacher Altstadt und das dortige Museum in der Färbgasse besuchen.

Weglänge: 17 Kilometer, 510 Höhenmeter, anstrengende Tour, die auch ein wenig Orientierungssinn verlangt
Reine Gehzeit: vier Stunden
Einkehrmöglichkeiten: In der Stadt Butzbach zahlreich, unterwegs im Forsthaus
Parkplatz: Hinter den Tennisplätzen
Startpunkt: Ende der Taunusstraße
ÖPNV-Verbindungen
: Über den Butzbacher Bahnhof, dann die Taunusstraße bergan, ca. einen Kilometer bis zum Ausgangspunkt


Butzbach ist eine Stadt mit langer historischer Tradition und hat auch touristisch einiges zu bieten. Bei einer Vielzahl von Wanderwegen kann man den Butzbacher Wald erforschen und allerlei Besonderheiten entdecken.

Erfreulich, dass sich die Butzbacher der besseren Ausschilderung ihrer Wege widmen, zumal hier immer wieder Wegweiser stibitzt oder zerstört werden.

Wir starten unsere Wanderung mit dem „roten Dreieck“, direkt am Parkplatz hinter den Tennisplätzen. Nach zweihundert Metern auf dem Waldweg geht es den markierten Pfad nach links und anschließend gleich wieder auf den Schotterweg links. Hier sehen wir die erste von einer Vielzahl von Hinweistafeln, die uns über die Geschichte von Kelten und Römern sowie Fauna und Flora des Waldes vertraut machen. Nach hundert  Metern sehen wir auf der rechten Seite einige Erdaufschüttungen, es sind die Reste eines Gutshofes, das Hallstatt-Gehöft, das um 700 v. Chr. hier einst gestanden hat (1).

Wir folgen jetzt dem „Hessentagsweg“ rechts, der Pfad mit dem Logo des Hessentages, jenes Fest, das die Butzbacher noch in guter Erinnerung haben. Wir überqueren einen Schotterweg und sind gleich am Schrenzer, einer Anhöhe am Rande von Butzbach, und beliebtes Ausflugsziel der Stadt. Rechts ist eines der schönsten Schwimmbäder der Region mit einem spektakulären Ausblick, links die Rekonstruktion eines römischen Holzwachturmes. (2)

Vorbei an den Palisaden hinter dem Turm wandern wir nach links nun ein Stück auf einem Weltkulturerbe, dem Limes (3).  Wenn wir abermals den Schotterweg nun in der Gegenrichtung überquert haben, stoßen wir direkt gegenüber auf einen Pfad, dem wir folgen, um nach einer kurzen Rechts-Links-Kombination (Pfadquerung), weiter auf dem Limes zu bleiben.

Bald stoßen wir auf das Wanderzeichen „schwarzer Limesturm“, den „Limesweg“, dem wir nun weiter folgen. An einer Kreuzung wird der Limes selbst sehr unwegsam, sodass die Wegemarkierer einen rechts parallel verlaufenden Forstweg ausgeschildert haben (4). Nach ziemlich genau drei Kilometern und auf erdigen Pfaden dem Limesweg folgend stoßen wir auf eine Kreuzung, wo wir nach links den Pfad nehmen, der mit einem „Hasen“ ausgeschildert ist. (5)

Auf unserem Weg queren wir den Limes und stoßen auf einen geschotterten Weg, wo wir nach links entlang eines Zaunes wandern. Hier sehen wir nun Richtung Hausen blickend schon unser nächstes Ziel, den Hausbergturm. Am „Wanderparkplatz Gaulskopf“ gehen wir rechts und überqueren die Landesstraße 3035 (6). Zwei Mal überqueren wir diese Straße. Mit einem kurzen Abstecher auf einem ehemaligen Panzerweg der US-Armee und einem Zuweg am Tourenende sind das die einzigen Asphaltberührungen für heute.

Direkt neben dem Hinweisschild des Parkplatzes an der Strasse (hinter der Leitplanke, ggf. links umgehen) verläuft ein schmaler Pfad in den Wald, der uns südlich vorbei am Butzbacher Ortsteil Hausen-Oes führen wird. Ein „schwarzes Rechteck“, dem wir nach rechts folgen, begleitet uns nun für eine Weile. Wir wandern über Wurzeln direkt am Waldrand vorbei auf einem Pfad, der das Herz eines Wanderers aufgehen lässt: Ein herrlicher Blick, ein interessanter Weg, Vogelgezwitscher – was kann es Schöneres geben!

Am südlichen Ortsrand von Hausen-Oes treffen wir wieder auf den Limes-Wanderweg (7). Wer statt des „Hasen-Wegs“ geradeaus auf dem Limesweg durch Hausen-Oes gelaufen ist, kann so einige Hundert Meter abkürzen. Eine Ersparnis, die eigentlich kaum zu empfehlen ist, weil man dann den schönen Pfad nicht erleben kann. Unser „schwarzes Rechteck“ bleibt unser Begleiter, wir folgen ihm nach links.

An der nächsten Kreuzung können wir eine kleine Exkursion machen. Unser eigentlicher Weg geht nach rechts, wir aber gehen rund 150 Meter geradeaus und stoßen auf eine Tafel, die uns auf die Reste eines römischen Kleinkastells aufmerksam macht. Wer sich für die römische Geschichte interessiert, sollte diesen kleinen Umweg durchaus machen. (8)

Zurück an der Kreuzung folgen wir dem Hinweisschild „Hausberg-Turm“. Wir verlassen jetzt zunächst einmal die römische Epoche und tauchen in die Geschichte der Kelten ein, jenes Volk, das ganz ohne Schrift auskam. Wir wandern auf unserem Weg jetzt in Richtung Hoch-Weisel. Gelegentlich blicken wir nach links und schauen auf die fruchtbaren Äcker der Wetterau, die den Römern so wichtig waren, dass sie sie mit dem Limes schützten.

Wo der Weg sich verzweigt, verlassen wir den „schwarzen Balken“ und folgen jetzt leicht bergab dem „roten Vogel“ und der „Keltenstraße“, die durch den grünen Keltenfürsten auf weißem Grund gekennzeichnet ist.

Unser Pfad führt aus dem Wald heraus. Hier haben wir einen herrlichen Blick über Hoch-Weisel und die westliche Wetterau. Wir gehen sofort scharf rechts bergauf und durchwandern dem „roten Vogel“ folgend das FFH-Gebiet „Streuobstwiese und Wacholderheide“ von Hoch-Weisel. (9)

Unser Pfad stößt schließlich auf einen Wirtschaftsweg (an einer Stelle mit mehreren Birkenbäumen), den wir sofort nach rechts auf einen leicht ansteigenden Pfad verlassen, wir sind hier weiterhin auf der „Keltenstraße“, leider schlecht markiert. Durch den hohen Nadelwald nehmen wir jetzt einen langen Anstieg immer geradeaus und stoßen schließlich auf einen breiten Forstweg, der uns nach rechts direkt zum Hausberg führt. (10)

Jetzt haben wir zehn Kilometer unserer Wanderung geschafft und genießen mit dem Hausberg die höchste Erhebung unserer heutigen Tour. Wer noch genügend Reserven hat, sollte unbedingt den Turm selbst erklimmen. Von hier oben hat man einen spektakulären Ausblick von Marburg (im Norden) bis hin zum Melibokus im Odenwald (im Süden), über die ganze Wetterau hinweg bis zum Kraftwerk Staudinger in Großkrotzenburg und über die Münzenburg hinweg bis zum Hoherodskopf. Besonders erfreulich sind die Landschaftsfotografien mit den Hinweisen, welcher Ort sich wo am Horizont zeigt.

Nach unserer Rast überqueren wir den Platz und folgen dem Schild in Richtung „Forsthaus“. Die „Keltenstraße“ ist abermals unser Wegbegleiter. Wir durchbrechen die keltischen Ringwälle, die dem römischen Grenzwall nicht unähnlich sind. Stetig bergab gehen wir bis wir nach Hausen-Oes, wo wir auf den Wanderparkplatz stoßen (11). Wir gehen rechts und folgen nun immer dem „schwarzen Dreieck“, das uns zur zweiten Überquerung der Landesstraße beim Forsthaus bringt. „Pfadfinder“ können alternativ vom Parkplatz Oes dem „blauen Andreaskreuz“ folgen bis dieses nach rechts abbiegt, dort weiter geradeaus auf dem Eichenblattweg. Nach gut einem Kilometer durch lauschigen Buchenwald zweigt das Eichenblatt gegenüber einer verwilderten Bank im Wald nach rechts auf einen Pfad ab (unübersichtliche Markierung!), dieser Pfad vereint sich später wieder mit dem „schwarzen Dreieck“.

Vorbei am Forsthaus (ein Zwischenstopp zur Einkehr lässt sich hier besonders gut einrichten), stoßen wir direkt wieder auf den „Hessentagsweg“. Dieser Weg ist als Pfad ausgebaut und führt parallel zur breiten Forststraße in Richtung Westen (12).

Nach 800 Metern stoßen wir auf eine Kreuzung, die wir nach links mit unserem Wanderzeichen „Hessentagsweg“ gehen. Hier machen wir eine weitere Exkursion, die uns zur dritten Epoche Butzbacher Geschichte führt, nämlich die Stationierung der US-Armee in Butzbach und in einigen Butzbacher Stadtteilen.

Unser Pfad führt durch einen Wald. Wenn wir aus diesem heraustreten haben wir die Pfingstweide vor uns. Bis vor wenigen Jahren war hier noch die Übungsfläche der GI’s. Die Infanterie  hat geübt und  es sind Panzer über die Flächen gedonnert.

Aus dem Wald kommend laufen wir nach links (13) bis wir nach gut 100 Metern auf einen Betonweg stoßen. Diesem Weg folgen wir kurz nach rechts mit Sicht auf den Segelflugplatz, um an dessen Ende abermals nach rechts zu gehen.

Rund 300 Meter folgen wir jetzt diesem Weg, um dann, man muss genau schauen, damit man die Hinweisschilder des „Hessentagsweges“ findet, abermals nach rechts auf einem Schotterweg zu gehen, vorbei an einem idyllischen Teich, bis dieser Weg schließlich in einen Querweg mündet. Diesem Weg folgen wir kurz rechts, um dann links wieder in den Wald auf den Pfad des „Hessentagsweges“ parallel zum Forstweg zu gehen (14).

Nach einigen Hundert Metern führt der Pfad dann schließlich auf den breiten Forstweg. Das Radwege-Hinweisschild „Butzbach/Bahnhof - 1,6 Kilometer“ dient uns als Orientierung. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zu unserem Parkplatz.

Vorbei am Hochbehälter Schrenzer stoßen wir schließlich auf die Straße, die Butzbach mit seinem Schwimmbad verbindet. Direkt in der Kurve nehmen wir den Weg nach rechts, „rotes Dreieck“, und sind nach wenigen Minuten zurück an unserem Parkplatz.


Der rekonstruierte hölzerne Limeswachturm am Butzbacher Schrenzer.


Michael Mohr ist Wanderführer und hat die Tour ausgearbeitet. Hier ist er auf dem Erdwall des Limes zu sehen.


Auf schmalen Pfaden verläuft die heutige Tour.


Der Hausberg-Turm wurde vom Hausberg-Verein in Privatinitiative mithilfe von Spenden gebaut.


Der keltische Ringwall schützte einst die keltische Siedlung auf dem Hausberg.








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